Bayern

«Selbstmord»: Friedmann rechnet mit Gedenkfeier-Absage ab

Bayreuth sagt Gedenken ab – Michel Friedman reagiert mit scharfen Worten. Was hinter dem Eklat bei den Festspielen steckt.

16.06.2026, 16:24 Uhr

Friedman kritisiert gestrichenes Gedenkkonzert deutlich

Der Publizist Michel Friedman hat die Absage einer geplanten Gedenkveranstaltung bei den Bayreuther Jubiläumsfestspielen erneut scharf verurteilt. Der „Süddeutschen Zeitung“ sagte er: „Das ist in einer Demokratie der Tod durch Selbstmord.“ Aus seiner Sicht werde damit die behauptete Ernsthaftigkeit, sich mit dem Antisemiten Richard Wagner auseinanderzusetzen, regelrecht ad absurdum geführt.

Nach Informationen der Zeitung sollte Friedman am 26. Juni beim Gedenkkonzert „Verstummte Stimmen“ sprechen. Die Veranstaltung war vor der Premiere von Wagners Oper „Rienzi“ vorgesehen, wurde inzwischen aber abgesagt.

Interims-Geschäftsführer verweist auf Sicherheitsprobleme

Eine offizielle Stellungnahme der Festspiele lag auf Anfrage zunächst nicht vor. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk hatte Interims-Geschäftsführer Heinz-Dieter Sense die Entscheidung mit Sicherheitsproblemen begründet. Zweimal hintereinander im Festspielhaus die höchste Sicherheitsstufe zu gewährleisten, sei nicht zu bewältigen. Zwischen dem Ende der Vormittagsveranstaltung und dem Beginn des Nachmittagsprogramms liege zu wenig Zeit. Angesichts der aktuellen Weltlage sei man äußerst vorsichtig. Wenn niemand garantieren könne, dass die Durchführung möglich sei, könne die Veranstaltung nicht stattfinden.

Friedman weist Begründung zurück

Friedman lässt diese Argumentation nicht gelten. Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen abzusagen, sei in einer Demokratie ein fatales Signal, sagte er der Zeitung. Auf Drohungen extremistischer Gruppen könne es aus seiner Sicht nur eine Antwort geben: Die Veranstaltung müsse geschützt werden, statt sie zu streichen. Wörtlich forderte er: „Dann sichert diese Veranstaltung. Und spart euch alle Sonntagsreden!“

Schwieriges Erbe der Bayreuther Festspiele

In diesem Jahr feiern die Bayreuther Festspiele ihr 150-jähriges Bestehen. Zugleich ist ihre Geschichte eng mit dunklen Kapiteln verbunden. Adolf Hitler, ein glühender Wagner-Anhänger, war dort ein gern gesehener Gast. Die damalige Festspielleiterin Winifred Wagner verehrte den NS-Diktator offen. Hinzu kommt, dass Richard Wagners eigener Antisemitismus bis heute einen Schatten auf sein Werk wirft.

Katharina Wagner kündigt kritischen Blick auf die Geschichte an

Festspielchefin Katharina Wagner hatte das Gedenkkonzert zuvor als persönliche Herzensangelegenheit beschrieben. Dem BR sagte sie, das Jubiläum solle nicht nur Anlass zum Feiern sein, sondern auch dazu dienen, kritisch auf die eigene Geschichte zu blicken. Die künstlerischen Leistungen sollten gewürdigt, zugleich aber auch die problematischen Kapitel der Vergangenheit offen thematisiert werden. Wie das nach der Absage des Konzerts nun konkret geschehen soll, blieb zunächst unklar.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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