Baden-Württemberg

Bodensee schockt im Juli mit Rekord-Tiefstand

So leer war der Bodensee im Juli noch nie: Vor Reichenau liegt schon der Seegrund frei. Drohen jetzt erste Folgen?

09.07.2026, 12:51 Uhr

Bodensee erreicht für Anfang Juli historischen Tiefstand

Der Wasserstand des Bodensees ist derzeit so niedrig wie noch nie zu diesem Zeitpunkt im Jahr gemessen worden – und ein weiteres Absinken gilt als wahrscheinlich. Am Pegel in Konstanz wurden aktuell 318 Zentimeter registriert. Bereits am 7. Juli hatte der Stand mit 321 Zentimetern einen Negativrekord markiert. Nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) wurde an keinem 7. Juli seit Beginn der Messungen im Jahr 1850 ein geringerer Wert festgestellt.

Damit lag der Pegel 81 Zentimeter unter dem langjährigen Durchschnitt für diesen Tag. Zugleich wurde der bisherige Tiefstwert vom 7. Juli aus dem Trockenjahr 1976 um zwei Zentimeter unterschritten. Damals waren 323 Zentimeter gemessen worden.

Warum der Wert ungewöhnlich ist

Bemerkenswert ist der Rekord vor allem deshalb, weil der Bodensee Anfang Juli normalerweise eher viel Wasser führt. Üblicherweise erreicht der See laut LUBW seine höchsten Pegel gegen Ende Juni, wenn zusätzlich Schmelzwasser aus den Alpen zufließt.

Verantwortlich für das Niedrigwasser ist die anhaltende Trockenheit der vergangenen Monate. Besonders im Mai und Juni fiel nach Angaben der LUBW deutlich weniger Regen als sonst. Ohne länger andauernde, flächige Niederschläge dürfte der Pegel in den nächsten Tagen weiter sinken. Auch vom Deutschen Wetterdienst wird zunächst kein Regen erwartet.

Die Auswirkungen sind bereits sichtbar: Vor der Insel Reichenau liegt der Seegrund stellenweise frei. Außerdem kann die Weiße Flotte derzeit die Anlegestelle Mannenbach auf der Schweizer Seite gegenüber der Insel nicht mehr bedienen. Weitere Behinderungen für die Schifffahrt gibt es nach Angaben der Bodensee-Schiffsbetriebe bislang nicht.

Bodensee hat Niedrigwasser
Der Pegelstand ist auf ein saisonales Rekord-Tief gesunken. Quelle: Felix Kästle/dpa

Die niedrigsten Pegel kommen meist erst im Winter

Einen absoluten Negativrekord stellt der aktuelle Wert allerdings nicht dar. Die niedrigsten Wasserstände erreicht der Bodensee in der Regel erst in den Wintermonaten. Laut LUBW wurde der bisher niedrigste Jahreswert am 9. Februar mit 276 Zentimetern gemessen.

Der See folgt dabei einem natürlichen Jahresverlauf: Im Frühjahr und Sommer steigt der Pegel meist durch Regen und Schmelzwasser aus den Alpen. Ab dem Spätsommer nehmen diese Zuflüsse jedoch ab.

Hinzu kommt, dass im Herbst und Winter ein großer Teil des Niederschlags in den Alpen als Schnee fällt und zunächst gespeichert wird, statt in den See zu gelangen. Deshalb sinkt der Wasserstand im Jahresverlauf meist weiter und erreicht seine tiefsten Werte gewöhnlich im Winter.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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