Sport

Flutlicht-Drama: Springreiter holen Gold!

Nervenkrimi in Aachen: Deutschlands Reiter gehen als Führende ins WM-Finale – und dann bebt das größte Stadion der Welt.

21.08.2026, 21:52 Uhr

Deutsches Springteam holt WM-Gold in Aachen

Die deutschen Springreiter haben sich bei den Weltmeisterschaften in Aachen souverän den Mannschaftstitel gesichert. Schon nach dem dritten deutschen Paar stand fest, dass das Team von Bundestrainer Otto Becker nicht mehr von Platz eins zu verdrängen war. Damit durfte die Auswahl den Heimsieg bereits knapp eine Stunde vor dem Ende der letzten Teilprüfung feiern.

Als Daniel Deußer mit Otello seinen dritten WM-Umlauf fehlerfrei beendet hatte, brach im ausverkauften Stadion großer Jubel aus. Die meisten der rund 40.000 Zuschauer im größten Reitstadion der Welt hatten bis zum letzten Sprung angespannt und nahezu lautlos mitgefiebert, ehe sie den Heimsieg unter Flutlicht begeistert feierten. Auch Deußers Teamkollegen und Bundestrainer Becker gratulierten ihm direkt nach dem Ritt. Marcus Ehning rief ihm zu: „Abnormal“, Deußer selbst sprach von einem „unglaublichen“ Moment.

Silber ging an Belgien, Bronze an Großbritannien.

Erstes deutsches Team-Gold seit 2010

Der abschließende Start von Richard Vogel mit United Touch spielte für die Mannschaftswertung keine Rolle mehr. In allen drei Prüfungen wurden jeweils die drei besten Resultate eines Teams gewertet, sodass nach Deußers Auftritt die Entscheidung bereits gefallen war.

Zum deutschen Gold-Team gehörten neben Deußer und Vogel auch Sophie Hinners und Marcus Ehning. Für Deutschland ist es der erste WM-Mannschaftstitel im Springreiten seit 2010 in Lexington im US-Bundesstaat Kentucky. Schon damals waren Ehning als Reiter und Becker als Trainer Teil des erfolgreichen Teams. Insgesamt ist es der vierte deutsche Mannschafts-Weltmeistertitel in dieser Disziplin.

Mit einer knappen Führung vor den USA war die deutsche Auswahl in den Finalabend gegangen. Bereits an den beiden Vortagen hatte die Mannschaft mit sieben fehlerfreien Runden aus insgesamt acht Starts ihre starke Form gezeigt.

Ehning bleibt erneut makellos

Marcus Ehning eröffnete den Abend für das Gastgeber-Team und blieb auch in seiner dritten WM-Prüfung ohne Fehler. Der 52-Jährige zeigte mit Coolio einen souveränen und stilvollen Ritt und ließ den anspruchsvollen Parcours mit 14 Hindernissen beinahe mühelos aussehen.

Anschließend zeigte sich Ehning voll des Lobes für sein Pferd und hob hervor, wie konstant es über die drei Tage hinweg abgeliefert habe.

Hinners sammelt nur einen Zeitstrafpunkt

Auch Sophie Hinners blieb mit Singclair ohne Abwurf. Die WM-Debütantin war allerdings minimal zu langsam, überschritt die erlaubte Zeit auf dem 580 Meter langen Kurs von 87 Sekunden und erhielt dafür einen Strafpunkt. Dennoch war ihr Ritt ein wichtiger Beitrag zum Gesamterfolg.

Hinners zeigte sich danach begeistert von ihrem Pferd, das erneut kraftvoll und leicht über die Hindernisse sprang. Zugleich schwärmte sie von der außergewöhnlichen Atmosphäre im Stadion.

Deußer sorgt für die Vorentscheidung

Nach den starken Leistungen von Ehning und Hinners lieferte auch Daniel Deußer mit Otello einen fehlerfreien Umlauf ab. Der 45-Jährige präsentierte sich erneut souverän und machte mit seinem Ritt den Titelgewinn vorzeitig perfekt. Danach kannte die Begeisterung auf den Rängen und im deutschen Lager keine Grenzen mehr.

Richard Vogel blieb zum Abschluss ebenfalls ohne Abwurf. Der Einzel-Europameister kassierte mit United Touch lediglich zwei Strafpunkte wegen Zeitüberschreitung und ritt damit als frisch gekürter Mannschafts-Weltmeister in den Parcours ein. Anschließend winkte er glücklich ins feiernde Publikum.

Gute Ausgangsposition im Einzel

In der Einzelwertung sind Deußer und Otello derzeit das beste deutsche Paar. Sie liegen gemeinsam mit dem Schweizer Steve Guerdat auf Dynamix an der Spitze. Ehning folgt mit Coolio auf Rang fünf. Die Entscheidung im Einzel fällt am Sonntag in zwei weiteren Runden.

Team hält dem Druck stand

Im Verlauf des Tages war die Anspannung im deutschen Team spürbar gewachsen. Bundestrainer Otto Becker hatte im Vorfeld betont, wie zäh die langen Wartezeiten bei einer Weltmeisterschaft sein können, gerade weil die Reiter dort nicht wie bei vielen anderen Turnieren mit mehreren Pferden dauerhaft im Einsatz sind.

Becker erklärte zudem, dass die Rolle des Führenden als „Gejagter“ zusätzlichen Druck mit sich bringe. Gleichzeitig sei genau diese Ausgangslage natürlich die beste, um in ein Finale zu gehen.

Begeisterung über die Kulisse in Aachen

Voller Anerkennung äußerte sich Becker auch über die Stimmung in Aachen. Das Publikum sei fachkundig, leidenschaftlich und trage die Wettbewerbe in besonderer Weise. Schon in den anderen Disziplinen wie Dressur und Vielseitigkeit habe die Veranstaltung gezeigt, welchen Stellenwert der Pferdesport in Aachen besitzt.

Mit dem Mannschaftsgold im Springreiten setzte das deutsche Team bei dieser Heim-WM damit einen weiteren Höhepunkt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen