Bayern

München feiert Salzburgs «Faust» mit tosendem Applaus

Rasches «Faust» elektrisiert München: Warum das fünfköpfige Ensemble bei der Premiere im Residenztheater alle Blicke fesselt

07.11.2026, 01:22 Uhr

Ulrich Rasches viel beachtete "Faust"-Inszenierung, die im Sommer bei den Salzburger Festspielen Premiere hatte, ist nun erstmals in München zu sehen. Am Residenztheater, das an der Produktion beteiligt ist, wurde der Abend nach mehr als dreieinhalb Stunden mit starkem Applaus aufgenommen — auch wenn nach der Pause nicht alle Zuschauer auf ihre Plätze zurückkehrten.

Konzentration auf Fausts Innenwelt

Rasche interessiert sich in seiner Deutung vor allem für die Frage, was in Faust vorgeht, wenn er sich auf den Pakt mit dem Teufel einlässt: Was treibt ihn an, woran leidet er, woran zerbricht er beinahe? Statt auf spektakuläre Bilder oder vertraute Stationen des Goethe-Stoffs setzt die Inszenierung auf Verlangsamung und radikale Reduktion.

Dabei fehlen mehrere berühmte Szenen des Dramas. Auerbachs Keller, die Hexenküche und selbst die bekannte Frage nach dem "Pudels Kern" tauchen in dieser Fassung nicht auf.

Reduziertes Bühnenbild, starke Körperlichkeit

Das Bühnenkonzept ist äußerst sparsam. Vieles, was sonst durch Ausstattung, Kostüme oder Requisiten erzählt wird, entsteht hier durch die Körper, Stimmen und Bewegungen der Schauspieler. Selbst die Exzesse der Walpurgisnacht werden nicht durch opulente Bilder gezeigt, sondern allein über Mimik, Gestik und Lautstärke vermittelt.

Im Zentrum steht damit weniger das äußere Geschehen als Fausts zerrissene Seele. Seine inneren Gegensätze, die zwei Seelen in seiner Brust, scheinen miteinander zu sprechen, zu kämpfen und einander herauszufordern — vielleicht nur in seiner Vorstellung, vielleicht ganz real im theatralen Raum.

Starkes Ensemble trägt den Abend

Dass dieser Ansatz aufgeht, liegt an der präzisen Choreografie und vor allem an einem eindrucksvollen fünfköpfigen Ensemble. Besonders Steven Scharf als Faust, Valery Tscheplanowa als Mephisto und Anna Drexler als Gretchen prägen den Abend. Mit großer Intensität machen sie Verführung, Zweifel, Moral und Grenzüberschreitung sichtbar — mitunter in bewusst gleichförmigem Ton, vor allem aber mit enormer Kraft.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen