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Bomben-Drohne am Flughafen – steckt Russland dahinter?

Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle: Warum diesmal nicht sofort Russland im Fokus steht, überrascht selbst Experten.

08.08.2026, 05:30 Uhr

Nach dem Fund einer mit Sprengstoff versehenen Drohne am Flughafen Leipzig/Halle richtet sich der Verdacht vieler Fachleute erneut schnell gegen Russland. Allerdings fehlte nach bisherigen Erkenntnissen ein intakter Zünder. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) äußerte sich daher vorsichtiger und sprach von einem möglichen „hybriden“ Angriff durch „fremde Mächte“.

Schon nach Drohnensichtungen an deutschen Flughäfen im vergangenen Jahr hatte Kanzler Friedrich Merz (CDU) erklärt, Kremlchef Wladimir Putin wolle Deutschland damit testen. Der aktuelle Fall wirft nun erneut die Frage auf, wer hinter solchen Vorfällen stecken könnte.

Wie weit sind die Ermittlungen?

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Im Raum stehen der Verdacht des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion sowie eines gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr, teilte die Behörde in Karlsruhe mit.

Nach bisherigen Erkenntnissen wurde die Drohne in der Nähe ukrainischer Transportflugzeuge entdeckt. Ein Mitarbeiter brachte das Fluggerät demnach zum Absturz. Kurz nach der zwischenzeitlichen Sperrung des Flughafens kollidierte außerdem ein durchstartendes Flugzeug mit einem unbekannten kleineren Flugobjekt. Dabei könnte es sich um eine zweite Drohne gehandelt haben.

Warum fällt der Verdacht so schnell auf Russland?

Für eine mögliche Beteiligung Moskaus spricht aus Sicht einiger Beobachter vor allem, dass Russland über eine weit entwickelte Drohnentechnologie verfügt. Hinzu kommt, dass die russische Führung in der Vergangenheit wiederholt mehr oder weniger offen mit Reaktionen auf westliche Waffenlieferungen an die Ukraine gedroht hat.

So veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium Adressen deutscher und anderer europäischer Rüstungsunternehmen. Ex-Präsident Dmitri Medwedew, heute Vizechef des russischen Sicherheitsrats, bezeichnete die betroffenen Firmen sogar als „Liste potenzieller Ziele für die russischen Streitkräfte“.

Der Russland- und Militärexperte Matthias Uhl hält es grundsätzlich für möglich, dass russische Geheimdienste verwickelt sein könnten. Vor allem der Militärgeheimdienst GRU wird seit Jahren mit verdeckten Operationen im Westen in Verbindung gebracht. Uhl weist aber zugleich darauf hin, dass es für Russland derzeit schwierig sein dürfte, eine solche Aktion umzusetzen, weil russische Agenten in westlichen Staaten besonders streng überwacht würden.

Welche Hinweise kommen aus den USA?

Neu hinzugekommen sind Berichte mehrerer US-Medien, die eine Spur nach Russland nahelegen. Das Wall Street Journal schrieb unter Berufung auf US-Beamte mit Zugang zu Geheimdienstinformationen, die mit Sprengstoff bestückte Drohne gehöre wahrscheinlich der russischen Regierung.

Auch CNN berichtete unter Verweis auf einen US-Verteidigungsbeamten in Europa, die USA seien zu dem Schluss gekommen, dass die Drohne einem russischen Geheimdienst zuzuordnen sei. Eine offizielle öffentliche Beweisführung liegt bislang allerdings nicht vor.

Welche früheren Vorwürfe wegen hybrider Angriffe gibt es?

Der aktuelle Verdacht steht nicht isoliert im Raum. Uhl erinnert unter anderem an Explosionen in einem Munitionsdepot in Tschechien im Jahr 2014. Die Regierung in Prag machte 2021 den russischen Militärgeheimdienst GRU dafür verantwortlich.

