Neue Malariafälle in Frankfurt: Auch Anwohner nahe des Flughafens betroffen
In Frankfurt sind erneut Menschen an Malaria erkrankt. Nachdem im Sommer bereits sechs Beschäftigte des Flughafens infiziert worden waren und zwei von ihnen starben, wurden nun zwei Fälle im Stadtteil Schwanheim bekannt. Die Entwicklung wirft Fragen auf: Wie ungewöhnlich sind solche Infektionen in Deutschland, und besteht für Menschen in Flughafennähe ein erhöhtes Risiko?
Was über die neuen Erkrankungen bekannt ist
Die beiden Betroffenen aus Schwanheim werden im Krankenhaus behandelt. Nach Angaben des Frankfurter Gesundheitsamts konnte die Diagnose rasch gestellt werden. Als Ursache gelten Anopheles-Mücken aus einem Malaria-Endemiegebiet, die vermutlich mit einem Flugzeug nach Frankfurt gelangt sind. Solche Mücken können nach Einschätzung der Behörden Distanzen von fünf bis zehn Kilometern zurücklegen.
Auffällig ist: Die Infektionen traten rund fünf Kilometer vom Flughafen entfernt auf. Die Erkrankten waren weder im Ausland noch am Flughafen beschäftigt. Deshalb geht das Gesundheitsamt davon aus, dass auch diese Fälle auf sogenannte Flughafen-Malaria zurückzuführen sind – ähnlich wie die bereits bekannten sechs Infektionen zuvor.
Malaria wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen, sondern durch Mückenstiche. Die genauen Hintergründe werden weiter untersucht. Dabei soll auch geklärt werden, ob ein Zusammenhang mit den früheren Fällen besteht.
Wie groß ist die Gefahr für Anwohner?
Nach Einschätzung des Gesundheitsamts sind solche Vorfälle äußerst selten. Amtsleiter Peter Tinnemann betonte, dass es ungewöhnlich sei, wenn importierte Mücken sich rund um einen Flughafen über mehrere Kilometer hinweg bewegten. Hinzu komme, dass die Tiere nach einem langen Transport geschwächt seien und nur eine kurze Lebensdauer hätten.

Eine generelle Beunruhigung sei daher nicht angebracht. Dennoch sollten Menschen aufmerksam werden, wenn typische Beschwerden auftreten – vor allem dann, wenn sie am Frankfurter Flughafen arbeiten, sich dort häufig aufhalten oder in der Nähe wohnen. Als mögliche Symptome nannte Tinnemann unter anderem Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden.
Gibt es ähnliche Beispiele?
Vergleichbare Fälle hat es auch andernorts gegeben. Das Robert Koch-Institut verweist auf einen Ausbruch in Belgien im Jahr 2020. Damals waren nicht nur Beschäftigte am Flughafen, sondern auch Bewohner umliegender Wohngebiete betroffen. Ermittler vermuteten, dass eine eingeschleppte exotische Anopheles-Mücke Häuser in etwa fünf Kilometern Entfernung erreicht hatte.
Wie selten ist Malaria in Deutschland?
Malaria-Erkrankungen sind in Deutschland insgesamt sehr selten. Das RKI bezeichnet Flughafen-Malaria als ein ungewöhnliches Ereignis, das sowohl Ärzte als auch Gesundheitsbehörden vor besondere Herausforderungen stellt. Solche Infektionen können vor allem im Sommer im Umfeld internationaler Flughäfen auftreten, insbesondere wenn dort Maschinen aus tropischen Regionen landen. Der bislang letzte dokumentierte Fall dieser Art wurde 2023 ebenfalls am Frankfurter Flughafen registriert.
Auch der Heidelberger Tropenmediziner Friedrich Frischknecht betont, dass das Risiko bekannt, aber äußerst gering sei. Zwar könnten mit zunehmendem Flugverkehr vereinzelt mehr Fälle auftreten, insgesamt werde Flughafen-Malaria jedoch eine Rarität bleiben.
Ein weiterer besonderer Fall liegt fast drei Jahrzehnte zurück: 1997 infizierten sich in Nordrhein-Westfalen zwei Mädchen in einem Krankenhaus mit Malaria. Damals vermutete man, dass die in Deutschland vorkommende Mückenart Anopheles plumbeus die Erreger übertragen hatte. Zur gleichen Zeit wurde in dem Krankenhaus ein aus Angola stammendes Mädchen wegen Malaria behandelt. Wahrscheinlich hatte eine Mücke zunächst sie gestochen und anschließend die beiden anderen Kinder infiziert.
Was ist Malaria?
Malaria wird durch Parasiten ausgelöst, die meist durch Mücken übertragen werden. Menschen aus Deutschland stecken sich in der Regel auf Reisen in tropischen oder subtropischen Regionen an. Besonders gefährlich ist die Malaria tropica, die unbehandelt lebensbedrohlich verlaufen kann.
Nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts in Hamburg ist diese Form weltweit für mehr als 95 Prozent der Malaria-Todesfälle verantwortlich. Auch bei den aktuellen Frankfurter Patienten wurde diese Variante festgestellt. Bei früher Diagnose und rascher Behandlung gilt sie jedoch als gut therapierbar.
Warum ist Flughafen-Malaria so tückisch?
Das Problem bei Flughafen-Malaria liegt vor allem darin, dass sie oft nicht sofort in Betracht gezogen wird. Weder die aktuellen Patienten aus Schwanheim noch die zuvor betroffenen Flughafenmitarbeiter waren zuletzt in klassischen Malariagebieten unterwegs. Dadurch wird die Diagnose leicht übersehen.
Das RKI weist darauf hin, dass Todesfälle in Deutschland auch deshalb vorkommen, weil Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen häufig als grippaler Infekt oder Magen-Darm-Erkrankung fehlgedeutet werden. Das Frankfurter Gesundheitsamt ruft deshalb sowohl Bürger als auch Ärzte dazu auf, bei entsprechenden Symptomen auch an Flughafen-Malaria zu denken. Ein Schnelltest kann die Diagnose zügig absichern.
Nimmt das Risiko mit kühleren Temperaturen ab?
Mit Herbst und Winter sinken die Überlebenschancen vieler tropischer Mücken. Laut Experte Frischknecht sind sie bei niedrigen Temperaturen weniger aktiv und deutlich weniger widerstandsfähig. Allerdings könnten sie sich weiterhin in temperierten Bereichen des Flughafens aufhalten.
Zudem gibt es in seltenen Einzelfällen auch die Möglichkeit, dass heimische Mücken Malaria übertragen – vorausgesetzt, sie tragen den Erreger in sich. Entwarnung gibt der Experte jedoch bei der sich in Deutschland ausbreitenden Tigermücke: Sie kann zwar Krankheiten wie Dengue, Zika oder Chikungunya übertragen, nicht aber Malaria.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber