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Rätsel um drei vermisste Deutsche in China

Flutdrama im Himalaya: Auch drei Deutsche werden in China vermisst – aus 22 weiteren Ländern fehlt von Menschen jede Spur.

30.08.2026, 03:03 Uhr

Himalaya-Flut: Drei Deutsche in Tibet vermisst – neuer See behindert Rettung, Schuldirektor rettet Hunderte Kinder

Nach der Flutkatastrophe im Himalaya-Grenzgebiet zwischen Nepal und China haben die Behörden weitere Details zur Lage im Unglücksgebiet veröffentlicht. In Tibet werden unter den zuvor gemeldeten 261 vermissten Ausländern auch drei Deutsche geführt. Zugleich erschweren neue Flutwarnungen, Erdrutsche und ein neu entstandener See die Such- und Rettungsarbeiten.

Neuer See bei Gyirong erhöht die Gefahr

Nach Angaben des chinesischen Katastrophenschutzes wurde flussaufwärts des Grenzübergangs Gyirong im Südwesten Tibets ein neuer See entdeckt. Er entstand infolge der Sturzflut vom Mittwoch. Auf dieses Gebiet konzentrieren sich derzeit die chinesischen Suchmaßnahmen.

Wie die Behörde weiter mitteilte, staute sich nach einem Erdrutsch Wasser an einem Fluss, der auf Hochchinesisch Purepuqiang-Zangbu heißt. Nach der Entdeckung des Sees brachten sich Rettungskräfte vorsorglich in Sicherheit, wie es am Sonntag hieß.

Bereits vor zwei Tagen hatte sich in der Region auf ähnliche Weise ein See gebildet. Damals befürchteten Experten, ein natürlicher Damm aus Schlamm und Geröll könnte brechen und eine weitere Flutwelle auslösen. Das Wasser floss schließlich jedoch ohne größere Folgen ab.

Schuldirektor rettete rund 900 Schülerinnen und Schüler

In Nepal hat ein Schulleiter nach eigenen Angaben durch eine sofortige Evakuierung rund 900 Schülerinnen und Schüler in Sicherheit gebracht. Zudem wurden Schulbusse mit Hunderten weiteren Kindern auf dem Weg zur Schule rechtzeitig umgeleitet.

Rajenda Dawadi, Leiter einer Sekundarschule im Ort Trishuli Baraar, sagte, er habe etwa 15 Minuten vor dem Eintreffen der Flutwelle telefonisch von der Gefahr erfahren. Daraufhin habe er die Schule räumen lassen. Sein Entschluss sei klar gewesen: Lieber einen Schultag verlieren als Menschenleben.

Die Kinder flohen demnach zu Fuß, einige auch mit einem Bus. Zeitweise brach Panik aus, eine ohnmächtige Schülerin wurde auf einem Moped in Sicherheit gebracht. Nach Darstellung von Dawadi hätte eine nur wenige Minuten spätere Entscheidung tödliche Folgen haben können.

Eine 16-jährige Schülerin berichtete, sie und andere Kinder hätten sich nur Sekunden vor dem Eintreffen der Wasser- und Geröllmassen retten können. Vom Schulgebäude blieb fast nichts übrig. Ein Lehrer sowie der Hausmeister, der noch schnell Türen schließen wollte, kamen ums Leben.

Zahl der Toten steigt auf rund 800

Die Zahl der geborgenen Opfer nimmt weiter zu. Nach jüngsten Angaben der nepalesischen Polizei wurden in Nepal inzwischen 788 Leichen entdeckt. Die dortige Katastrophenschutzbehörde sprach zugleich von 781 Toten. China meldete weiterhin 16 Tote in Tibet. Damit liegt die registrierte Gesamtzahl derzeit bei rund 800.

Mehr als 3.000 Menschen gelten auf beiden Seiten der Grenze weiterhin als vermisst, darunter Hunderte Ausländer.

Deutsche in Tibet unter den Vermissten

Erstmals seit der Katastrophe nannten die Behörden in Tibet die Herkunftsländer der zuvor 261 als vermisst gemeldeten Ausländer. Darunter sind auch drei Deutsche.

Unklar bleibt aber, ob sich die Gesamtzahl der vermissten Deutschen dadurch erhöht oder ob Meldungen aus Nepal und China teils dieselben Personen betreffen. Nach bisherigen Angaben der nepalesischen Tourismusbehörde gelten dort weiterhin acht Deutsche als vermisst. Einige Deutsche hielten sich am Mittwoch zum Zeitpunkt der Sturzflut mit nepalesischen Reiseveranstaltern am Grenzposten Gyirong in Tibet auf.

Eine vierköpfige Familie aus Deutschland war bereits zuvor von der Armee per Hubschrauber in Sicherheit gebracht worden. Das Auswärtige Amt erklärte am Sonntag, die Botschaften in Peking und Kathmandu arbeiteten weiter an der „Sachverhaltsaufklärung“. Weitere Einzelheiten nannte die Behörde nicht.

Flutwarnungen in Nepal

Auch Tage nach dem Unglück blieb die Lage in Nepal angespannt. Die Behörden verschickten erneut Flutwarnungen per Mobilfunk und riefen die Menschen in den betroffenen Gebieten dazu auf, wachsam zu bleiben und sich nicht in der Nähe von Flüssen aufzuhalten.

Ein Augenzeuge berichtete, dass in der Region Battar im Bezirk Nuwakot viele Menschen auf höher gelegene Hänge und Berge liefen, um sichere Orte zu erreichen. In zahlreichen Orten hatte die Flut schwere Zerstörungen angerichtet.

97-Jährige nach Tagen lebend gerettet

Trotz sinkender Hoffnung auf weitere Überlebende gelang den Rettungskräften in Nepal eine außergewöhnliche Rettung. Am Samstag wurde eine 97 Jahre alte Frau lebend aus den Trümmern eines Altenheims in Tupche geborgen. Helfer brachten sie in einer Baggerschaufel an einen sicheren Ort.

Ihr Großneffe sagte der BBC, die Seniorin habe gelacht, als sie auf den Bagger gesetzt wurde – wie eine Kriegerin, die siegreich aus einem Krieg zurückkehre.

Schicksal der Menschen in Tunnel weiter unklar

Weiter offen ist das Schicksal Hunderter vermisster Arbeiter an Staudamm- und Wasserkraftprojekten in Nepal. An einem Kraftwerk vermuten die Behörden Opfer in einem Tunnel, in den sich Menschen möglicherweise geflüchtet hatten.

Spezialteams aus Indien und China unterstützen inzwischen die komplizierten Such- und Bergungsarbeiten. Am Sonntag gelang es Einsatzkräften am Kraftwerk Upper Trishuli 3A, einen Zugang freizulegen. Allerdings erschweren eine Flutwelle und ein um fünf bis zehn Meter steigender Wasserstand im Trishuli-Fluss den Einsatz.

Internationale Hilfe läuft an – Sorge vor Engpässen

Nepals Außenminister Shishir Khanal hatte betont, dass das Land nicht nur in der akuten Rettungs- und Hilfsphase, sondern auch beim Wiederaufbau auf Unterstützung angewiesen sei. Die USA sagten daraufhin Hilfen in Höhe von 3,6 Millionen US-Dollar zu, umgerechnet rund 3,1 Millionen Euro.

Nach Angaben des US-Außenministeriums umfasst das Paket unter anderem Nahrungsmittelhilfe für bis zu 10.000 von der Flut betroffene Haushalte für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten.

Auch abseits des eigentlichen Katastrophengebiets im Norden zeigt die Flut inzwischen Folgen. Ein Erdrutsch auf einer wichtigen Autobahn zwischen Kathmandu und Südnepal könnte Hilfslieferungen in die betroffene Region zusätzlich erschweren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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