Bayern

Warum Steinmeier jetzt mit dem Alpenverein wandert

Ohne Freiwillige geht nichts: Warum Steinmeier im Chiemgau selbst mit anpackt, überrascht selbst Bergretter.

22.05.2026, 05:00 Uhr

Steinmeier besucht Alpenvereinshütte und würdigt Ehrenamt im Gebirge

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat im Chiemgau ein Zeichen für bürgerschaftliches Engagement gesetzt. Bei einer Wanderung mit Vertreterinnen und Vertretern des Deutschen Alpenvereins (DAV) sowie der Bergwacht Bayern zur Priener Hütte schnürte er die Wanderschuhe und half gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender bei der Instandhaltung eines Wanderwegs mit.

Mit Schaufel, Spitzhacke und Handschuhen beteiligten sich beide an den Arbeiten – vor allem symbolisch, aber sichtbar. Unter anderem wurden Steine bewegt, um den Weg zu befestigen, und Ablaufrinnen freigeräumt, damit Regenwasser besser abfließen kann. Ein Tritttest zeigte: Die neu gelegte Treppenstufe hielt.

Der Termin stand im Zusammenhang mit dem bundesweiten Ehrentag, den Steinmeier anlässlich des Geburtstags des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 ins Leben gerufen hat. Ziel des Aktionstags ist es, ehrenamtliche Arbeit sichtbarer zu machen und mehr Menschen zum Mitmachen zu ermutigen. Steinmeier sagte, die Werte des Grundgesetzes seien es wert, gefeiert zu werden. Der Ehrentag solle ein „lebendiger, aktiver Geburtstag“ für die Verfassung sein, die seit Jahrzehnten Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sichere.

„Ehrenamt, das ist so etwas wie das Rückgrat unserer Demokratie. Das wollen wir nicht nur bewahren, das wollen wir stärken“, sagte der Bundespräsident. Mit Blick auf seinen Vorschlag einer sozialen Pflichtzeit ergänzte er, eigentlich sollten in Deutschland Jung und Alt einmal im Leben für einige Monate etwas für die Gemeinschaft tun.

Im Rahmen einer Aktionswoche mit vielen Beteiligungsformaten besucht Steinmeier Projekte im ganzen Land. Er freue sich, dass die Idee des Ehrentags „von Flensburg bis Berchtesgaden“ aufgegriffen worden sei. Die Aktion solle auch Menschen ermutigen, die sich ehrenamtliches Engagement bislang nicht vorstellen konnten, einmal „hineinzuschnuppern“.

Tausende Freiwillige halten Wege und Rettungssystem am Laufen

Nach Angaben des DAV betreuen Ehrenamtliche deutschlandweit rund 30.000 Kilometer Wanderwege. Im vergangenen Jahr kamen fast 37.000 Freiwillige auf insgesamt etwa 2,64 Millionen Arbeitsstunden. Den wirtschaftlichen Wert dieses Engagements beziffert der Verein auf knapp 40 Millionen Euro.

DAV-Präsident Roland Stierle betonte, ohne Ehrenamt gäbe es den Alpenverein in seiner heutigen Form nicht. Tausende Menschen engagierten sich demnach für Wege, Hütten, Ausbildung, Naturschutz und Sicherheit am Berg.

Zu den besonders sichtbaren Aufgaben im Alpenverein gehören neben dem Naturschutz vor allem der Erhalt von Wegen und der Betrieb von Hütten. DAV-Vertreter verweisen darauf, dass der Klimawandel diese Arbeit zusätzlich erschwert: Starkregen, veränderte Landschaften und größere Belastungen machten die Instandhaltung komplizierter.

Auch die Rettung in den Bergen bei Unfällen und Notlagen beruht wesentlich auf ehrenamtlichem Einsatz. Die Bergwacht Bayern entstand vor mehr als einem Jahrhundert aus dem Deutschen Alpenverein und gehört inzwischen zum Bayerischen Roten Kreuz. Nach ihren Angaben sorgen rund 4.000 ehrenamtliche Kräfte in 107 Bereitschaften für die Rettung in den Alpen und den Mittelgebirgen. Pro Jahr übernimmt die Bergwacht Bayern bis zu 9.000 Einsätze.

Steinmeier würdigte diese Arbeit ausdrücklich. Bei Alarm müssten die Helferinnen und Helfer sofort verfügbar sein, sagte er. Dafür brauche es auch Arbeitgeber, die sie kurzfristig freistellten.

Jugendorganisation mahnt bessere Bedingungen an

Vertreterinnen und Vertreter der Jugendorganisation JDAV wiesen zugleich darauf hin, dass Ehrenamt nicht für alle Menschen gleichermaßen leicht möglich sei. Mehr Entlastung sei nötig, hieß es aus der Jugendorganisation. JDAV-Vertreterin Annika Quantz sagte, Ehrenamt sei „keine Selbstverständlichkeit, sondern oftmals ein Privileg“.

Steinmeier, der selbst Mitglied im DAV und begeisterter Bergsteiger ist, sagte nach dem Einsatz, ihm sei bei Wanderungen nicht immer bewusst gewesen, dass die Wege von Freiwilligen gepflegt würden.

Auch nach dem Amt will Steinmeier freiwillig aktiv bleiben

Der Bundespräsident sprach bei dem Termin auch über die Zeit nach seinem Ausscheiden aus dem Amt am 17. März des kommenden Jahres. Viele Menschen glaubten, er habe danach „uferlos Zeit“, sagte Steinmeier. „Ja, ich werde sicher ehrenamtlich tätig sein.“ Er wolle allerdings genau auswählen, in welchen Bereichen er sich künftig engagieren werde – und zugleich darauf achten, dass seine Kalender etwas weniger dicht gefüllt seien als in den vergangenen Jahrzehnten.

Steinmeier hatte den DAV zuletzt 2019 besucht. Damals informierte er sich bei einer Wanderung im Mangfallgebirge anlässlich des 150-jährigen Bestehens des DAV vor allem über dessen Einsatz für Umwelt- und Klimaschutz. Mit mehr als 1,6 Millionen Mitgliedern gilt der DAV als größter Bergsportverband der Welt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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