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Forscher warnen: Trampen ist riskanter als gedacht

Warum junge Leute kaum noch trampen: Krisen machen Sicherheit plötzlich wichtiger als Freiheit – mit überraschenden Folgen.

22.08.2026, 06:30 Uhr

Per Anhalter in den Urlaub oder ins nächste Abenteuer aufzubrechen, weckt bei vielen Älteren nostalgische Erinnerungen. Jüngere Menschen können damit jedoch immer seltener etwas anfangen. Der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski sagte der Deutschen Presse-Agentur, zwar lasse sich das nicht eindeutig mit Daten belegen, doch aus Sicht der Zukunftsforschung wachse der Wunsch nach Sicherheit stärker als das Bedürfnis nach Freiheit.

Für manche werde Sicherheit inzwischen fast zu einer neuen Form von Freiheit. Die eigentliche Herausforderung bestehe darin, sich sicher zu fühlen, ohne persönliche Freiheiten einzubüßen, so der 85-Jährige. Trampen passe aus seiner Sicht allerdings kaum noch in dieses Sicherheitsdenken, weil es im privaten Alltag als Risiko wahrgenommen werde.

Opaschowski beobachtet seit der Corona-Pandemie zudem eine zunehmend pessimistische Stimmung in Deutschland. Das Land erlebe aus seiner Sicht anhaltend unsichere Zeiten, ein Ende sei derzeit nicht in Sicht. Der Forscher erhebt seit Jahrzehnten mit repräsentativen Umfragen Stimmungsbilder in der Bevölkerung.

Junge Menschen reisen anders

Die jüngere Generation wachse mit diesem Unsicherheitsgefühl auf und richte sich entsprechend danach aus, meint Opaschowski. Fernreisen mit Abenteuercharakter, etwa spontane Touren nach Sri Lanka, würden seltener. Der Wunsch nach besonderen Erlebnissen bleibe zwar bestehen, vielen erscheine das Risiko aber zu hoch. Programme wie Work and Travel in vergleichsweise sicheren Ländern wie Australien wirkten dagegen überschaubarer.

Für kostspielige Kurztrips, etwa Junggesellenabschiede in Städten wie Palma de Mallorca oder Mailand, verwendet Opaschowski den Begriff „Luxese“. Gemeint ist eine Mischung aus Luxus und vorangehender oder nachträglicher Sparsamkeit, um sich solche extravaganten Reisen leisten zu können.

Dass auch auf kürzeren Strecken kaum noch jemand den Daumen raushält, hat nach seiner Einschätzung noch einen weiteren Grund: Die Menschen sind heute insgesamt mobiler als früher. Hinzu kommt, dass Bahnangebote für junge Reisende attraktiver geworden seien. Viele nähmen dann lieber in Kauf, unterwegs längere Wartezeiten zu haben und notfalls sogar ein paar Stunden auf einer Bank am Bahnsteig zu schlafen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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