Gamescom startet mit Neuheiten, Branchen-Sorgen und Rekordbeteiligung
Zum Auftakt der Gamescom in Köln haben etwa 5.000 Besucherinnen und Besucher die Präsentation kommender Titel begeistert verfolgt. In einer Messehalle wurden unter großem Beifall Trailer zu neuen Spielen gezeigt, die in den nächsten Monaten erscheinen sollen.
Moderator Geoff Keighley betonte bei der Eröffnungsshow „Opening Night Live“, dass sich die Spielebranche derzeit stark wandle. Diese Entwicklung sei zugleich spannend und beunruhigend. Er verwies auf Studioschließungen und auf die anhaltend hohen Preise für Hardware. Ein Grund dafür sei die starke Nachfrage nach Chips, unter anderem durch Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Das knappe Angebot verteuere auch Technik für Gamer.
Trotz schwieriger Rahmenbedingungen arbeiteten Entwicklerteams weltweit weiter mit großem Einsatz an neuen Projekten, sagte Keighley. Vorgestellt wurden unter anderem das Actionspiel „Nodus Fall“ mit Drachenkämpfen, der Taktik-Shooter „Rainbow Six: Tactics“, das mittelalterlich geprägte Horrorspiel „The Blood of Dawnwalker“, das Endzeit-Abenteuer „Metro 2039“ sowie „Game of Thrones: War for Westeros“, das auf der bekannten Fernsehserie basiert.
Motto der Messe: Optimismus und Wachstum
Die Gamescom steht in diesem Jahr unter dem Leitsatz „Games machen Lust auf Zukunft“. Bis Sonntag präsentieren sich in Köln mehr als 1.600 Aussteller – so viele wie noch nie. Im Jahr 2025 waren es noch 1.568 gewesen. Erwartet werden mindestens 350.000 Besucherinnen und Besucher. Darunter sind wie in den Vorjahren auch viele Cosplayer in aufwendigen Kostümen.

Rund zwei Drittel der Aussteller kommen aus dem Ausland, besonders Unternehmen aus Asien sind stark vertreten. An vielen Ständen werden erneut lange Warteschlangen erwartet, weil Besucher neue Spiele direkt ausprobieren möchten.
Wirtschaftliche Bedeutung der Branche wächst
Auch ökonomisch gewinnt die Games-Industrie weiter an Gewicht. Mit besseren technischen Möglichkeiten und einer steigenden Zahl von Spielerinnen und Spielern wächst der Markt insgesamt. Nach Angaben des Branchenverbands Game wurden in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 mit Spielen, Hardware und dazugehörigen Dienstleistungen rund 4,2 Milliarden Euro umgesetzt. Das entsprach allerdings einem Rückgang von drei Prozent. Als Hauptgrund gilt die Kaufzurückhaltung bei Verbraucherinnen und Verbrauchern wegen der höheren Hardwarepreise.
Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland jedoch eher ein kleiner Akteur. Nach Schätzungen fließen nur etwa fünf Prozent der Ausgaben für Games hierzulande in Produktionen aus Deutschland. Zu den wenigen größeren Studios zählt Crytek aus Frankfurt am Main.
Politik unter Druck: Branche hofft auf Steuererleichterungen
Für den Mittwoch werden auf der Messe Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU), die auch für Games zuständig ist, sowie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) erwartet.
Im Mittelpunkt dürfte dabei eine zentrale Forderung der Branche stehen: Steuererleichterungen für Games-Unternehmen. Diese sind zwar im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD vorgesehen, bislang aber nicht umgesetzt. Der Branchenverband Game drängt seit Längerem auf entsprechende Maßnahmen und verweist auf Länder wie Kanada und Frankreich, in denen solche Förderinstrumente bereits etabliert sind. Aus Sicht der Branche verschlechtert das Deutschlands Position im internationalen Wettbewerb.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber