Bayern

Softair-Drama: 14-Jähriger von Polizei angeschossen

Drama bei Polizeieinsatz in München: Ein 14-Jähriger wird schwer verletzt – wegen einer Waffe, die täuschend echt wirkte.

19.08.2026, 12:46 Uhr

14-Jähriger bei Polizeieinsatz in München-Schwabing schwer verletzt

Bei einem Polizeieinsatz im Münchner Stadtteil Schwabing ist ein 14 Jahre alter Schüler aus dem Landkreis Miesbach durch einen Schuss aus einer Polizeiwaffe schwer verletzt worden. Der Jugendliche hatte am Dienstag auf offener Straße mit einer Pistole hantiert.

Wie sich später herausstellte, handelte es sich um eine Softair-Waffe, die einer echten Beretta 92 im Kaliber 9 Millimeter täuschend ähnlich sah. Nach Angaben von Polizeisprecher Thomas Schelshorn war die Waffe von einer scharfen Pistole praktisch nicht zu unterscheiden. Lediglich eine schmale rote Umrandung an der Mündung hätte möglicherweise darauf hindeuten können, dass es sich um eine Softair-Waffe handelte.

Notruf am Nachmittag, Großeinsatz der Polizei

Zeugen hatten am Dienstagnachmittag in Schwabing eine Person mit einem pistolenähnlichen Gegenstand bemerkt. Der Notruf ging laut Polizei gegen 17.15 Uhr ein. Daraufhin rückten mehrere Streifen aus. Nach Polizeiangaben wurde mit starken Kräften nach der Person gesucht.

Zivilbeamte entdeckten den Jugendlichen schließlich in der Belgradstraße. Sie beobachteten demnach von hinten, wie er eine Bewegung machte, als würde er die Waffe durchladen. Als die Beamten ihn ansprachen und aufforderten, die Waffe fallen zu lassen, habe er sich mit erhobener Waffe in der Hand zu ihnen umgedreht. Daraufhin schoss ein Beamter.

Der 14-Jährige wurde im Oberkörper getroffen. Die Polizisten leisteten sofort Erste Hilfe und alarmierten den Rettungsdienst. Der Jugendliche kam ins Krankenhaus, wurde operiert und befindet sich laut Polizei inzwischen in stabilem Zustand.

LKA und Staatsanwaltschaft prüfen den Einsatz

Das Bayerische Landeskriminalamt überprüft nun, wie in solchen Fällen üblich, die Rechtmäßigkeit des Schusswaffeneinsatzes. Zudem hat die Staatsanwaltschaft Vorermittlungen eingeleitet. Auch das sei bei solchen Vorfällen ein übliches Vorgehen, betonte Polizeisprecher Schelshorn.

Nach Polizeiangaben wird nicht gegen den Beamten ermittelt, der den Schuss abgegeben hat. Er habe Zeugenstatus. Der Schütze und weitere direkt beteiligte Einsatzkräfte würden betreut, da ein Schusswaffeneinsatz eine erhebliche Belastung darstelle.

Gegen den Jugendlichen, der bereits polizeilich bekannt war, wird wegen Bedrohung der Beamten ermittelt.

Jugendliche Person zunächst deutlich älter eingeschätzt

Der 14-Jährige besitzt die türkische Staatsangehörigkeit. Laut Polizei wurde er von Beamten und Zeugen zunächst deutlich älter eingeschätzt; am Vortag war noch von einem etwa 20 Jahre alten Mann die Rede gewesen.

Nach Angaben von Schelshorn war der Jugendliche 2023 mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen und hatte einen Asylantrag gestellt. Dieser Antrag sei abgelehnt worden, außerdem sei die Abschiebung angedroht worden.

Bereich stundenlang abgesperrt

Das Gebiet rund um den Einsatzort an der Ecke Clemensstraße/Belgradstraße blieb am Abend über Stunden weiträumig gesperrt. Auch der Tramverkehr war zeitweise unterbrochen. Nach Polizeiangaben kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Zeitweise waren rund 80 Polizeibeamte im Einsatz.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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