Baden-Württemberg

Schock bei Ritter Sport: Jetzt baut der Schoko-Hersteller erstmals Stellen ab

Kakao, Energie, Logistik: 2025 wurde für Ritter Sport zur bitteren Belastungsprobe. Die explodierenden Kosten rissen den Schokoladenhersteller in die roten Zahlen. Jetzt zieht das Management die Reißleine - und Arbeitsplätze fallen weg.

23.04.2026, 10:24 Uhr

Ritter Sport baut in der Zentrale rund 70 Stellen ab

Nach einem Verlust im vergangenen Jahr setzt der Schokoladenhersteller Ritter Sport den Rotstift an. Wie ein Sprecher des Familienunternehmens auf Anfrage mitteilte, soll in der Zentrale in Waldenbuch bei Stuttgart etwas mehr als jede zehnte Stelle wegfallen. Es ist der erste Stellenabbau in der mehr als 110-jährigen Unternehmensgeschichte. Zuerst hatte die „Lebensmittel Zeitung“ berichtet.

Als Gründe nennt das Unternehmen stark gestiegene Rohstoffpreise, vor allem bei Kakao. Auch höhere Kosten für Energie und Verpackungen hätten das Geschäft belastet. Zudem spüre Ritter Sport eine deutliche Kaufzurückhaltung. Der Stellenabbau soll nach Unternehmensangaben möglichst sozialverträglich erfolgen, betriebsbedingte Kündigungen sind jedoch nicht ausgeschlossen.

Ritter Sport hatte bereits angekündigt, seine Kostenstrukturen vereinfachen zu wollen. Weltweit arbeiten nach Unternehmensangaben rund 1.900 Menschen für den Hersteller. In Waldenbuch sind es etwa 1.000 Beschäftigte, davon etwas mehr als 600 in der Verwaltung. Dort sollen rund 70 Stellen wegfallen.

Ritter Sport in der Verlustzone

Trotz eines kräftigen Umsatzanstiegs ist Ritter Sport 2025 in die roten Zahlen gerutscht. Das Betriebsergebnis blieb nach früheren Angaben des Unternehmens deutlich hinter den Erwartungen zurück. Ausschlaggebend seien vor allem die stark gestiegenen Rohstoffkosten gewesen. Konkrete Angaben zur Höhe des Verlusts machte Ritter Sport nicht. Bereits 2024 habe das Ergebnis zwar unter Druck gestanden, sei aber noch positiv gewesen, sagte ein Sprecher Ende Januar.

Beim Umsatz legte das Unternehmen im vergangenen Jahr um rund 17,7 Prozent auf 712 Millionen Euro zu, nach 605 Millionen Euro im Jahr 2024. Dabei handelt es sich um vorläufige und um Wechselkurseffekte bereinigte Zahlen. Das Plus habe die massiven Kostensteigerungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette jedoch nicht ausgleichen können.

Zwar erhöhte auch Ritter Sport die Preise für seine quadratischen Schokoladentafeln. Die gestiegenen Kosten hätten jedoch nur teilweise an den Handel weitergegeben werden können. Das Umsatzwachstum sei daher vor allem auf höhere Verkaufspreise zurückzuführen gewesen, während die Absatzmengen zurückgingen.

Kakaopreise nach besserer Ernte gesunken

Schokolade ist in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. Hintergrund waren befürchtete Ernteausfälle in Westafrika infolge von Pflanzenkrankheiten und Extremwetter. Hersteller und Händler gaben die höheren Rohstoffkosten an die Verbraucher weiter. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war eine Tafel Schokolade im März im Schnitt 71 Prozent teurer als 2020.

Zuletzt sind die Rohkakaopreise an den Börsen allerdings wieder deutlich gefallen. Grund dafür ist eine bessere Ernte. Mehrere Hersteller haben daraufhin ihre Preise bereits gesenkt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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