Nordrhein-Westfalen

Feuer im Hohen Venn eingekreist – doch die Gefahr bleibt

Eingekesselt, aber brandgefährlich: Im Hohen Venn lodern die Flammen weiter – Evakuierte dürfen noch immer nicht zurück.

19.08.2026, 15:03 Uhr

Großbrand im Hohen Venn eingekesselt – Lage bleibt angespannt

Der große Wald- und Moorbrand im belgischen Hohen Venn ist nach Angaben der Behörden inzwischen von Feuerwehrkräften eingekesselt worden. Der Gouverneur der Provinz Lüttich, Hervé Jamar, sprach von einer positiven Entwicklung vor Ort. Seit Freitag kämpfen zahlreiche Einsatzkräfte in dem Naturschutzgebiet nahe der deutschen Grenze gegen die Flammen.

Vollständig unter Kontrolle ist das Feuer aber weiterhin nicht. Aus dem Umfeld des Gouverneurs hieß es, davon sei man noch entfernt. In der Nacht waren an mehreren Stellen erneut Flammen aufgekommen. Nach bisherigen Schätzungen wurden rund 3.000 Hektar zerstört.

Gouverneur: Brand eingedämmt, aber weiter aktiv

Jamar erklärte am Abend, an der Gesamtlage habe sich zunächst nichts Grundlegendes geändert. Der Brand sei zwar eingedämmt, bleibe aber aktiv. Neu aufflammende einzelne Brandherde würden von den Einsatzkräften vor Ort unter Kontrolle gehalten.

Sollten sich die Wetterbedingungen verbessern, könnte das Feuer am Donnerstag wieder aus der Luft bekämpft werden. Auch freiwillige Feuerwehrleute werden nach Behördenangaben weiterhin zur Unterstützung benötigt.

In Monschau wächst der vorsichtige Optimismus

Im deutschen Grenzort Monschau gibt es ebenfalls erste vorsichtige Entwarnung. Nach aktuellen Angaben breitet sich das Feuer derzeit nicht weiter in Richtung Deutschland aus.

Nach einer Lagebesprechung teilte die Stadt Monschau am Abend mit, die Feuerwehr habe im Venn leichte Erfolge erzielt. Der Regen der vergangenen Stunden habe die Löscharbeiten begünstigt, zudem habe die Rauchintensität etwas nachgelassen. Nach Angaben der Stadt waren zuletzt noch 170 Kräfte im Einsatz.

Evakuierung in Kalterherberg aufgehoben

Wegen der sich entspannenden Lage auf belgischer Seite hatte die Stadt Monschau bereits am Nachmittag die Evakuierung mehrerer Straßenzüge im Ortsteil Kalterherberg aufgehoben. Rund 30 Einwohnerinnen und Einwohner durften in ihre Häuser zurückkehren. Die Stadt hatte sie am Sonntag vorsorglich zum Verlassen ihrer Wohnungen aufgefordert.

Brandgeruch wahrnehmbar, aber keine akute Gesundheitsgefahr

Obwohl der Rauchgeruch auch in Deutschland vielerorts deutlich wahrgenommen wird, gibt es für die Städteregion Aachen Entwarnung. Nach Mitteilung der Behörden liegen die gemessenen Schadstoffwerte in der Luft unter den maßgeblichen Orientierungs- und Grenzwerten für schwere gesundheitliche Folgen.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen überprüfte die Luftqualität mit zwei Messfahrzeugen an zahlreichen Standorten, darunter in der Nähe von Kitas, Altenheimen, Arztpraxen und Krankenhäusern. Wie bei Waldbränden üblich, wurden Luftschadstoffe freigesetzt. Besonders auffällig war dabei eine erhöhte Feinstaubbelastung.

Reul mahnt zur Zurückhaltung bei der Ursachensuche

NRW-Innenminister Herbert Reul warnte erneut davor, vorschnell über den Auslöser des Feuers zu spekulieren. Das habe keinen Sinn, sagte der CDU-Politiker in Monschau. Die Ursache müsse gründlich untersucht werden. Sollten Verantwortliche ermittelt werden, müssten sie auch vor Gericht gestellt werden.

Falls sich niemand eindeutig feststellen lasse, bleibe vor allem der Appell, sich im Wald verantwortungsvoll zu verhalten – also keine Zigarettenkippen wegzuwerfen und kein offenes Feuer oder Grillen zu riskieren. Reul bezog sich damit auch auf Gerüchte, wonach möglicherweise Wildcamper den Brand verursacht haben könnten.

Bereits bei einem ersten Besuch im Brandgebiet Hürtgenwald hatte der Minister am Samstag sehr deutlich erklärt, dass das Feuer wohl durch menschliches Fehlverhalten ausgelöst worden sei.

WWF sieht schwere ökologische Folgen

Nach Einschätzung des WWF Belgien hat das Feuer enorme Schäden für die Natur im Hohen Venn verursacht. Die Umweltorganisation geht davon aus, dass sich das Ökosystem erst nach vielen Jahrzehnten wieder vollständig erholen kann. Große Mengen Asche hätten das natürliche Gleichgewicht des Bodens erheblich beeinträchtigt.

Auch ein Projekt zur Wiederansiedlung seltener Auerhühner ist nach Einschätzung von Fachleuten akut gefährdet, wenn nicht bereits gescheitert. Im Frühjahr waren 35 Tiere im Hohen Venn ausgewildert worden. Fachleute befürchten nun, dass die Kolonie kaum Überlebenschancen hat, weil ihr Lebensraum mitten in dem Gebiet lag, das von den Flammen erfasst wurde.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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