Bayern

Taser auf Streife: Schon 19 Einsätze mit der Waffe

Taser für Bayerns Streifenpolizei: Der Test läuft – und erste Zahlen zeigen, warum das Projekt jetzt für Diskussionen sorgt.

08.08.2026, 04:00 Uhr

Seit dem Start eines sechsmonatigen Pilotversuchs Anfang Juni hat die bayerische Polizei Taser im Streifendienst bereits 19 Mal eingesetzt. Nach Angaben des Innenministeriums reichte in 16 Fällen schon die bloße Ankündigung des Geräteeinsatzes aus, um die Situation zu beruhigen. Die bisherigen Rückmeldungen aus den beteiligten Dienststellen fallen demnach positiv aus.

Das Ministerium betonte, die Polizei im Freistaat sehe sich zunehmend mit Einsätzen konfrontiert, bei denen Gewalt angedroht oder direkt ausgeübt werde. Die sogenannten Distanz-Elektroimpulsgeräte (DEIG) sollen die Beamten schützen und zugleich ein möglichst schonendes sowie wirksames Mittel im Einsatz sein. Nach Abschluss der Testphase soll das Projekt umfassend ausgewertet werden.

Taser sind bei der bayerischen Polizei allerdings kein neues Instrument. Spezialeinheiten nutzen sie bereits seit 2006, geschlossene Einheiten wie das Unterstützungskommando seit 2021. Neu ist nun, dass die Geräte erstmals im regulären Streifendienst getestet werden — konkret bei den Polizeiinspektionen Schweinfurt, Regensburg Süd und Augsburg Mitte.

Einsatz nur in Vierer-Teams

Begleitet wird der Versuch von einer Arbeitsgruppe. Eine abschließende Bewertung sei laut Innenministerium jedoch erst nach dem Ende des Projekts möglich. Ein Sprecher erklärte, die Einsatzkräfte sähen in dem DEIG schon jetzt eine sinnvolle Ergänzung ihrer Ausrüstung.

Zustimmung kommt auch von der Deutschen Polizeigewerkschaft. DPolG-Landeschef Jürgen Köhnlein begrüßte den Test, verwies aber zugleich auf offene Punkte — etwa das sogenannte Vier-Kräfte-Konzept.

Denn aktuell dürfen Taser nur in Vierer-Teams eingesetzt werden. Für kleinere Dienststellen ist das bislang kaum praktikabel, da dort Streifen in der Regel mit nur zwei Beamten unterwegs sind.

Das Innenministerium will an diesem Modell vorerst festhalten. So solle gewährleistet werden, dass nach einem möglichen Taser-Einsatz sofort auf die betroffene Person zugegriffen und bei Bedarf umgehend weitere Maßnahmen eingeleitet werden könnten. Dies diene sowohl dem Schutz der Polizisten als auch der Sicherheit der betroffenen Person.

Debatte über Nutzen und Risiken

Der Einsatz von Tasern ist seit Jahren umstritten. Nach tödlichen Polizeischüssen auf eine mutmaßliche Messerangreiferin in München im vergangenen Jahr war etwa die Frage aufgekommen, ob der Einsatz eines Tasers den Tod der Frau womöglich hätte verhindern können.

Kritiker bezweifeln jedoch zum Teil die Wirksamkeit der Geräte und warnen davor, dass die Hemmschwelle für ihren Einsatz niedriger sei als bei Schusswaffen. Auf diesen Punkt haben unter anderem Wissenschaftler der Polizei-Hochschule in Nordrhein-Westfalen hingewiesen.

Das Innenministerium verweist dagegen darauf, dass bereits die Androhung eines Tasers häufig deeskalierend wirke. Genau das habe sich auch in der laufenden Erprobung gezeigt: In 16 von 19 Fällen sei die Lage schon nach der Ankündigung des Einsatzes beendet gewesen.

Zu möglichen Verletzungen erklärte das Ministerium, im Distanzmodus seien oberflächliche Hautverletzungen durch die eingesetzten Pfeilsonden möglich und regelmäßig zu erwarten. Weitere Verletzungen seien bislang jedoch nicht festgestellt worden.

Ob Taser tatsächlich dazu beitragen können, den Gebrauch von Schusswaffen zu vermeiden, soll ein zentraler Teil der Auswertung nach Ende des Pilotprojekts sein. Die Ergebnisse sollen anschließend als Grundlage für Empfehlungen zur künftigen Handhabung dienen — und damit auch für die Frage, ob der Einsatz im Streifendienst in Bayern ausgeweitet wird.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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