Politik

Leihmutterschaft: Spahn unter Druck – so kontert er

Zum ersten Mal spricht Jens Spahn über sein Leihmutter-Baby in den USA – und verrät, warum ihn das innerlich zerreißt.

18.07.2026, 13:04 Uhr

Spahn äußert sich zu Elternschaft durch Leihmutterschaft in den USA

Jens Spahn steht wegen der Geburt seines Kindes mithilfe einer Leihmutter in den USA stark in der Kritik. In einem rund 30-minütigen Podcast mit „Bild“-Reporter Paul Ronzheimer spricht der CDU-Politiker ausführlich über die persönlichen, moralischen und juristischen Fragen, die damit verbunden sind.

Rücktrittsfrage

Ob er an der Spitze der Unionsfraktion bleibt, will Spahn der Entscheidung der Fraktion überlassen. Diese kommt nach der Sommerpause im September wieder zusammen. Er betont, dass letztlich nur die Fraktion über den weiteren Weg entscheiden könne. Zugleich macht er deutlich, was für ihn derzeit an erster Stelle steht: Seine Familie sei für ihn das Wichtigste geworden.

Parteibeschluss und persönliche Haltung

Spahn unterscheidet zwischen seiner eigenen Entwicklung und der offiziellen Linie der CDU. Die Partei lehnt eine Legalisierung der Leihmutterschaft ab. Er selbst sehe das inzwischen anders, akzeptiere aber den Mehrheitsbeschluss. Als Beispiel nennt er seine Haltung zur „Ehe für alle“: 2017 habe er im Bundestag dafür gestimmt und später seinen Mann geheiratet, obwohl die Mehrheit der Unionsabgeordneten dagegen gewesen sei. Spahn verweist dabei auch auf seinen christlichen Glauben und sagt, Menschen seien nicht perfekt und stünden oft vor schwierigen Gewissensfragen.

Vorwurf der Doppelmoral

Den Vorwurf, widersprüchlich zu handeln, könne er nachvollziehen, sagt Spahn. Gleichzeitig kritisiert er den Ton in der öffentlichen Debatte. Aus seiner Sicht prallen bei solchen Themen kirchliche Moral, ethische Grundsätze und das reale Leben aufeinander. Als katholischer Christ wisse er, dass es einen Unterschied zwischen der reinen Lehre und der Lebenswirklichkeit gebe.

Mehrfach beschreibt Spahn seine Haltung als innere Zerrissenheit. Die Frage der Familiengründung habe ihn über Jahre beschäftigt. Am Ende sei er zu dem Schluss gekommen, dass die Bedingungen in den USA für ihn verantwortbar gewesen seien.

Rechtliche Bewertung

Spahn weist darauf hin, dass es in Deutschland nicht verboten sei, durch Leihmutterschaft Eltern zu werden. Untersagt seien allerdings die Vermittlung und die medizinische Durchführung im Inland, weshalb der Weg hier faktisch versperrt sei. Er verweist zudem auf Entscheidungen des Bundesgerichtshofs, nach denen die gerichtliche Anerkennung von zwei Vätern in den USA auch in Deutschland Gültigkeit haben könne. Für ihn sei entscheidend gewesen, dass es dafür einen rechtlichen Rahmen gebe und kein Widerspruch zur deutschen Rechtsordnung bestehe. Ohne diese Einschätzung hätte er diesen Schritt nach eigenen Worten vermutlich nicht getan. Gleichzeitig räumt er ein, dass ein solcher Weg in Deutschland selbst nicht möglich wäre.

Seine Sicht auf die Vaterrolle

Spahn spricht von einer besonderen Verantwortung, die mit dem Vatersein verbunden sei. Es gebe dem Leben einen neuen und tieferen Sinn. Außerdem gehe es darum, einem Kind zu helfen, ein guter Mensch zu werden und seinen Platz im Leben zu finden. Für ihn und seinen Mann sei es wichtig, auch etwas weitergeben zu können. Zur Leihmutter selbst sagt Spahn nichts Näheres und verweist auf den privaten Charakter dieser Informationen.

Gespräch mit Kanzler Merz

Auch zu seiner Information an Bundeskanzler Friedrich Merz äußert sich Spahn. Er bestätigt, dass er Merz Ende vergangener Woche darüber informiert habe, dass er als Vater aus den USA zurückkehren werde. Der Kanzler habe ihm zunächst gratuliert und sich persönlich mit ihm gefreut. Zugleich sei in dem Gespräch auch thematisiert worden, dass die Situation politisch nicht unkompliziert sei.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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