Brandenburg

Strom-Saboteur gefasst: Das ist bisher bekannt

Bekennerbriefe, Raketen, Sprengstoff-Zelt: So jagten Ermittler den mutmaßlichen Strom-Saboteur – und das fanden sie bei ihm.

08.09.2026, 14:29 Uhr

Seit mehreren Tagen wurde nach ihm gefahndet, nun ist der mutmaßliche Saboteur gefasst: Die Polizei hat einen 48-Jährigen festgenommen, dem mehrere Angriffe auf die deutsche Energieinfrastruktur zugeschrieben werden. Zuletzt hatten sich die Entwicklungen rasant zugespitzt. Ein Überblick über die Vorwürfe und den Stand der Ermittlungen.

Welche Taten werden dem Verdächtigen angelastet?

Nach bisherigen Erkenntnissen soll der Mann in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen versucht haben, mit selbst gebauten Raketen dünne Drähte über Hochspannungsleitungen zu befördern, um auf diese Weise Kurzschlüsse auszulösen.

Offenbar gelang dies mindestens in zwei Fällen: In Bergheim bei Köln wurden durch einen Kurzschluss mehrere Blöcke eines Kraftwerks für einige Tage außer Betrieb gesetzt. Am Umspannwerk Turnow-Preilack nahe dem Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg kam es ebenfalls zu zwei Kurzschlüssen. Dort sollen mehr als 20 improvisierte Raketen leitfähiges Material auf Hochspannungsleitungen geschossen haben. Stromausfälle blieben in beiden Fällen jedoch aus.

In Sachsen entdeckten Spezialkräfte des Landeskriminalamts zudem 21 Sprengvorrichtungen in direkter Nähe von Hochspannungstrassen und machten sie unschädlich.

Wie geriet der 48-Jährige ins Visier der Ermittler?

Die Behörden stützen sich unter anderem auf Bekennerschreiben, die sie für echt halten und dem Festgenommenen zurechnen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, die Inhalte dieser Schreiben enthielten eindeutiges Täterwissen.

Nach Angriff auf Stromnetz in NRW
Rund um das Kraftwerk ist die Polizei seit Montagnachmittag mit zahlreichen Kräften im Einsatz. Quelle: Sascha Thelen/dpa

In den Briefen rechtfertigte der Mann die Angriffe demnach als Kampf gegen fossile Energie. Dort heißt es sinngemäß, Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen sei ein Verbrechen. Die Attacken richteten sich auffällig gegen Bundesländer, in denen weiterhin Braunkohle gefördert und verstromt wird. Dobrindt sprach in diesem Zusammenhang von einem offensichtlichen Fall von „Klimaterrorismus“ durch einen Einzeltäter.

Was ist über den Beschuldigten bekannt?

Der 48-Jährige lebt in Gevelsberg im südlichen Ruhrgebiet. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung fanden Ermittler am Freitag Sprengstoff. Später stürmte ein Spezialeinsatzkommando in Niederzier am Tagebau Hambach einen Lastwagen, der offenbar zu einem Wohnmobil umgebaut worden war.

Wie verlief die Fahndung?

Nach Angaben der Brandenburger Polizei ermittelt die Staatsanwaltschaft Cottbus wegen des Verdachts, eine Sprengstoffexplosion herbeigeführt und öffentliche Betriebe gestört zu haben. Das Amtsgericht Cottbus erließ bereits am Freitag Haftbefehl. Einen Tag später veröffentlichte die Polizei einen Fahndungsaufruf mit zwei Fotos des Mannes. Gesucht wurde zudem nach einem Fahrrad, das er möglicherweise genutzt haben soll.

Im Verlauf der Suche kam es zu mehreren größeren Einsätzen: Am Sonntag durchkämmten Beamte den Hambacher Forst bei Köln, ohne eine Spur des Gesuchten zu finden. Am Montag folgte ein größerer Einsatz im Raum Remscheid-Wuppertal in der Nähe eines Umspannwerks. Auch an einem Umspannwerk in Wesel war die Polizei im Einsatz.

Eine rund 60-köpfige Ermittlungsgruppe sichtete umfangreiche Unterlagen aus dem Besitz des Verdächtigen, um mögliche weitere Tatorte im gesamten Bundesgebiet zu identifizieren. Die Sicherheitsbehörden standen dazu in engem Austausch mit anderen Bundesländern.

Kurz vor der Festnahme entdeckten Ermittler am Montag erneut mehrere Abschussvorrichtungen an einer Hochspannungsleitung nahe des Kraftwerks Weisweiler. In unmittelbarer Nähe dieses Fundorts wurde der Mann schließlich aufgegriffen. Außerdem stießen die Behörden dort auf ein weiteres Bekennerschreiben.

Wie kam es zur Festnahme?

Nach Informationen der dpa fiel der 48-Jährige der Polizei in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen auf. Bei seiner Festnahme leistete er demnach keinen Widerstand. Er hatte Sprengmittel bei sich. Die Polizei Köln teilte mit, diese Gegenstände würden derzeit von einem Entschärfer des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts untersucht.

Darüber hinaus entdeckten Einsatzkräfte im Unterholz ein Zelt, das mit weiteren Sprengsätzen versehen gewesen sein soll. Vor Ort sichern die Beamten nun Spuren und Beweise und prüfen zugleich, ob im Umfeld noch weitere bislang unentdeckte Abschussvorrichtungen installiert wurden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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