Katholikentag in Würzburg setzt auf das Leitwort Mut
Mit einem biblischen Ruf zur Zuversicht startet am kommenden Mittwoch, 13. Mai, der 104. Deutsche Katholikentag in Würzburg. Das Leitwort bezieht sich auf eine Szene aus dem Markusevangelium, in der Jesus einen blinden Bettler heilt und ihm zuvor zugerufen wird: "Hab Vertrauen, steh auf, er ruft dich." Für die Veranstalter steht diese Passage für den Mut, sich auch in schwierigen Zeiten für Veränderung und Menschlichkeit einzusetzen.
Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), betonte bei der Vorstellung des Mottos, man wolle Menschen ermutigen, die Würde aller zu verteidigen. Zugleich wandte sie sich gegen Hass und Hetze, die das gesellschaftliche Klima vergiften könnten. Ein klares christliches Profil zeige sich auch darin, solchen Entwicklungen entschieden zu widersprechen.
Hochrangige Gäste aus Kirche und Politik
Das ZdK organisiert den Katholikentag, der alle zwei Jahre in einer anderen deutschen Stadt stattfindet. In Würzburg werden tausende Teilnehmer erwartet, darunter Gläubige, Theologinnen und Theologen, Fachleute aus Wissenschaft und Gesellschaft sowie zahlreiche Politikerinnen und Politiker. Zu den prominentesten Gästen zählen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
Die deutschen Bischöfe erklären in ihrem Aufruf, das Leitwort erinnere daran, dass Christinnen und Christen dazu aufgerufen seien, sich mutig für ein gutes Leben und für mehr Gerechtigkeit einzusetzen. Angesichts nationaler und globaler Krisen solle der Katholikentag Raum bieten, gemeinsam über Wege in eine friedliche und gerechte Zukunft nachzudenken.
Der Würzburger Bischof Franz Jung sieht darin ebenfalls einen wichtigen Auftrag. Es brauche Mut, um den Herausforderungen in Gesellschaft und Kirche zu begegnen und glaubwürdig Hoffnung zu vermitteln.
900 Programmpunkte in vier Tagen
Von Mittwoch bis Sonntag, 17. Mai, stehen rund 900 Veranstaltungen auf dem Programm. Geplant sind Gottesdienste, Diskussionen, Konzerte, Ausstellungen und zahlreiche Mitmachangebote.
Die Fülle des Angebots kann jedoch kaum darüber hinwegtäuschen, dass die katholische Kirche in Deutschland seit Jahren unter Druck steht. Die Zahl der Kirchenaustritte bleibt hoch, mit sinkenden Mitgliederzahlen schrumpfen auch die finanziellen Möglichkeiten. Wegen des Priestermangels entstehen immer größere Seelsorgeeinheiten, und die Folgen des Missbrauchsskandals haben das Vertrauen vieler Menschen tief erschüttert.
Streit über den künftigen Kurs der Kirche
Auch innerhalb der Kirche verlaufen die Konfliktlinien deutlich. Reformorientierte Kräfte verlangen unter anderem Frauen in Weiheämtern, mehr Mitsprache für Laien und ein Ende des Pflichtzölibats. Andere wollen am bisherigen Kurs festhalten oder eine noch konservativere Ausrichtung.
Wo das ZdK steht, ist klar: Die Spitze des Gremiums setzt sich deutlich für Reformen ein und sieht im Synodalen Weg ein wichtiges Instrument für Veränderungen in der katholischen Kirche in Deutschland. Stetter-Karp beschreibt den Katholikentag deshalb als einen Ort gelebter synodaler Kirche und zugleich als Forum für die weitere Aufarbeitung des Missbrauchsskandals.
Würzburg als katholisch geprägter Gastgeber
Gerade Würzburg gilt dabei als passender Austragungsort. In der Stadt sind katholische Traditionen, Volksfrömmigkeit und Verbandsleben noch vergleichsweise stark verankert. Vor barocker Kulisse gehört die Kirche dort vielerorts weiterhin sichtbar zum gesellschaftlichen Alltag.
Debatten über die großen Fragen der Zeit
Neben innerkirchlichen Themen soll es in Würzburg auch um zentrale gesellschaftliche und globale Herausforderungen gehen. Diskutiert werden unter anderem Klimawandel, Flucht und Migration, der Schutz der Demokratie, Künstliche Intelligenz, eine werteorientierte Weltordnung und sozialer Zusammenhalt.
In diesem Zusammenhang richtet sich der Blick auch auf Papst Leo XIV., der sich international immer wieder mit klaren Worten zu Frieden, Klimaschutz und Armutsbekämpfung äußert. Weil er in Krisenzeiten als moralische Stimme wahrgenommen wird, bezeichnete ihn Klimaaktivistin Luisa Neubauer kürzlich in einer Dokumentation als eine Art Weltgewissen. Neubauer wird ebenfalls in Würzburg erwartet.
Bischof Jung formuliert das Ziel des Treffens so: Niemand solle am Rand stehen. Damit will der Katholikentag ein Signal setzen – an Kirche, Politik und Gesellschaft gleichermaßen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion