Bayern

Herrmann: Droht uns Gewalt wie in Frankreich?

Jugendproteste auch in Bayern: Droht Ärger auf den Straßen? So überraschend bewertet Herrmann die Lage.

27.10.2026, 13:59 Uhr

Auch in München und Nürnberg wollen am Samstag Tausende junge Menschen auf die Straße gehen. Bei den angekündigten Protesten geht es nach aktuellem Stand unter anderem um mehr Geld für Schulen, mehr Klimaschutz und Widerstand gegen eine Wehrpflicht.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) rechnet derzeit trotzdem nicht mit Zuständen wie zuletzt in Frankreich. Nach einer Kabinettssitzung in München sagte er, die angekündigten Schülerproteste ließen nach jetzigem Stand keine vergleichbaren Ausschreitungen erwarten.

Nach Angaben des Ministers liegen den Sicherheitsbehörden bislang keine konkreten Aufrufe zu Gewalt oder Hinweise auf geplante Krawalle vor. Stattdessen würden in sozialen Netzwerken vor allem Mobilisierungen beobachtet, die die gewaltsamen Entwicklungen im Ausland kritisierten und sich ausdrücklich davon distanzierten.

Trotzdem kündigte Herrmann eine starke Polizeipräsenz an allen betroffenen Orten an. Bislang wurden vier Versammlungen angemeldet, die einem bundesweiten Aufruf aus dem Umfeld der Generation Z folgen: eine in München, zwei in Nürnberg und eine in Rosenheim. In Nürnberg gibt es zudem bereits einen Aufruf zu einer Gegendemonstration.

Herrmann rechnet mit deutlich mehr Teilnehmern

Nach Einschätzung des Innenministers dürfte die Zahl der Demonstrierenden klar über den offiziell gemeldeten Teilnehmerzahlen liegen, die jeweils bei höchstens 200 Personen angegeben wurden. Aus Beiträgen in sozialen Medien lasse sich jedoch ableiten, dass in München eher rund 7.000 und in Nürnberg etwa 5.000 Menschen ihre Teilnahme in Aussicht gestellt hätten.

Der Schwerpunkt des Polizeieinsatzes zeichnet sich damit aktuell in München ab. Herrmann sagte zudem, dass er die Sorgen von Bürgerinnen und Bürgern sowie von Gewerbetreibenden, besonders im Einzelhandel, nachvollziehen könne. Plünderungen oder ähnliche Vorfälle könne er zwar gegenwärtig nicht völlig ausschließen, betonte aber zugleich, dass alles getan werde, um solche Entwicklungen zu verhindern.

Auch die Polizeipräsidien in München und Nürnberg erklärten auf Anfrage, konkrete Hinweise auf geplante Gewalttaten oder Sachbeschädigungen gebe es bislang nicht. Man werde jedoch im Einsatz sein, um einen friedlichen Verlauf der Versammlungen sicherzustellen. Nach Angaben des Münchner Kreisverwaltungsreferats ist am Samstagnachmittag eine Versammlung auf dem Geschwister-Scholl-Platz angemeldet. In Nürnberg wurde laut Polizei unter anderem eine Kundgebung am Ludwigsplatz angezeigt.

Bundesweit Proteste angekündigt

Im Internet ruft eine Initiative, die unter den Namen „GenZ regelt“ beziehungsweise „GenZ steht auf“ auftritt, zu Protesten in 23 Städten auf. Nach eigenen Angaben lehnt die Gruppe Gewalt ausdrücklich ab. Zur Generation Z zählen im Allgemeinen junge Menschen, die ungefähr zwischen 1995 und 2010 geboren wurden.

Ausschreitungen im Ausland als Hintergrund

In mehreren europäischen Ländern demonstrieren junge Menschen bereits seit Wochen unter anderem für bessere Bildung und gegen hohe Lebenshaltungskosten. Am Wochenende kam es in Frankreich, Spanien und Italien erneut zu Ausschreitungen und Festnahmen.

Politiker von Union und SPD befürchten, dass extremistische Kräfte die angekündigten friedlichen Jugendproteste in Deutschland unterwandern könnten. Polizei und Versammlungsbehörden beobachten deshalb die Entwicklung in den sozialen Netzwerken aufmerksam und beziehen entsprechende Beiträge in ihre Lagebewertung mit ein.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen