Die Schriftstellerin Christine Wunnicke wird 2026 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt mit. Der seit 1951 vergebene Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und zählt zu den wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum.
Die 59-jährige Autorin wird nach Angaben der Jury für ihr „stets überraschendes und souverän konzipiertes Erzählwerk“ geehrt, das an ganz unterschiedlichen Orten wie Hollywood, Nagasaki oder Paris spielt.
Akademie lobt Wunnickes Erzählkunst
In der Begründung hebt die Jury die besondere Wirkung von Wunnickes Werk hervor: Dessen Verblüffungskraft, sein eigenwilliger Ton und die über ein Vierteljahrhundert konsequent verfolgte Arbeit zögen Leserinnen und Leser mit jedem Buch in neue Auseinandersetzungen zwischen Fakt und Erfindung.
Wunnickes Kunst mache im vermeintlich Historischen das Fiktionale sichtbar und eröffne so einen entlarvenden Blick auf die europäische Wissenschafts- und Kolonialgeschichte. Gelobt werden außerdem ihr subtiler Sprachwitz und die Verbindung von Unterhaltung und anspruchsvoller Reflexion.
Ausgezeichnete Autorin mit ungewöhnlichen Stoffen
Die in München geborene Autorin findet ihre Stoffe oft eher zufällig und formt daraus Romane, die Historisches und Erfundenes auf besondere Weise miteinander verweben. Wunnicke studierte Linguistik, Altgermanistik und Psychologie in Berlin und Glasgow.
Sie wurde bereits vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Wilhelm-Raabe-Preis, und stand zweimal auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Zuletzt war sie mit ihrem Roman „Wachs“ erfolgreich, der im Frankreich des 18. Jahrhunderts spielt und von zwei sich liebenden Frauen erzählt. Eine der Figuren, Marie, will schon mit 13 Jahren Leichen kaufen, um Anatomin zu werden.
Zustimmung aus dem Literaturbetrieb
Der Autor und Literaturhaus-Leiter Hauke Hückstädt sprach von einer schönen, poetischen und literarisch-ästhetisch völlig überzeugenden Entscheidung. Zugleich verwies er darauf, dass Wunnicke nicht zu den Favoritinnen auf den Preis gezählt habe.
Als Wermutstropfen nannte Hückstädt das angekündigte Aus des Berenberg Verlags, der Wunnicke über Jahre begleitet habe. Zudem meide die Autorin öffentliche Bühnenauftritte. Umso größer sei die Hoffnung, sie bei der Preisverleihung in Darmstadt erleben zu können.
Verleihung in Darmstadt
Die Preisverleihung ist nach Angaben der Akademie für den 24. Oktober im Staatstheater Darmstadt geplant.
Vergeben wird der Preis an Autorinnen und Autoren, die auf Deutsch schreiben und laut Satzung mit ihren Werken in besonderer Weise hervortreten sowie das gegenwärtige deutsche Kulturleben wesentlich mitprägen. Finanziert wird die Auszeichnung vom Bund, vom Land Hessen und von der Stadt Darmstadt.
Bedeutende Namen unter den Preisträgern
Zu den bisherigen Trägern des Georg-Büchner-Preises zählen unter anderem Max Frisch, Günter Grass und Heinrich Böll. In den vergangenen Jahren wurden außerdem Terézia Mora, Lukas Bärfuss, Elke Erb, Clemens J. Setz, Oswald Egger und Ursula Krechel ausgezeichnet.
Namensgeber des Preises ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner. Der Autor von „Woyzeck“ wurde 1813 im Großherzogtum Hessen geboren und starb 1837 in Zürich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber