Attacken auf Beschäftigte im Gesundheitswesen sollten nach dem Willen von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul künftig separat in der Kriminalstatistik erfasst werden. Der CDU-Politiker erhofft sich davon ein genaueres Bild über das Ausmaß der Gewalt. Gegenüber der Rheinischen Post sagte Reul, Übergriffe auf Mitarbeitende in Arztpraxen und Kliniken nähmen zu. Aggressives Verhalten von Patienten und Angehörigen treffe längst nicht mehr nur Rettungskräfte.
Ärztekammern drängen seit Längerem auf wirksamere Maßnahmen zum Schutz von Rettungsdiensten und medizinischem Personal. Dabei ist immer wieder von einer zunehmenden Gewaltspirale die Rede. So hatte etwa die Ärztekammer Niedersachsen im März anlässlich eines europaweiten Aktionstags gegen Gewalt im Gesundheitswesen eine Verschärfung des Strafrechts gefordert. Verbale und körperliche Angriffe hätten oft schwerwiegende langfristige Folgen für die Betroffenen. Zudem leide auch die Patientenversorgung darunter: In akuten Gefahrensituationen werde die Behandlung unterbrochen oder verzögert, was erhebliche Risiken für die Sicherheit von Patienten mit sich bringe.
Trainings und technische Schutzmaßnahmen
Reul betonte, erst belastbare Zahlen könnten das Bewusstsein für bestehende Sicherheitslücken schärfen. Als Beispiel nannte er Fälle, in denen nach Gewalttaten im kriminellen Umfeld ganze Gruppen in Krankenhäusern randalierten. Solche Zustände dürften nicht hingenommen werden. Zugleich räumte er ein, dass sich nicht jede Klinik mit Sicherheitsschleusen oder permanenter Polizeipräsenz absichern lasse.
Als mögliche Gegenmaßnahmen brachte der Minister spezielle Schulungen ins Spiel. Vorbild könnten Trainings in Behörden mit hohem Publikumsverkehr sein, bei denen Beschäftigte lernen, potenziell gefährliche Gegenstände wie Scheren nicht offen liegen zu lassen. Außerdem sprach sich Reul für Alarmknöpfe aus, mit denen Mitarbeitende in Kliniken oder Praxen im Ernstfall unauffällig und schnell die Polizei verständigen könnten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber