Politik

Paukenschlag: Voigt gibt Doktorwürde kampflos auf

Kehrtwende bei Mario Voigt: Im Streit um seinen Doktortitel gibt Thüringens Regierungschef plötzlich auf – die Koalition weiß Bescheid.

07.10.2026, 10:48 Uhr

Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt beendet den Rechtsstreit um seine Dissertation und will den Entzug seines Doktortitels hinnehmen. Auf einer Pressekonferenz im Thüringer Landtag erklärte der CDU-Politiker, als Regierungschef müsse seine volle Aufmerksamkeit den Bürgerinnen und Bürgern gelten. Deshalb habe er entschieden, das Verfahren einzustellen.

Voigt: Fokus soll auf der Regierungsarbeit liegen

Voigt sagte, die Entscheidung falle ihm nicht leicht. Nach seinen Angaben hatten ihm seine Anwälte geraten, den Rechtsstreit fortzusetzen. Dennoch wolle er sich nun ohne Abstriche auf die Aufgaben konzentrieren, die vor ihm lägen. Ein solches Verfahren koste Zeit, Energie und Aufmerksamkeit.

Der 49-Jährige hatte in der Vergangenheit bereits von einem persönlichen Konflikt gesprochen: Einerseits habe er seine wissenschaftliche Arbeit verteidigen wollen, andererseits sei ihm bewusst gewesen, dass der Streit politisch gegen ihn genutzt werde.

Klage am Mittwochmorgen zurückgenommen

Hintergrund ist Voigts Dissertation aus dem Jahr 2008 mit dem Titel „Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf: George W. Bush gegen John F. Kerry“. Die Technische Universität Chemnitz hatte ihm den Doktorgrad wegen Plagiatsvorwürfen entzogen. Nachdem auch sein Widerspruch erfolglos geblieben war, zog Voigt vor das Verwaltungsgericht Chemnitz.

Nun ist der Rechtsstreit beendet: Nach eigenen Angaben nahm Voigt die Klage am Mittwochmorgen zurück.

AfD hielt den politischen Druck aufrecht

Seit Monaten steht Voigt wegen der Plagiatsaffäre unter politischem Druck. Vor allem die AfD um Landesparteichef und Fraktionschef Björn Höcke griff den Ministerpräsidenten im Landtag wiederholt an. Zwei konstruktive Misstrauensanträge gegen Voigt scheiterten jedoch bereits.

Seine Ankündigung erfolgte rund eine halbe Stunde vor einer Sondersitzung des Thüringer Landtags. Dort soll auf Antrag der AfD-Fraktion über eine Auflösung des Parlaments entschieden werden. Dass es tatsächlich zu Neuwahlen kommt, gilt allerdings als unwahrscheinlich, weil dafür eine Zweidrittelmehrheit nötig wäre.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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