Thüringen

3. Oktober: Mödlareuth überrascht

Warum ausgerechnet Mödlareuth am 3. Oktober alle Blicke auf sich zieht: Zwischen Demos, Kulturfest und Museum brodelt mehr.

01.10.2026, 04:15 Uhr

Mödlareuth rückt am Tag der Deutschen Einheit in den Mittelpunkt

Das kleine Grenzdorf Mödlareuth blickt auf eine außergewöhnliche Vergangenheit zurück. Wie einst Berlin war auch der Ort während der Zeit des Eisernen Vorhangs geteilt. Rund um den 3. Oktober steht Mödlareuth deshalb wieder besonders im öffentlichen Interesse. Geplant sind ein Kulturfest unter dem Motto „Mödlareuth grenzenlos bunt“, das Deutschlandfest der CSU mit Parteichef Markus Söder und Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) sowie erneut eine Veranstaltung der AfD.

Auch das im vergangenen Jahr modernisierte Deutsch-Deutsche Museum erweitert zum Feiertag sein Angebot. Nach Angaben des Landratsamts Hof sind Vorträge, Filmvorführungen und kostenlose Kurzführungen über das Außengelände sowie am Grenzturm Heinersgrün vorgesehen.

Deutlich mehr Gäste im Museum

Seit der Eröffnung des neuen Museumsgebäudes im Herbst 2025 ist das Interesse spürbar gestiegen. Von Januar bis Ende August 2026 wurden dort 55.253 Besucherinnen und Besucher gezählt. Das entspricht einem Plus von gut 25 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres.

Die CSU veranstaltet bereits seit vielen Jahren am 3. Oktober ihr Deutschlandfest in Mödlareuth und lädt dafür regelmäßig prominente Gäste ein. In diesem Jahr werden unter anderem Markus Söder und Mario Voigt erwartet.

Jünger ist dagegen die Tradition der AfD, am Einheitsfeiertag in dem Ort eine Kundgebung abzuhalten. Für die diesjährige Veranstaltung des Bezirksverbands Oberfranken wurden unter anderem der bayerische AfD-Vorsitzende Stephan Protschka sowie die Landtagsfraktionschefin Katrin Ebner-Steiner angekündigt.

Neubau des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth
Am 3. Oktober gibt es zahlreiche Veranstaltungen im kleinen Dorf Mödlareuth. (Archivbild) Quelle: Martin Schutt/dpa

Fest für Demokratie mit vielen Initiativen

Seit mehr als drei Jahrzehnten organisieren verschiedene Gruppen in Mödlareuth am 3. Oktober ein Demokratiefest. In diesem Jahr liegt die Verantwortung beim Bündnis „WIR im Land“, in dem Initiativen aus Bayern, Sachsen und Thüringen zusammenarbeiten.

Doritta Kolb-Unglaub vom Plauener Verein „colorido“ und Mitinitiatorin erklärte, man habe lange Zeit parallel zur CSU ein friedliches Fest gefeiert und sich gegenseitig akzeptiert. Mit dem Auftreten der AfD in Mödlareuth habe sich die Situation jedoch verändert.

Gleichzeitig betonte sie, dass das Demokratiefest mit rund 1.000 angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmern nicht als Protest „gegen etwas“ gedacht sei. Vielmehr solle sichtbar werden: „Wir sind da, wir sind vielfältig.“

Zum Bündnis gehören zahlreiche Organisationen, darunter der DGB, Verdi, kirchliche Gruppen, die Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg und die Arbeiterwohlfahrt. Gemeinsam wollen sie ein Zeichen für eine offene, vielfältige und inklusive Gesellschaft setzen. Vorgesehen sind unter anderem eine ökumenische Andacht, Redebeiträge und Musik.

Das „Little Berlin“ an der innerdeutschen Grenze

Während der deutschen Teilung verlief die Grenze mitten durch Mödlareuth. Eine Mauer trennte das Dorf in einen DDR-Teil und einen Teil der Bundesrepublik. Wegen dieser besonderen Geschichte wurde Mödlareuth international als „Little Berlin“ bekannt.

Das Museum entstand 1990, kurz nachdem Teile der Mauer beseitigt worden waren. Heute leben in dem Dorf rund 50 Menschen – ein Teil von Mödlareuth liegt in Thüringen, der andere in Bayern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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