Bayern

Klinik-Skandal? Landkreis greift jetzt durch

Droht einer Reha-Klinik in Oberbayern der Entzug der Zulassung? Schwere Vorwürfe sorgen für bange Fragen bei Patienten.

01.09.2026, 17:12 Uhr

Nach Berichten über Missstände in einer Rehaklinik in Bruckmühl hat der Landkreis Rosenheim die Einrichtung unangekündigt kontrolliert und ein Verfahren zum möglichen Entzug der Konzession eingeleitet. Das teilte die Behörde mit.

Nach Angaben des Landratsamts wurde der Geriatrischen Reha-Klinik ein Anhörungsschreiben übermittelt. Darin soll die Einrichtung darlegen, wie die festgestellten Probleme kurzfristig behoben werden können. Der Ausgang des Verfahrens ist laut Behörde derzeit offen.

Klinik äußert sich und nennt Frist

Inzwischen hat sich die Klinik über einen beauftragten Kommunikationsberater geäußert. Demnach hat die Einrichtung bis Ende September Zeit, die Hinweise und Auflagen zum Dokumentationsmanagement umzusetzen.

Die Klinik erklärte, sie bedaure, dass die bereits angestoßene Verbesserung des Dokumentationssystems noch nicht abgeschlossen sei. Zugleich zeigte sie sich zuversichtlich, die Auflagen innerhalb der gesetzten Frist zu erfüllen.

Deutliche Schwächen bei der Dokumentation

Am vergangenen Donnerstag hatten das Landratsamt Rosenheim und der Medizinische Dienst Bayern die Klinik ohne Vorankündigung überprüft. Dabei wurden nach Angaben der Behörde erhebliche Mängel im Dokumentationsmanagement festgestellt.

Wegen der lückenhaften Unterlagen habe sich nicht vollständig nachweisen lassen, ob pflegerische und medizinische Versorgung in jedem Fall angemessen erbracht worden seien. Betroffen seien unter anderem ärztliche Verordnungen sowie die Gabe und Wirkung von Medikamenten.

Weitere Kritikpunkte bei Hygiene und Versorgung

Nach Angaben des Landratsamts traten bei der Kontrolle zudem in einzelnen Fällen Mängel bei der Basishygiene, der Wundversorgung und der Lagerung von Patientinnen und Patienten zutage.

Auslöser der erneuten Prüfung waren Medienberichte des Bayerischen Rundfunks über Missstände in der geriatrischen Reha-Einrichtung. Wie das Amt mitteilte, war die Klinik auch schon früher mehrfach unangekündigt vom Gesundheitsamt kontrolliert worden, teils nach Beschwerden.

Vorläufig keine Schließung

Besonders kritisch bewertet die Behörde die Dokumentationsmängel auch deshalb, weil die Klinik nach eigenen Angaben bereits 2023 ein modernes Dokumentationssystem eingeführt und das Personal dafür geschult hatte.

Für eine sofortige Schließung der Einrichtung gebe es aktuell jedoch keine ausreichenden Anhaltspunkte, so das Landratsamt. Auch andere sofortige Einschränkungen des Betriebs wurden nach Angaben des Kommunikationsberaters nicht angeordnet: Weder ein Aufnahmestopp noch eine Reduzierung der Betten seien verfügt worden. Da die grundsätzliche Versorgungssicherheit der Patientinnen und Patienten nicht beanstandet worden sei, laufe der Betrieb normal weiter.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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