Bayern

Todesmutig in die Tiefe: Dieser Taucher jagt den Rekord

85 Meter, völlige Dunkelheit, neun Bar Druck: Warum ein Apnoetaucher im Starnberger See jetzt an die deutsche Grenze geht

08.08.2026, 05:00 Uhr

Rekordversuch im Starnberger See: Apnoetaucher will auf 85 Meter

Starnberg. Dunkelheit, eisiges Wasser und enormer Druck: Für den Apnoetaucher Minja Marinković ist die Tiefe dennoch kein Ort der Angst. Der 29-Jährige beschreibt das Gefühl unter Wasser vielmehr als still und fast entrückt – „wie auf einem anderen Planeten“. Am Samstag will er im Starnberger See an der Allmannshauser Steilwand mit nur einem Atemzug auf 85 Meter hinabtauchen und damit den deutschen Süßwasserrekord in der Disziplin Free Immersion ohne Flossen übertreffen.

Bei dieser Disziplin zieht sich der Taucher an einem Seil in die Tiefe. Ab etwa 30 Metern setzt laut Marinković der freie Fall ein: Dann liegt er die Arme eng am Körper an und sinkt kopfüber in die dunkle Tiefe, bis er den Wendepunkt erreicht. Von dort arbeitet er sich am Seil wieder nach oben. Für besseren Halt trägt er über seinen Neoprenhandschuhen sogar Gartenhandschuhe.

Ob der Versuch als neuer Rekord gilt, entscheiden Kampfrichter von Aida International, dem größten Weltverband des Apnoetauchens. Der bisherige deutsche Bestwert liegt bei 80 Metern und besteht seit 2011.

Dramatischer Zwischenfall an derselben Stelle

Gerade an der Allmannshauser Steilwand hatte es 2018 bereits einen ähnlichen Versuch gegeben: Damals tauchte Jens Stötzner auf 81 Meter und hätte den Rekord damit verbessert. Doch beim Auftauchen wurde er bewusstlos. Sein Sicherheitsteam griff sofort ein, weshalb der Rekordversuch nicht anerkannt wurde.

Auch diesmal bleibt die größte Gefahr dieselbe: ein sogenannter Blackout infolge von Sauerstoffmangel. Trotzdem sehen viele Freitaucher ihren Sport nicht automatisch als riskanter an als andere Disziplinen.

Freitauchen
Mit einem Atemzug und ohne Sauerstoffflasche erkunden Apnoe-Taucher die Unterwasserwelt. (Symbolbild) Quelle: picture alliance / dpa

In der Tiefe zählt absolute Ruhe

Marinković sagt, dass unten kaum Platz für Gedanken bleibt – und dass das auch besser so ist. Jeder Gedanke koste Energie und damit Sauerstoff. Deshalb gehe es vor allem darum, völlig ruhig zu bleiben.

Sein Trainingspartner Samuel Mauch erklärt, dass der komplette Tauchgang im Vorfeld mental durchgespielt wird. Diese Visualisierung helfe, den Ablauf später möglichst kontrolliert abzurufen. Auch Nils Heininger, Vizevorsitzender von Aida Deutschland, betont den mentalen Aspekt: Der Körper wolle in so einer Situation eigentlich Alarm schlagen, doch erfahrene Taucher versetzten sich bewusst in einen Zustand tiefer Gelassenheit. Gelinge das, entstehe beinahe eine meditative Leere – ein Zustand, der für viele Freediver besonders faszinierend sei.

Die Suche nach den Grenzen des Menschen

Noch vor nicht allzu langer Zeit galt es als kaum vorstellbar, dass Menschen ohne technische Hilfsmittel deutlich tiefer als 40 Meter tauchen könnten. Inzwischen liegt der Weltrekord im Meer in der Disziplin Free Immersion bei 137 Metern.

Wie einst beim Höhenbergsteigen die Besteigung des Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff als unmöglich erschien, bevor Reinhold Messner und Peter Habeler das Gegenteil bewiesen, stellt sich auch im Freitauchen immer wieder dieselbe Frage: Wie weit lässt sich die menschliche Leistungsfähigkeit verschieben?

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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