Brandenburg

Westdeutsche Vollzeitkräfte verdienen brutto weiter deutlich mehr als Beschäftigte im Osten

Auch 2025 bleibt laut offizieller Statistik eine erhebliche Lohnlücke zwischen West- und Ostdeutschland. Von der Linken kommt Kritik.

21.04.2026, 08:43 Uhr

Mehr als 35 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung besteht bei den Einkommen weiterhin ein deutlicher Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts, die auf eine Anfrage des Linken-Fraktionschefs Sören Pellmann zurückgehen, verdienen Vollzeitbeschäftigte im Westen brutto im Schnitt rund 17 Prozent mehr als im Osten.

Der Bruttojahresverdienst inklusive Sonderzahlungen lag 2025 im Westen bei 55.435 Euro, im Osten bei 46.013 Euro. Grundlage ist jeweils der Median, also die statistische Mittellinie zwischen den 50 Prozent mit höheren und den 50 Prozent mit niedrigeren Verdiensten. Auch beim Stundenlohn zeigt sich der Abstand: Im Westen lag der Bruttoverdienst bei 25,61 Euro, im Osten bei 21,36 Euro.

Trend hält an

Bereits im vergangenen Jahr war die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen und hatte die Lohnlücke ebenfalls mit 17 Prozent angegeben. Fachleute sehen einen wichtigen Grund in der niedrigeren Tarifbindung in Ostdeutschland, da Beschäftigte mit Tarifvertrag in der Regel besser bezahlt werden. Zugleich wird darauf verwiesen, dass in vielen ostdeutschen Flächenländern die Lebenshaltungskosten und Mieten oft niedriger sind als in westdeutschen Regionen.

Pellmann bezeichnete das anhaltend große Gefälle als Bankrotterklärung und sprach von politischem Versagen. Die Unterschiede seien nicht nur Folge der schwachen Tarifbindung, sondern auch eines Wirtschaftsmodells, das den Osten über lange Zeit als Billiglohngebiet behandelt habe. Während Konzerne und Arbeitgeber von der Lohnspreizung profitierten, müssten die Beschäftigten zwischen Ostsee und Erzgebirge die Folgen tragen, sagte der Leipziger Politiker.

Forderungen nach stärkerer Tarifbindung

Pellmann sprach sich für einen höheren Mindestlohn und mehr Tarifbindung aus. Öffentliche Aufträge sollten seiner Auffassung nach nur noch an Unternehmen vergeben werden, die an Tarifverträge gebunden sind. Solange der Osten beim Lohn systematisch abgehängt werde, sei die deutsche Einheit wirtschaftlich nicht vollendet.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erhöhte den Druck auf die Bundesregierung. Der Bund forderte, den in der EU-Mindestlohnrichtlinie vorgesehenen Aktionsplan für mehr Tarifverhandlungen auf den Weg zu bringen. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell verlangte unter anderem ein digitales Zugangsrecht für Gewerkschaften zu Betrieben, die Weitergeltung von Tarifverträgen bei Betriebsspaltungen sowie ein einfacheres Verfahren, um Tarifverträge für allgemeinverbindlich zu erklären.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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