Auch an einen Fall aus dem Jahr 2024 gibt es Erinnerungen: Im DHL-Logistikzentrum in Leipzig geriet ein Luftfrachtpaket in Brand. Nach Einschätzung von Sicherheitskreisen soll das Paket im Auftrag Russlands dort platziert worden sein.

In Litauen stehen in diesem Zusammenhang derzeit fünf mutmaßliche Beteiligte vor Gericht. Ihnen werden terroristische Taten vorgeworfen. Sie sollen Pakete mit selbstgebauten Sprengsätzen verschickt haben. Die Aktionen sollen von Personen mit GRU-Verbindungen organisiert worden sein. Unter den Angeklagten sind russische, ukrainische und litauische Staatsangehörige.

Was spricht gegen eine russische Täterschaft?

Wladimir Putin hat Vorwürfe, Russland plane Angriffe auf Nato-Staaten, mehrfach entschieden zurückgewiesen und als „Blödsinn“ bezeichnet. Bereits nach den Drohnensichtungen an Flughäfen im Vorjahr sagte er, die Anschuldigungen sollten wohl die Lage weiter anheizen, höhere europäische Verteidigungsausgaben rechtfertigen und von anderen Problemen ablenken.

Auch Medwedew verwies auf andere mögliche Erklärungen. Er nannte etwa Provokationen durch ukrainische Akteure, die Europa tiefer in den Krieg hineinziehen wollten. Zugleich schloss er nicht aus, dass prorussische Untergrundgruppen in EU-Staaten das öffentliche Leben destabilisieren könnten. Ebenso denkbar seien aus seiner Sicht Aktionen von Rowdys, die ihre Behörden provozieren wollten.

Wie reagiert Moskau auf den aktuellen Fall?

Die russische Botschaft in Berlin spricht von einer gegen Moskau gerichteten „Provokation“ aus Kiew. Ziel sei es, in Deutschland antirussische Hysterie zu schüren und die Gesellschaft auf einen Krieg gegen Russland vorzubereiten, hieß es.

Ähnlich äußerte sich der in Russland bekannte Telegram-Kanal „Maester“. Dort war von einer billigen Inszenierung eines Sabotageakts die Rede. Ob ukrainische Akteure oder europäische Falken dahintersteckten, sei letztlich zweitrangig; ausschlaggebend sei der Trend zur Eskalation durch Kiew und die EU.

Schon nach den Drohnensichtungen an deutschen Flughäfen im vergangenen Jahr wies der Kreml entsprechende Vorwürfe zurück. Kremlsprecher Dmitri Peskow reagierte damals auf Äußerungen von Kanzler Merz, wonach wohl ein wesentlicher Teil der Aktionen aus Russland gesteuert werde.

Welche anderen „fremden Mächte“ kommen infrage?

Der russische Auslandsgeheimdienst SWR hatte mehrfach behauptet, ukrainische Geheimdienste planten antirussische Provokationen, um Russland dafür verantwortlich zu machen. Dabei war von sogenannten False-Flag-Aktionen die Rede, also Anschlägen unter falscher Flagge auf Infrastruktur in Europa.

Auch Experte Uhl hält ein solches Szenario nicht für ausgeschlossen. Ein Anschlagsversuch könnte demnach bewusst so inszeniert worden sein, dass der Verdacht auf Russland fällt. Dafür spreche aus seiner Sicht, dass sich deutsche Behörden bislang ausdrücklich mit direkten Schuldzuweisungen an Moskau zurückhalten.

Offene Fragen bleiben

Trotz der vielen Spekulationen ist bislang nicht abschließend geklärt, wer hinter dem Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle steckt. Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft und mögliche weitere Erkenntnisse aus dem In- und Ausland dürften nun entscheidend sein. Bis dahin bleibt offen, ob es sich tatsächlich um eine russische Operation, um eine gezielte Täuschung oder um ein anderes Szenario handelt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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