Schon vier Monate vor dem Start des Oktoberfests am 19. September wird in München intensiv über die Wiesn 2025 diskutiert. Im Mittelpunkt stehen verschärfte Sicherheitsvorkehrungen, zusätzliche Vorschriften und ein Konflikt um die Vergabe der Festzelte, der diesmal deutlich größere Kreise zieht als in früheren Jahren.
Der Stadtrat hat nun mehrere Neuerungen auf den Weg gebracht, nachdem Entscheidungen zuletzt noch vertagt worden waren. Eigentlich sollte in der Sitzung vor allem die Amtseinführung des neuen Oberbürgermeisters Dominik Krause (Grüne) im Mittelpunkt stehen. Doch auch die Zukunft des größten Volksfests der Welt beschäftigt die Stadtpolitik stark.
Krause blickt mit Vorfreude auf seinen ersten Anstich. Es sei für ihn eine gigantische Ehre, sagte er. Früher hätten ihn eher die Fahrgeschäfte gereizt, heute mehr die Zelte. Beim Anzapfen hofft er, mit zwei oder drei Schlägen auszukommen.
Kein Platz mehr für Champagner-Duschen
Nach dem Willen der Stadt soll auf der Wiesn künftig Schluss sein mit sogenannten Champagner-Duschen in den Zelten. Immer wieder war in sozialen Netzwerken zu sehen, wie Gäste Schaumwein versprühten und andere Besucher damit überschütteten.
Aus dem Rathaus hieß es dazu bereits, man wolle nicht, dass das Oktoberfest einen Ballermann-Charakter bekomme. Kritiker sehen in diesen Aktionen nicht nur Lebensmittelverschwendung, sondern auch einen Stilbruch, der nicht zum traditionellen Charakter der Wiesn passe. Das Verbot wurde nun bestätigt.
Blasmusik als Teil des Sicherheitskonzepts
Auch musikalisch soll sich etwas ändern. Um internationale Gäste stärker auf die Wochentage zu lenken, soll die Musik in den Zelten künftig unter der Woche eine Stunde früher starten dürfen. Dahinter steckt die Hoffnung, die Besucherströme besser zu verteilen und extreme Überfüllung vor allem an den Wochenenden zu vermeiden.
Der Handlungsbedarf ist groß. Im vergangenen Jahr kam es am zweiten Wiesn-Samstag, dem sogenannten Italiener-Samstag, zu kritischen Szenen. Vor mehreren Zelten staute sich die Menge so stark, dass viele Menschen zeitweise weder vor noch zurück konnten. Als dann über Lautsprecher die Schließung des Festgeländes aus Sicherheitsgründen angekündigt wurde, ohne den Hintergrund zu nennen, sorgte das zusätzlich für Verunsicherung unter den Besuchern.
Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) sprach danach von notwendigem Nachbessern. Bereits während des Oktoberfests 2025 wurden erste Sofortmaßnahmen umgesetzt, darunter gezielteres Crowd Spotting, mehrsprachige Durchsagen und ein verbessertes Beobachtungsmanagement im Servicezentrum.
In diesem Jahr sind weitere Schritte geplant. So soll in den Räumen des bisherigen Fundbüros ein neues Koordinierungs- und Beobachtungszentrum entstehen. Außerdem ist Videoüberwachung vorgesehen, um kritische Punkte auf dem Festgelände frühzeitig zu erkennen.
Krause machte deutlich, dass sich eine solche Lage nicht wiederholen dürfe. Man könne froh sein, dass damals nichts Schlimmeres passiert sei. Die Stadt werde die Vorbereitungen deshalb noch einmal genau überprüfen.
Streit um die Zelte erreicht neue Dimension
Erneut gibt es Ärger um die Vergabe der Wiesn-Zelte. Diesmal könnte der Konflikt jedoch grundsätzliche Folgen haben. Der Wirt Alexander Egger, der bislang ein kleines Festzelt betrieben hat, ging Medienberichten zufolge bei der Bewerbung um ein großes Zelt leer aus. Nun will er das gesamte Vergabesystem rechtlich überprüfen lassen.
Sein Ziel ist, dass die Stadt bei der Vergabe von zunächst zwei konkret benannten Zelten – dem Schottenhamel und dem Paulaner-Festzelt – europäisches Vergaberecht anwenden muss. Sollte diese Auffassung Bestand haben, könnte das eine EU-weite Ausschreibung bedeuten. Mit dem Antrag befasst sich die Vergabekammer Südbayern bei der Regierung von Oberbayern.
Bei den anderen Wirten stößt dieser Vorstoß auf deutliche Ablehnung. Christian Schottenhamel, zweiter Sprecher der Wiesn-Wirte und selbst unmittelbar betroffen, verweist darauf, dass sich die bisherige Praxis seit Jahrzehnten bewährt habe. Sie sichere, dass das Oktoberfest ein Ort bleibe, an dem bayerische Traditionen und Brauchtum gepflegt würden. Im Schottenhamel, das sich seit 1867 in Familienbesitz befindet, eröffnet der Oberbürgermeister traditionell die Wiesn.
Egger hatte sich um die Bräurosl und das Paulaner-Zelt bemüht, soll aber nach Berichten erneut nur seine bisherige Münchner Stubn erhalten. Beide großen Zelte sind Brauerei-Zelte, bei denen die jeweilige Brauerei ein Vorschlagsrecht für den Wirt hat.
Wunderkerzen am letzten Abend weiter erlaubt
Trotz neuer Bedenken nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana sollen Wunderkerzen zum Kehraus am letzten Wiesn-Abend weiterhin erlaubt bleiben. Der interfraktionelle Arbeitskreis hatte sich mit möglichen Risiken befasst und auch auf zusätzliche Gefahren für das Oktoberfest hingewiesen. Am Ende kam man jedoch zu dem Schluss, erneut eine Ausnahmegenehmigung beim Kreisverwaltungsreferat zu beantragen.
Verbot von Heizstrahlern gescheitert
Keine Mehrheit fand dagegen ein Vorstoß der München-Liste, Heizstrahler in Biergärten zu verbieten. Begründet wurde der Antrag mit dem Klimawandel und der Energiekrise im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg. Nach Angaben des Wirtschaftsreferats bleiben Heizstrahler damit auf der Wiesn erlaubt.
Damit bleibt die Wiesn 2025 schon lange vor dem ersten Fassanstich ein politisches und organisatorisches Großthema in München – zwischen Tradition, Sicherheit und der Frage, wie viel Veränderung das Volksfest verträgt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion