Politik

1001-Nacht-Pläne: Söder und die 10 Milliarden

Söder fliegt an den Golf – offiziell Solidarität im Iran-Konflikt. Doch hinter der Reise steckt wohl noch viel mehr.

30.10.2026, 04:00 Uhr

Söder reist in die Golfregion – Fokus auf Investitionen, Technologie und Verteidigung

Während die Union weiter nach einer gemeinsamen Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten sucht, richtet CSU-Chef Markus Söder den Blick auf den Golf. Der bayerische Ministerpräsident startet am Sonntag zu einer viertägigen Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Katar. Ein ursprünglich geplanter Abstecher nach Saudi-Arabien wurde wegen der angespannten Sicherheitslage kurzfristig abgesagt. Hintergrund sind anhaltende schwere Spannungen zwischen den Huthi und Saudi-Arabien seit September.

Söder bezeichnet die Emirate und Katar als wichtige Partner Bayerns im Nahen Osten. Im Mittelpunkt der Reise stünden wirtschaftliche Zusammenarbeit, Investitionen, neue Technologien und der Verteidigungssektor. Ziel sei es, zusätzliche Aufträge und Investitionen für die bayerische Wirtschaft zu gewinnen und zugleich die Beziehungen zu Staaten der arabischen Welt auszubauen.

Milliardeninvestitionen aus den Emiraten

In den Vereinigten Arabischen Emiraten trifft Söder unter anderem Präsident Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan. Mit ihm war Söder bereits vor wenigen Wochen in München zusammengekommen. Damals wurde ein Abkommen unterzeichnet, das Investitionen in Höhe von zehn Milliarden Euro in Bayern vorsieht. Insgesamt wollen die Emirate 40 Milliarden Euro in Deutschland anlegen. Vorgesehen sind Investitionen unter anderem in Zukunftsbereiche wie Luft- und Raumfahrt, künstliche Intelligenz und Verteidigung.

Söder betonte, dass das zugesagte Investitionspaket nun rasch mit Leben gefüllt werden solle. Geplant sei ein konkreter Austausch zwischen arabischen Investoren und bayerischen Firmen. Besonders im Fokus stünden Gespräche über KI, Luft- und Raumfahrt, aber auch über Energieprojekte und Agrartechnologie.

Die Emirate sind nach Söders Angaben bereits heute Bayerns wichtigster Handelspartner in der Region. Das bilaterale Handelsvolumen lag 2025 bei rund 1,65 Milliarden Euro und ist seit Jahren gewachsen. Besonders stark sind dabei die bayerischen Exporte. Zu den wichtigsten Ausfuhrgütern zählen Autos, Maschinen, Elektrotechnik und chemische Produkte.

Katar als Station für Rüstung und Sicherheitstechnologie

Auch vom Besuch in Katar verspricht sich Söder wichtige Impulse. Dort soll vor allem der Verteidigungsbereich eine zentrale Rolle spielen. Nach seinen Worten sind bayerische Unternehmen mit ihrem technischen Know-how in der Wehrtechnik sehr gefragt. Als Beispiel nannte er moderne Drohnensysteme aus Bayern, die zur Verbesserung der Sicherheit beitragen könnten.

Vor dem Hintergrund der angespannten Lage in der Region ist das Interesse an moderner Militärtechnik groß. In den vergangenen Monaten hatte der Iran wiederholt Ziele in den Emiraten und in Katar mit Raketen und Drohnen angegriffen. Zugleich verwies Söder darauf, dass auch die Ukraine auf in Bayern hergestellte Flugabwehr- und unbemannte Waffensysteme zurückgreife.

Mit der Reise wolle Bayern auch ein politisches Signal senden. Söder sprach von Solidarität mit den Partnern am Golf in einer Phase großer Instabilität in der Region. Es werde dort positiv wahrgenommen, dass Bayern gerade jetzt den Kontakt suche und an der Zusammenarbeit festhalte.

Bayern will Zukunftsfelder ausbauen

Nach Söders Einschätzung ist das Interesse vieler Unternehmen an der Golfregion derzeit besonders groß. Er verweist auf erhebliche Investitionsmöglichkeiten und darauf, dass Bayern in mehreren Zukunftsbranchen international gut positioniert sei. Dazu zählt er unter anderem künstliche Intelligenz, Luft- und Raumfahrt, Robotik, Maschinenbau, Energietechnologie und Verteidigung.

Langfristig sieht Söder in diesen neuen Feldern eine sinnvolle Ergänzung zu den traditionellen Stärken des Freistaats wie Automobilindustrie, Maschinenbau und Chemie. Die Wirtschaftspolitik Bayerns setze auf Transformation und die gezielte Förderung moderner Technologien. Vor allem in den Bereichen Defense Tech, Cybersicherheit und Verteidigung sei die Nachfrage schon jetzt hoch.

Für Söder ist es nicht die erste Reise in die Golfregion. Bereits 2010 war er als Gesundheitsminister in den Emiraten. Nach Katar reist er nach eigenen Angaben nun zum ersten Mal.

Menschenrechte sollen im Dialog thematisiert werden

Wie bei Besuchen deutscher Spitzenpolitiker in der Region üblich, spielt auch diesmal die Menschenrechtslage eine Rolle. Söder kündigte jedoch an, nicht mit erhobenem Zeigefinger auftreten zu wollen. Veränderungen ließen sich seiner Ansicht nach durch Dialog und Partnerschaft besser erreichen als durch Belehrungen von außen.

Zugleich verwies er darauf, dass die Debatten im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft bereits erste Entwicklungen angestoßen hätten. Das Thema Menschenrechte bleibe präsent. Gerade bei unterschiedlichen Auffassungen sei es wichtig, im Gespräch zu bleiben und auf dieser Grundlage Verbesserungen zu erreichen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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