Sachsen

Experte warnt: Diese Kampf-Drohnen bedrohen uns

Spreng-Drohne am Airport Leipzig/Halle: Wie verwundbar sind unsere Flughäfen wirklich? Ein Experte schlägt Alarm.

06.08.2026, 04:00 Uhr

Der Fund einer Drohne mit Sprengvorrichtung am Flughafen Leipzig/Halle markiert nach Einschätzung des Dresdner Luftverkehrsexperten Hartmut Fricke eine neue Stufe der Bedrohung für kritische Infrastruktur. Bisher habe bei ähnlichen Vorfällen vor allem das Risiko einer Kollision mit Flugzeugen oder eines direkten Schadens durch die Drohne im Vordergrund gestanden. Durch einen Sprengsatz steige das Gefahrenpotenzial jedoch deutlich, sagte der Professor für Technologie und Logistik des Luftverkehrs an der TU Dresden der Deutschen Presse-Agentur.

Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach am Abend von einer "neuen Gefahrenqualität" sowie einem "hybriden Anschlagsszenario".

Vorfall wirft viele Fragen auf

Am Mittwoch war auf dem Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne entdeckt worden, an der sich eine Sprengvorrichtung befand. Spezialkräfte der Bundespolizei machten den Zünder unschädlich. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen lag das Fluggerät in der Nähe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124. Zudem wird nach Teilen eines möglichen zweiten Objekts gesucht, das mit einem Frachtflugzeug kollidiert sein könnte.

Nach Ansicht Frickes müssen die Ermittlungen nun vor allem klären, wo die Drohne gestartet wurde, wie sie unbemerkt in die Flugverbotszone des Flughafens eindringen konnte und weshalb sie erst auf der Start- und Landebahn bemerkt wurde. Außerdem müsse untersucht werden, wie verlässlich die vorhandenen Sicherheitssysteme kleine Multicopter überhaupt erfassen können. Erst auf dieser Grundlage lasse sich die tatsächliche Sicherheitslage bewerten.

Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle
Der Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle wirft nach Einschätzung eines Experten neue Fragen zur Sicherheit deutscher Flughäfen auf. (Archivbild) Quelle: Hendrik Schmidt/dpa

Sollte sich der Verdacht eines gezielten Anschlags erhärten, wäre das aus Sicht des Experten ein Hinweis darauf, dass die Erkennung so kleiner Flugobjekte an kritischen Infrastrukturen weiterhin unzureichend ist. Das betreffe sowohl die verfügbare Technik als auch die Geschwindigkeit, mit der solche Systeme in den praktischen Einsatz kommen.

Technik vorhanden, Umsetzung zu langsam

Fricke betonte, dass geeignete Technologien zur Drohnenerkennung grundsätzlich bereits existieren. Radar-, Laser-, Kamera- und Infrarotsysteme könnten miteinander verknüpft werden, um Drohnen möglichst frühzeitig aufzuspüren. Mithilfe von Algorithmen lasse sich zudem ihre Flugbahn berechnen.

Auf der Ebene von Prototypen gebe es bereits gute Fortschritte, sagte Fricke. Allerdings müsse die Einführung dieser Technik in Einrichtungen und am Markt deutlich schneller erfolgen. Er sprach sich dafür aus, neue Systeme schrittweise in die Praxis zu bringen, statt zu warten, bis alle Funktionen vollständig ausgereift seien.

Als besonders große technische Herausforderung nannte Fricke die Prognose der Flugbahn einer bereits entdeckten Drohne. Gerade diese Fähigkeit sei entscheidend, damit Sicherheitskräfte rechtzeitig reagieren könnten.

Experte rechnet mit weiteren Fällen

Mit Blick auf die Zukunft zeigte sich der Luftverkehrsexperte pessimistisch. Auf die Frage, ob ähnliche Vorfälle häufiger auftreten könnten, antwortete er: "Leider ja, solange die Russland-Aggression nicht stoppt."

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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