Sachsen

Sprengstoff-Drohne am Flughafen: Wer steckt wirklich dahinter?

Sprengdrohne neben Ukraine-Flieger: Anschlag? Innenminister warnt vor Profi-Tätern im Hintergrund.

06.08.2026, 00:30 Uhr

Dobrindt wertet Drohnen-Vorfall in Leipzig/Halle als professionellen Anschlag

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) stuft den Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle als Anschlag ein. Nach seiner Einschätzung spricht vieles für ein hochprofessionelles Vorgehen. Auch eine Beteiligung „fremder Mächte“ schloss er bei einer abendlichen Pressekonferenz am Flughafen nicht aus. Er sprach von einem hybriden Anschlagsszenario, das nur mit erheblichem technischem Know-how und großer Erfahrung vorbereitet und ausgeführt werden könne.

Nach Angaben Dobrindts deutet zudem vieles darauf hin, dass militärischer Sprengstoff verwendet wurde. Das Gesamtbild spreche daher klar gegen ein amateurhaftes Vorgehen. Deutschland müsse sich mit einer solchen professionellen hybriden Bedrohungslage weiter intensiv befassen, sagte der Minister.

Drohne nahe ukrainischem Transportflugzeug entdeckt

Die Drohne mit der Sprengvorrichtung war in der Nacht zum Mittwoch auf der Start- und Landebahn „Südpiste“ des Flughafens Leipzig/Halle gefunden worden. Aus Sicherheitskreisen hieß es, sie habe sich in der Nähe einer ukrainischen Transportmaschine des Typs Antonow AN-124 Condor befunden. Spezialkräfte der Bundespolizei entschärften den Sprengsatz.

Nach Angaben des sächsischen Landeskriminalamts soll es zudem ein mutmaßlich zweites unbekanntes Flugobjekt gegeben haben. Dieses sei mit einem Frachtflugzeug kollidiert, nachdem die Maschine wegen der zuvor gesperrten Landebahn erneut durchstarten musste. Bei der späteren Landung in Hannover wurden an dem Flugzeug leichte Schäden festgestellt.

Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle
Dobrindt unterbrach seinen Urlaub für eine Lagebesprechung vor Ort. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa

Krisentreffen mit Sicherheitsbehörden

Dobrindt unterbrach wegen des Vorfalls seinen Sommerurlaub und reiste zu einer Lagebesprechung mit Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sowie Vertretern der Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern an den Flughafen.

Der Innenminister betonte, derzeit würden sämtliche denkbaren Spuren geprüft. Dazu gehörten Fragen nach der Art des Sprengstoffs, dem Aufbau der Drohne, ihrer Herkunft und möglichen Hintermännern. Zugleich warnte er davor, vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Nicht jede derzeit kursierende Vermutung müsse zutreffen, manche könnten sich auch als völlig falsch erweisen. Deshalb werde in alle Richtungen ermittelt.

Gleichzeitig machte Dobrindt deutlich, dass bereits der Umstand, dass sich eine mit Sprengstoff bewaffnete Drohne auf einem Flughafengelände befunden habe, ein neues Bedrohungsszenario darstelle. Er sprach von einem Wettbewerb, an dem möglicherweise auch ausländische Akteure beteiligt seien, die gezielt für Verunsicherung in Deutschland sorgen wollten.

Unter hybriden Angriffen versteht man in der Regel verdeckte Aktionen, die nicht auf offene Konfrontation zielen, sondern Unsicherheit und Destabilisierung auslösen sollen. Dazu zählen etwa Sabotage, wirtschaftlicher Druck oder Desinformationskampagnen.

Flughafenverband fordert bessere Abwehrsysteme

Wie schon an anderen deutschen Flughäfen musste auch in Leipzig der Flugbetrieb in den vergangenen Jahren wegen Drohnensichtungen mehrfach unterbrochen werden. Im Herbst zuvor war etwa am Flughafen München der Betrieb wiederholt wegen überfliegender Drohnen gestoppt worden. Als Reaktion wurde bei der Bundespolizei ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum eingerichtet, das den Austausch zwischen Bund und Ländern koordiniert und laut Dobrindt auch im aktuellen Fall eingebunden ist.

Nach Angaben des Flughafenverbands ADV warten die Flughäfen Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg, Leipzig/Halle und Köln/Bonn jedoch weiterhin auf die vom Bundesinnenministerium zugesagte Ausstattung mit Technik zur Erkennung und Abwehr von Drohnen. ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel sieht hier weiterhin deutliche Lücken.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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