Blumen, Kerzen und stille Momente: Norwegen nimmt Abschied von König Harald V.
Der Schlossplatz in Oslo ist zu einem Ort der Trauer geworden. Zwischen unzähligen Blumen und Kerzen versammeln sich Tausende Menschen, um König Harald V. die letzte Ehre zu erweisen. Noch vor wenigen Monaten wurde hier der Erfolg der norwegischen Fußballnationalmannschaft ausgelassen gefeiert, nun herrschen Stille, Nachdenklichkeit und Abschiedsschmerz. Viele Besucher bleiben für einen Augenblick stehen, legen Blumen nieder oder entzünden ein Licht. Einige von ihnen erzählen, was der verstorbene Monarch ihnen bedeutet hat.
Anne Sandø Seierstad: „Er hatte ein großes Herz“
Anne Sandø Seierstad zündet auf dem Schlossplatz eine Kerze an und kämpft mit den Tränen. Für sie war Harald V. ein besonders warmherziger Mensch. Sie lebt seit jeher in Oslo und erinnert sich sogar noch an dessen Vater Olav. Der Verlust treffe sie tief. Harald sei stets offen und menschenzugewandt gewesen, sagt sie, und vor allem habe er ein außergewöhnlich großes Herz gehabt.
Ingeborg Skomedal Torvanger: „Es wird seltsam ohne ihn“
Auch Ingeborg Skomedal Torvanger ist mit ihrer kleinen Tochter Lara gekommen. Gemeinsam wollen sie diesen besonderen Moment erleben und zusammen mit vielen anderen Norwegern trauern. Die fast zweijährige Lara legt einen kleinen Strauß violetter Nelken in das Blumenmeer rund um das Reiterstandbild auf dem Platz. Torvanger sagt, die Menschen hätten ihren König wirklich geliebt. Einen anderen Monarchen kenne sie aus eigener Erinnerung nicht. Harald sei immer da gewesen und eine Persönlichkeit, zu der sie aufgeblickt habe. Gerade in schwierigen Zeiten habe er oft die passenden Worte gefunden. Nun sei der Gedanke ungewohnt, dass er nicht mehr da ist.

Sonya Lii Nome Barlow: Ein Lied als letzter Gruß
Mit kräftiger Stimme singt Sonya Lii Nome Barlow auf dem Schlossplatz ein selbst geschriebenes Lied für den verstorbenen König. Die Melodie erinnert an ein traditionelles Volkslied, während sie beim Singen immer wieder die Arme ausbreitet. Für sie war Harald V. ein außergewöhnlicher Mensch. Sie sagt, er habe sich für ihre Rechte als queere Frau eingesetzt. Auch Menschen, die aus anderen Ländern nach Norwegen gekommen seien, hätten ihm am Herzen gelegen. Deshalb sei es für sie selbstverständlich gewesen, ihn mit einem Lied zu ehren.
Lars Johannessen: Trauer und Zuversicht für die Zukunft
Royal-Fan Lars Johannessen ist gemeinsam mit seiner Partnerin zum Schloss gekommen, um Harald V. Respekt zu erweisen. Er beschreibt ihn als einen großartigen König für Norwegen. Zugleich blickt er trotz der Trauer optimistisch auf die Zukunft der Monarchie. In Kronprinz Haakon setzt er großes Vertrauen. Johannessen ist überzeugt, dass er seine Aufgabe gut erfüllen werde — nicht zuletzt, weil sein Vater ihn bestens darauf vorbereitet habe.
Cornelia Lillelien: Ein König, der das Land geprägt hat
Trotz Regen und Kälte harrt Cornelia Lillelien wie viele andere vor Ort aus. In ein Regencape gehüllt sitzt sie vor dem norwegischen Parlament auf einer Bank, neben sich mehrere Blumensträuße und in der Hand einen Schirm. Bald werde ihre Familie dazukommen, erzählt sie, dann wollten sie gemeinsam Blumen für den König niederlegen. Bei der Auswahl habe sie auf Rot und ähnliche Farbtöne geachtet, weil dies Haralds Lieblingsfarbe gewesen sei.
Für Lillelien hat Harald V. Norwegen auf seine eigene Weise verändert. Er habe eine tiefere Form von Liebe gezeigt als viele Monarchen vor ihm. Für seine Liebe zu Sonja, die keine Adelige war, habe er einst bestehende Regeln infrage gestellt. Zugleich habe er auch seinem Volk große Zuneigung entgegengebracht. Für Lillelien steht fest: Harald habe den Norwegern vor Augen geführt, dass sie eine Gemeinschaft sind.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber