Rund acht Monate nach der lebensgefährlichen Messerattacke auf die Herdecker SPD-Politikerin Iris Stalzer ist gegen ihre 17-jährige Tochter Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung erhoben worden. Das bestätigten der ermittelnde Hagener Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn und der Anwalt der Jugendlichen, Andreas Trode. Zuvor hatten bereits mehrere Medien darüber berichtet.
Angriff im Oktober 2025 sorgte bundesweit für Entsetzen
Die Tat ereignete sich am 7. Oktober 2025 im Haus der Familie. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll die Jugendliche ihrer Mutter mit zwei verschiedenen Messern mehrere Stiche zugefügt haben. Außerdem soll sie mit einem Gegenstand auf den Kopf der Kommunalpolitikerin eingeschlagen haben. Stalzer erlitt dabei unter anderem einen Nasenbeinbruch.
Das Amtsgericht Hagen prüft nun, ob die Anklage zugelassen wird. Da die Beschuldigte noch minderjährig ist, würde ein möglicher Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.
Stalzers Adoptivtochter war schon kurz nach der Tat dringend tatverdächtig. Gegen sie war ein Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung erlassen worden. Eine Absicht, ihre Mutter zu töten, sei nach bisherigem Ermittlungsstand nicht erkennbar, sagte Haldorn. Fest stehe zudem, dass die 17-Jährige selbst den Notruf gewählt habe.
Zu den Vorwürfen habe sich die Jugendliche bislang nicht eingelassen. Auch zu einem möglichen Motiv machte die Staatsanwaltschaft mit Verweis auf ihr Alter keine näheren Angaben.
Ermittlungen gegen den Bruder eingestellt
Zwischenzeitlich war auch gegen den Bruder der 17-Jährigen ermittelt worden. Diese Ermittlungen wurden inzwischen eingestellt. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Haldorn sei er nicht an dem Geschehen beteiligt gewesen.
Nach früheren Informationen der Polizei gab es in der Familie schon länger Konflikte. Demnach hatten sich Mutter und Kinder gegenseitig häusliche Gewalt vorgeworfen.
Verteidiger Trode erklärte, seine Mandantin sei nach der Tat zunächst kurzzeitig in einer Psychiatrie untergebracht worden. Später habe ein Gutachter sie als schuldfähig eingestuft. Wo sich die 17-Jährige derzeit aufhält, werde zu ihrem Schutz nicht bekanntgegeben. Dass die Anklage nur auf gefährliche Körperverletzung laute, unterstreiche aus Sicht der Verteidigung, dass kein Tötungsvorsatz vorgelegen habe.
Stalzer überstand die Attacke und trat ihr Amt an
Die heute 58-Jährige erholte sich gesundheitlich vergleichsweise schnell. Bereits Anfang November 2025 wurde sie als Bürgermeisterin von Herdecke vereidigt. Damals waren die Bilder des Rettungshubschraubers vom Tattag noch sehr präsent, ebenso Berichte über ein mutmaßlich stundenlanges Martyrium und schwere Verletzungen an Kopf und Körper.
In ihrer Antrittsrede am 4. November sprach Stalzer selbstkritisch vom 7. Oktober als einem „Tag des Scheiterns“ und einem „Tag der Verletzbarkeit“. Zugleich betonte die Juristin aber auch ihre „Stärke“ und „Verlässlichkeit“.
Ihr früher Amtsantritt war nicht unumstritten. Kritiker hielten es für verfrüht, dass sie das Amt schon vier Wochen nach den dramatischen Ereignissen antrat. Der örtliche FDP-Chef Jürgen A. Weber hatte gefordert, Stalzer solle ihre Amtsausübung bis zur juristischen Aufarbeitung der Vorfälle ruhen lassen.
Stalzer hatte die Stichwahl um das Bürgermeisteramt Ende September 2025 in der rund 23.000 Einwohner zählenden Ruhrgebietsstadt mit 52,2 Prozent der Stimmen gewonnen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion