Waldbrand am Saurüsselkopf breitet sich weiter aus
Am Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen bleibt die Lage beim großen Waldbrand angespannt. Auch am zweiten Tag des ausgerufenen Katastrophenfalls im Landkreis Traunstein ist nach Angaben des Landratsamts keine Entwarnung möglich. Die Behörden sprechen weiterhin von einer schwierigen und dynamischen Situation. Eine erhoffte klare Wende bei der Brandbekämpfung sei bislang ausgeblieben.
Das Feuer nahe Ruhpolding hat sich weiter ausgedehnt. Nach einer Schätzung vom Abend ist inzwischen eine dreistellige Hektarzahl betroffen. Am Nachmittag war noch von etwa 160 Hektar die Rede, nachdem zunächst rund 50 Hektar genannt worden waren. Die Flammen brennen dort bereits seit Sonntagabend.
Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) sprach von einem der größten Waldbrände der vergangenen Jahre in Bayern. Rund 290 Einsatzkräfte sind an dem etwa 1.270 Meter hohen Berg im Einsatz.
Zahlreiche Hubschrauber im Löscheinsatz
Nach Angaben des Landratsamts halfen am Dienstag elf Hubschrauber bei der Brandbekämpfung. Beteiligt waren drei Maschinen der Bundeswehr, vier der Landespolizei, ein Hubschrauber der Bundespolizei, ein weiterer der Polizei aus Baden-Württemberg sowie zwei Maschinen von Heli Austria.
Die Bundeswehr-Hubschrauber können laut Landrat Andreas Danzer jeweils etwa 5.000 Liter Wasser transportieren und damit deutlich mehr als Polizeihubschrauber. Weil ein sicherer Einsatz am Boden nur eingeschränkt möglich ist, wird das Feuer vor allem aus der Luft bekämpft, um die Flammen einzudämmen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Bei Dunkelheit müssen die Löschflüge aus Sicherheitsgründen eingestellt werden. In der Nacht läuft der Einsatz deshalb am Boden weiter, soweit das gefahrlos möglich ist. Dabei kommen unter anderem handgeführte Strahlrohre und Tanklöschfahrzeuge zum Einsatz. Für Mittwoch sind erneut Hubschrauberflüge vorgesehen.
Schwieriges und gefährliches Gelände
Die Löscharbeiten werden vor allem durch das Gelände erschwert. Rund um den Saurüsselkopf ist es sehr steil, unwegsam und für Einsatzkräfte teilweise gefährlich. Es gibt kaum begehbare Wege. Hinzu kommen Risiken durch die Ausbreitung des Feuers und durch herabfallende Äste.
Zwar sind auch Kräfte am Boden im Einsatz, allerdings nur dort, wo dies gefahrlos möglich ist. Nach Einschätzung des Landratsamts bleibt der Einsatz in dem felsigen, steilen und schwer erreichbaren Gebiet besonders kräftezehrend. Beteiligt sind unter anderem Feuerwehr, Bergwacht, Rettungsdienst, Polizei, Katastrophenschutz, Forstbehörden und die Gemeinde.
Wind, Rauch und Steinschlag verschärfen die Lage
Mit Hilfe der Hubschraubereinsätze konnte die Lage an der West- und Ostflanke des Berges zunächst stabil gehalten werden. Wegen einer Winddrehung liegt der Schwerpunkt inzwischen aber auf der Südflanke. Dieser Bereich nahe der Grenze zu Österreich wird besonders genau beobachtet. Die Behörden stehen dazu auch mit den zuständigen Stellen auf österreichischer Seite in Kontakt.
Bereits in der Nacht hatten wechselnde Winde für eine stärkere Ausbreitung des Rauchs gesorgt. Auf der Ostseite des Berges kam es stellenweise zu Steinschlag. Im Süden gilt die Entwicklung derzeit als besonders kritisch.
Landrat Danzer hatte bereits am Vortag den Katastrophenfall ausgerufen. Er betonte erneut, dass der Landkreis auf überörtliche Hilfe angewiesen sei.
Trinkwasserschutzgebiet in Gefahr
Besonders brisant ist der Brand, weil er ein Trinkwasserschutzgebiet bedroht. Nach Angaben von Landrat Danzer versorgt eine dortige Quelle rund 30.000 Menschen mit Wasser. Ihr Schutz hat höchste Priorität.
Zudem hat der betroffene Schutzwald für die Region eine wichtige Funktion. Er schützt unter anderem vor Erosion, Steinschlag und Murenabgängen. Forstministerin Kaniber kündigte an, den Wald nach dem Ende des Brandes zu sanieren und neue Bäume zu pflanzen.
Auswirkungen für Anwohner
Für die Bevölkerung besteht nach Behördenangaben weiterhin keine unmittelbare Gefahr. Das Einsatzgebiet ist jedoch abgesperrt. Es gelten Betretungs- und Fahrverbote, außerdem müssen die Zufahrtswege für Rettungs- und Löschkräfte frei bleiben. Auch die B 305 ist im betroffenen Bereich gesperrt.
Die Behörden warnen außerdem vor möglichem Ascheregen. Anwohner sollten in diesem Fall Fenster und Türen geschlossen halten und Lüftungsanlagen möglichst ausschalten. Menschen mit Atemwegserkrankungen wird empfohlen, körperliche Anstrengungen im Freien vorsorglich zu vermeiden.
Angespannte Stimmung in Ruhpolding
Vor Ort sorgt die Lage für große Anspannung. Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer schilderte, es werde einem etwas mulmig, wenn man nachts den brennenden Berg sehe. Weil das Feuer im Talkessel gut sichtbar ist, nehmen viele Menschen die Bedrohung sehr unmittelbar wahr.
Ursache des Feuers weiter unklar
Wie es zu dem Brand kam, ist bislang nicht bekannt. Wegen der anhaltenden Trockenheit ist die Waldbrandgefahr erhöht. Die Behörden riefen Bevölkerung und Waldbesitzer zu besonderer Vorsicht auf.
In den vergangenen Tagen hatte es an mehreren Orten kleinere Brände gegeben. Die Polizei prüft laut Polizeipräsidium Oberbayern Süd in allen Fällen auch, ob Brandstiftung eine Rolle gespielt haben könnte. Nachgewiesen wurde dies bislang jedoch nicht.
Der Deutsche Wetterdienst stufte die Waldbrandgefahr für weite Teile Oberbayerns auch am Dienstag auf Stufe 3 von 5 ein. In einigen östlichen Regionen sowie im Landkreis Traunstein galt Stufe 4, also hohe Gefahr. In den kommenden Tagen soll das Risiko nach Prognosen wieder sinken.
WWF warnt vor neuer Waldbrand-Dynamik
Angesichts aktueller Brände in Deutschland warnt der WWF vor einer zunehmenden Gefahr auch in Gegenden, die bislang nicht als klassische Waldbrandregionen galten. Durch die Erderwärmung verschärfe sich das Risiko und breite sich räumlich weiter aus. Trockenheit, höhere Temperaturen und geschwächte Wälder begünstigten diese Entwicklung.
Peer Cyriacks vom WWF Deutschland erklärte, die aktuellen Waldbrände machten deutlich, dass sich auch Bayern immer stärker zu einem Hochrisikogebiet entwickle. Was derzeit zu beobachten sei, sei längst kein Ausnahmefall mehr, sondern ein ernstes Warnsignal für die kommenden Jahre.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion