Im Verfahren um die mutmaßliche Entführung der Block-Kinder ist eine wichtige Zeugin mit drastischen Vorwürfen zur Silvesternacht 2023/24 konfrontiert worden. Zugleich wurde bekannt, dass mit Jonathan C. ein weiterer mutmaßlich Beteiligter für seine geplante Aussage vor dem Landgericht Hamburg sicheres Geleit erhält.
Verteidigung befragt Zeugin zu den Vorfällen in Dänemark
Die 51 Jahre alte Zeugin aus Israel, die in Hamburg unter dem Alias „Olga“ aussagte, hatte zuvor erklärt, der mitangeklagte Familienanwalt Andreas Costard habe dem Team vermittelt, es drohten keine rechtlichen Folgen, sobald die Kinder wieder in Deutschland seien. Rückblickend sei aus ihrer Sicht „alles falsch“ gewesen, sagte sie.
Costards Verteidiger Marko Voß hielt der Zeugin daraufhin eine Reihe konkreter Fragen zu den mutmaßlichen Abläufen in Dänemark vor: Ob sein Mandant jemals gesagt habe, der Vater dürfe zu Boden gebracht werden, die Kinder dürften gefesselt und in den Fußraum eines Autos gedrückt werden, ob Klebeband um den Kopf gewickelt oder ein Kind nachts durch einen Wald getragen werden dürfe. Auf all diese Fragen antwortete die Zeugin nach Gerichtsangaben jeweils mit Nein.
Die Verteidigung leitete daraus ab, dass über solche Gewalthandlungen im Vorfeld nicht gesprochen worden sei und Costard deshalb nicht falsch über die rechtlichen Risiken des Vorgehens beraten haben könne.
Familienanwalt gehört zu den Hauptangeklagten
Andreas Costard zählt neben Christina Block und einem 36-jährigen Israeli zu den Hauptangeklagten in dem seit Juli 2025 laufenden Prozess. Dem 64-Jährigen wird vorgeworfen, gemeinsam mit der Unternehmerin den Auftrag erteilt zu haben, die beiden jüngsten Kinder vom Wohnort ihres Vaters in Dänemark nach Deutschland bringen zu lassen. Vorausgegangen war ein langjähriger und erbitterter Sorgerechtsstreit.
Die Anklage gegen Costard lautet auf gemeinschaftliche schwere Entziehung Minderjähriger in Tateinheit mit gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung sowie gemeinschaftliche Freiheitsberaubung. Zudem soll er das israelische Team im Hamburger Grand Elysée Hotel kostenlos untergebracht haben. Der Anwalt hat sich vor Gericht bislang nicht zur Sache eingelassen.
Christina Block, Tochter des Block-House-Gründers Eugen Block, weist die Vorwürfe weiterhin zurück. Neben ihr stehen noch sechs weitere Angeklagte vor Gericht.
Zeugin „Olga“ schildert Auswahl des Teams
Die Aussage der 51-Jährigen erstreckte sich über vier Verhandlungstage. Laut Anklage war sie „die rechte Hand“ des Chefs der israelischen Sicherheitsfirma, die für die Tat verantwortlich gewesen sein soll. Sie hatte sich erst im laufenden Verfahren aus Israel gemeldet und für ihre Aussage sicheres Geleit erhalten.
Nach ihren Angaben wurde bei der Zusammenstellung des Teams darauf geachtet, dass keine „Verbrecher“ beteiligt seien. Es hätten „gute Leute“ sein sollen, außerdem sei immer wieder betont worden, dass keine Gewalt angewendet werden dürfe.
Die Zeugin berichtete zudem, sie habe sich vor der Tat mit Christina Block angefreundet.
Verteidiger streiten über Widersprüche in den Aussagen
Auch Christina Blocks Verteidiger Ingo Bott versuchte, Unstimmigkeiten in der Aussage der Zeugin herauszuarbeiten. Nach seiner Darstellung nannten die mutmaßlichen Entführer unterschiedliche Zeitpunkte für ein angebliches Treffen mit seiner Mandantin Ende Dezember 2023 im Hotel. Auch die Behauptungen zu einem angeblichen Codewort „Happy new year“ für die erfolgte Rückholaktion seien aus seiner Sicht in sich zusammengefallen.
Bott erklärte am Rande der Verhandlung, aus der Aussage der Zeugin sei deutlich geworden, dass Christina Block nicht gewusst habe, was in der Silvesternacht geschehen werde. Der Vertreter der Nebenklage, Philip von der Meden, bewertete die Aussagen dagegen gegenteilig: Die israelischen Zeugen und Beschuldigten hätten klar gemacht, dass die Entführung so abgelaufen sei, wie sie angeklagt wurde.
Hintergrund des Falls ist, dass Blocks Ex-Mann Stephan Hensel die Kinder nach einem Besuch im Sommer 2021 nicht wie vereinbart nach Hamburg zurückgebracht haben soll.
Weiteres sicheres Geleit für Jonathan C.
Wie die Staatsanwaltschaft Hamburg auf Anfrage mitteilte, erhält nun auch der Zeuge Jonathan C. sicheres Geleit für die Dauer seiner Aussage vor dem Landgericht Hamburg. Zuvor hatten bereits vier Beschuldigte aus Israel diese Zusicherung erhalten. Nach Angaben des Gerichts müssen sie sich später jedoch in eigenen Verfahren verantworten.
Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft erklärte, das Ermittlungsgericht habe dem Beschuldigten auf dessen Antrag hin sicheres Geleit gewährt. Die Staatsanwaltschaft selbst habe keinen solchen Antrag gestellt, weil sie die Voraussetzungen für diese Ausnahmeregelung nicht als erfüllt angesehen habe. Nach der Strafprozessordnung bedeutet sicheres Geleit unter anderem Schutz vor Untersuchungshaft während des Auftritts als Zeuge.
Jonathan C. äußerte sich bereits öffentlich
Jonathan C., der als Model gearbeitet haben soll und nach eigenen Angaben früher längere Zeit in Hamburg lebte, hatte sich bereits im Frühjahr aus Israel in deutschen Medien geäußert. Er sagte damals, ihm sei vermittelt worden, die Rückholung der Kinder sei rechtmäßig. Deshalb habe er helfen wollen.
Nach Aussagen anderer mutmaßlicher Beteiligter wurde er erst kurzfristig in das Team aufgenommen, weil er gut Deutsch spreche und mit den Kindern kommunizieren sollte. Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft soll seine Rolle in dem Komplex eher gering gewesen sein.
Der Prozess wird am 11. Juni fortgesetzt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion