Bayern

Kippt das Winzerland? Oliven statt Wein?

Franken liest immer früher – und das verändert Säure, Zucker, Geschmack. Müssen Winzer jetzt sogar auf neue Kulturen setzen?

30.08.2026, 04:00 Uhr

Hauptlese in Franken startet früher – Winzer zwischen Klimadruck und Kostensorgen

Für die rund 3.400 Winzerinnen und Winzer in Franken beginnt derzeit die wichtigste Phase des Jahres: die Hauptweinlese. Doch die Branche steht stark unter Druck. Der Weinkonsum sinkt, und von zehn in Deutschland getrunkenen Weinflaschen stammen nur vier aus heimischer Produktion. Gleichzeitig steigen die Ausgaben, etwa für Löhne und Treibstoff. Viele Betriebe geben deshalb Rebflächen auf, andere denken über neue Konzepte und sogar alternative Kulturen nach.

Wie viel Wein wird in Franken erzeugt?

Nach Angaben des Fränkischen Weinbauverbands entstehen im Anbaugebiet Franken im langjährigen Mittel rund 400.000 Hektoliter Wein pro Jahr. Die Weinregion reicht grob von Bamberg bis Aschaffenburg.

Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Ertrag bei 72 Hektolitern pro Hektar, was ungefähr zwei Bocksbeuteln je Rebstock entspricht. 2025 umfasste die fränkische Ertragsrebfläche rund 6.000 Hektar. Das Landesamt für Statistik registrierte 380.771 Hektoliter Wein.

Knapp 56 Prozent der bayerischen Weinproduktion entfallen auf Qualitätswein mit Prädikat. Das entspricht etwa 38 Millionen Litern beziehungsweise etwas mehr als 50 Millionen Flaschen.

Lese beginnt deutlich früher

Die Weinlese startet inzwischen spürbar eher als früher. Zwischen 1971 und 2000 vergingen von der Blüte bis zur Ernte im Schnitt etwa 102 Tage, in den vergangenen 25 Jahren waren es nur noch rund 96 Tage.

Daniel Heßdörfer vom Institut für Weinbau und Oenologie der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau erklärt, dass frühe Sorten wie Bacchus oder Müller-Thurgau früher meist erst Ende September gelesen wurden, während die Haupternte im Oktober lag. Inzwischen sei man damit etwa vier Wochen früher dran.

Frankenwein
Viele Winzer geben ihre Flächen aus wirtschaftlichen Gründen auf. (Archivbild) Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Folgen für Qualität und Stil des Weins

Laut Michael Zehnder vom Weinbauverband hängt der Reifezeitpunkt in diesem Jahr stark von Lage und Wasserversorgung der Reben ab.

Die frühere Reife verändert die Zusammensetzung der Trauben: Der Säuregehalt sinkt, der Zuckeranteil steigt. Mehr Zucker bedeutet später auch mehr Alkohol im Wein. Genau das möchten viele Betriebe vermeiden, weil leichtere Weine seit Jahren stärker gefragt sind.

Sinkt die Säure zu stark, wird der Most anfälliger für Fehlgärungen. Dann entwickeln Hefen oder Bakterien unerwünschte Nebenprodukte, statt den Wein sauber auszubauen. Wird hingegen sehr früh gelesen, bevor die Trauben vollständig ausgereift sind, leidet oft das Aroma.

Braucht Franken andere Rebsorten?

Ob neue Sorten nötig sind, hängt von mehreren Faktoren ab. Früh reifende Reben wie Bacchus und Müller-Thurgau dürften auf Dauer wohl an Bedeutung verlieren. Silvaner, die wichtigste fränkische Rebsorte, gilt zwar als robuster, braucht aber ebenfalls ausreichend Wasser für eine gute Entwicklung.

Nach Einschätzung von Heßdörfer werden wärmeliebendere Sorten wie Chardonnay oder Burgunder langfristig wohl stärker in den Fokus rücken. Entscheidend sei jedoch, dass eine solche Umstellung auch zum Markt passe.

Hitze und Trockenheit: Risiko und Chance zugleich

Besonders junge Anlagen und nachgepflanzte Reben sind nach Angaben des Verbands mancherorts trotz Bewässerung in einem kritischen Zustand. Ältere Rebstöcke kommen mit Trockenheit besser zurecht, weil ihre Wurzeln tiefer reichen.

Die warme und trockene Witterung hat aber nicht nur Nachteile. Heßdörfer zufolge treten Pilzkrankheiten in vielen Weinbergen bislang nur in geringem Maß auf. Dadurch sind die Trauben oft gesund.

Zwar bleiben die Beeren eher klein, doch der Schalenanteil ist im Verhältnis zum Saft höher. Das kann die Konzentration von Aromen und weiteren Inhaltsstoffen im Wein fördern.

Warum immer mehr Flächen aufgegeben werden

Dass in Franken häufiger brachliegende Flächen zu sehen sind, hat vor allem wirtschaftliche Gründe. Laut Heßdörfer sind die Produktionskosten in den vergangenen Jahren um mehr als 30 Prozent gestiegen, während die Weinpreise nahezu unverändert geblieben sind. Deshalb trennen sich manche Betriebe von wenig rentablen Lagen.

Die Folgen prägen zunehmend das Landschaftsbild: Zwischen grünen Weinbergen fallen immer mehr helle, unbewirtschaftete Flächen auf. Das ist auch deshalb problematisch, weil der Weintourismus wirtschaftlich viel bedeutender ist als der reine Verkauf von Wein. Nach Angaben von Heßdörfer bringt er etwa das 15-Fache ein.

Der Rückzug aus dem Weinbau müsse daher geordnet und marktorientiert verlaufen. Laut Verband stehen derzeit 5.924 Hektar im Ertrag, das sind 176 Hektar weniger als 2025. Vor allem Steillagen, die viel Handarbeit erfordern, lohnen sich oft nicht mehr. Stattdessen setzen viele Betriebe stärker auf Flächen, die maschinell bewirtschaftet werden können.

Welche Alternativen denkbar sind

An der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim wird bereits seit Jahren über neue Nutzungen für aufgegebene Flächen nachgedacht. Im Gespräch sind unter anderem Oliven- und Mandelbäume. Laut Heßdörfer gibt es inzwischen auch frosttolerantere Olivensorten.

Bis Winzer in größerem Stil Bäume statt Reben pflanzen, dürfte es allerdings noch dauern. Als weitere Möglichkeit gilt, trockenheits- und hitzeresistentere Silvaner-Reben aus Australien nach Franken zu holen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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