Politik

Merz im Inferno: «Das ist Klimawandel»

Erst Urlaub, dann Krisenort: Warum Merz jetzt ins Brandgebiet Hürtgenwald reist – obwohl das Feuer schon gelöscht ist

22.08.2026, 17:01 Uhr

Merz sieht Brand in der Eifel als Ausdruck des Klimawandels

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat den inzwischen gelöschten Waldbrand im Hürtgenwald als Folge des Klimawandels eingeordnet. Bei einem Besuch im besonders betroffenen Ortsteil Gey sagte er, Deutschland müsse sich darauf einstellen, dass solche Ereignisse häufiger vorkommen.

Zugleich richtete er sich an Menschen, die den Klimawandel bestreiten. Wer daran zweifle, solle sich ansehen, was in Hürtgenwald passiert sei. Deutschland werde alles daransetzen, den Klimawandel zurückzudrängen, müsse aber gleichzeitig lernen, mit seinen Folgen zu leben. Darauf vorbereitet zu sein, sei eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen.

Proteste beim Besuch des Kanzlers

Der Besuch in Hürtgenwald-Gey wurde von Protesten begleitet. Rund zwei Dutzend Demonstrierende machten mit Rufen, Pfiffen und Plakaten auf ihren Unmut aufmerksam. Auf Schildern stand unter anderem: „Der Wald brennt und Friedrich pennt“ sowie „Kommst Du erst jetzt? Zu spät“.

Merz reagierte in seiner Ansprache direkt darauf. Von denen, die herumschrieen, lasse er sich nicht beeindrucken, sagte er sinngemäß. Er spreche mit denjenigen, die arbeiteten, halfen und sich im Sinne des Gemeinwesens engagierten.

Merz: Landrat bat um späteren Besuch

Auch die Frage, warum Merz erst nach dem Ende der Löscharbeiten kam, wurde erneut thematisiert. Der Kanzler erklärte, er habe bereits am vergangenen Wochenende mehrfach mit Landrat Ralf Nolten telefoniert und einen Besuch angeboten. Nolten habe ihm jedoch geraten, erst nach dem akuten Einsatz zu kommen.

Der Landrat schilderte, ein Besuch des Kanzlers während der laufenden Löscharbeiten hätte den Einsatz über Stunden behindern können. Aus der örtlichen Feuerwehr habe es dazu den treffenden Hinweis gegeben, man brauche in dieser Lage keine Politiker, sondern Menschen am Löschschlauch. Deshalb habe man sich darauf verständigt, dass ein Besuch auch an den Tagen danach sinnvoll sei.

Auf Pfiffe gegen Merz reagierte Nolten ebenfalls. Er forderte die Kritiker auf, ihre negative Energie lieber in etwas Nützliches umzuwandeln und sich etwa beim THW, bei der Feuerwehr oder beim DRK zu engagieren. Die Einsatzkräfte hätten ihre Arbeit gemacht und freuten sich über den Besuch des Bundeskanzlers.

Dank an Feuerwehr, THW, Bundeswehr und Ehrenamtliche

Merz dankte den zahlreichen Helferinnen und Helfern. Ohne das enge Zusammenspiel aller Beteiligten wäre die Lage aus seiner Sicht nicht so glimpflich ausgegangen. Sein Dank galt den Kräften von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk ebenso wie der Bundeswehr sowie Helfenden aus der Land- und Forstwirtschaft.

Der Kanzler sprach von „großartigen Organisationen“ und hob die Bedeutung des Ehrenamts hervor. Ohne die vielen freiwillig Engagierten könne das Gemeinwesen in Deutschland nicht in dieser Form funktionieren.

Erster öffentlicher Termin nach dem Sommerurlaub

Zeitweise waren rund 1.400 Menschen an der Brandbekämpfung beteiligt. Der Besuch in der nordrhein-westfälischen Gemeinde war Merz’ erster öffentlicher Termin nach seinem Sommerurlaub.

Das Feuer war am Donnerstag vergangener Woche aus bislang ungeklärter Ursache im Hürtgenwald ausgebrochen. Als mögliche Ursache gilt auch menschliches Fehlverhalten. Die Flammen kamen bis auf etwa 250 Meter an Grundstücke heran. Aus Sicherheitsgründen mussten rund 1.800 Bewohnerinnen und Bewohner des Ortsteils Gey ihre Häuser verlassen, durften aber zwei Tage später zurückkehren. Während der Evakuierung erlitt eine ältere Person Herzprobleme, zudem wurden Einsatzkräfte leicht verletzt.

Hunderte Hektar Wald beschädigt

Nach Angaben des Landesbetriebs Wald und Holz NRW wurden durch den Brand 300 bis 400 Hektar Wald verbrannt oder beschädigt. 400 Hektar entsprechen ungefähr einer Fläche von zwei mal zwei Kilometern. Am Donnerstag erklärte der Bürgermeister das Feuer offiziell für gelöscht. Das betroffene Waldgebiet wurde gesperrt.

Merz kündigte eine genaue Auswertung des Einsatzes an. Geprüft werden solle, was gut funktioniert habe und wo noch Lücken bestünden. Verbesserungsbedarf sieht er unter anderem bei den Kommunikationsverbindungen. Bereits am kommenden Dienstag und Mittwoch will sich das Bundeskabinett mit der Frage befassen, wie Deutschland künftig besser auf solche Großschadenslagen vorbereitet werden kann.

Schwieriger Einsatz mit Gegenfeuern und Löschhubschraubern

Um die Ausbreitung des Feuers zu stoppen, setzte die Feuerwehr auch Gegenfeuer ein. Bergepanzer der Bundeswehr schlugen bis zu 15 Meter breite Schneisen in den Wald. Zeitweise waren zudem bis zu elf Löschhubschrauber aus mehreren Bundesländern gleichzeitig im Einsatz.

Besonders schwierig sind Arbeiten in dem Gebiet wegen alter Weltkriegsmunition im Boden. Der Hürtgenwald war 1944 und 1945 Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen deutschen und US-amerikanischen Truppen. Die Gemeinde mit knapp 9.000 Einwohnern liegt im Westen Nordrhein-Westfalens nahe der belgischen Grenze.

Begleitet von NRW-Ministerin Gorißen

Vertreter der nordrhein-westfälischen Landesregierung hatten das Brandgebiet bereits zuvor besucht. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) unterbrach dafür bereits vor einer Woche seinen Urlaub. Aus der Bundesregierung war vor dem Besuch von Merz noch niemand vor Ort gewesen.

Begleitet wurde der Kanzler von Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU).

Während seiner Abwesenheit hatte die Opposition Merz angesichts der Hitzewelle Untätigkeit beim Klimaschutz vorgeworfen. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge sagte bei RTL und ntv, Merz wirke so, als hoffe er, dass während seines Urlaubs niemand auf die Idee komme, ihn für den Umgang mit den Folgen der Klimakrise verantwortlich zu machen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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