Bayern

Jetzt steht fest: So läuft Bayreuths Gedenken

Nach Eklat und Kehrtwende in Bayreuth steht das Programm fürs 150-Jahre-Gedenken fest – mit einer überraschenden Wendung.

09.07.2026, 12:21 Uhr

Programm der Wagner-Gedenkveranstaltung steht fest

Nach dem Wirbel um die zwischenzeitlich abgesagte Gedenkveranstaltung zum 150. Jubiläum der Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele ist das Programm nun veröffentlicht. Der jüdische Publizist Michel Friedman, dessen Ausladung heftige Kritik ausgelöst hatte, hält einen Vortrag mit dem Titel „Über Bayreuth, über Deutschland. Versuch einer Gesellschaftsanalyse“.

Die Festspiele waren zuletzt in die Kritik geraten, weil Friedman für die Veranstaltung „Verstummte Stimmen“, die an während der NS-Zeit verfolgte jüdische Musiker erinnert, zunächst eingeladen und später wieder ausgeladen worden war.

Am Dirigentenpult steht nun nicht Christian Thielemann, über dessen Mitwirkung zuvor spekuliert worden war, sondern Semyon Bychkov. Auf dem Programm stehen Richard Wagners „Siegfried-Idyll“ sowie ein Klavierquartett von Gustav Mahler. Der Eintritt ist frei, zugleich bitten die Festspiele um Spenden. Diese sollen laut Homepage über das Keshet Eilon Music Center jungen israelischen Musikerinnen und Musikern zugutekommen.

Auch der Veranstaltungsort wurde geändert: Anders als zunächst angekündigt findet die Gedenkveranstaltung nicht im Friedrichsforum statt, sondern im Bayreuther Festspielhaus auf dem Grünen Hügel. Dort soll am Abend zudem eine Neuinterpretation von Wagners Oper „Rienzi“ aufgeführt werden.

Katharina Wagner spricht von „fataler Fehleinschätzung“

Festspielleiterin Katharina Wagner hatte die ursprüngliche Absage mit einem „hausintern erheblichen Kommunikationsdefizit“ erklärt und von einer „fatalen Fehleinschätzung“ gesprochen. In der Süddeutschen Zeitung sagte sie: „Bitte verstehen Sie, wenn ich dazu nicht mehr sagen will, außer: Ich trage als Leiterin dieser Festspiele die Verantwortung.“ Zugleich betonte sie: „Das alles tut mir von Herzen leid.“

Rückendeckung kommt nun auch aus der bayerischen Staatsregierung. Kunstminister Markus Blume (CSU), der den Umgang mit Friedmans Ausladung zuvor als „mehr als unglücklich“ kritisiert hatte, begrüßte gegenüber der dpa, dass die Gedenkveranstaltung nun stattfindet. Er zolle Katharina Wagner „höchsten Respekt“ dafür, dass sie Verantwortung übernehme. Das sei ein Zeichen von Größe und eine klare Positionierung gegen jede Form von Antisemitismus.

Richard Wagner (1813–1883), der Gründer der Bayreuther Festspiele, fiel durch antisemitische Schriften und Äußerungen auf. In der Folge wurden die Festspiele immer wieder mit nationalistisch-völkischem Denken und später auch mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht. Adolf Hitler war häufiger Gast in Bayreuth. Winifred Wagner, die Großmutter der heutigen Festspielchefin und damalige Leiterin, galt als glühende Verehrerin Hitlers.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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