Bayern

Feuer im Kehlsteinhaus: Das Rätsel wird größer

Nach dem Feuer im Kehlsteinhaus führt die Spur zu einem psychisch kranken Verdächtigen – was steckt hinter der Brandnacht?

26.10.2026, 07:40 Uhr

Drei Tage nach dem verheerenden Feuer am Kehlsteinhaus bei Berchtesgaden dauern die Ermittlungen zur mutmaßlichen Brandstiftung an. Die Polizei hatte einen 33 Jahre alten Mann festgenommen, dem die Tat zugeschrieben wird. Er wurde bereits am Samstag in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung gebracht.

Festgenommener meldete sich schon vor dem Brand bei der Polizei

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd hatte sich der Mann mit Wohnsitz in Berlin, der zugleich Verbindungen in die Region haben soll, schon Tage vor dem Feuer selbst einer Straftat bezichtigt. Zunächst hatte die "Bild" darüber berichtet.

Demnach erklärte der 33-Jährige, im Jahr 2013 eine schwere Körperverletzung begangen zu haben. Solche Taten verjähren in der Regel nach zehn Jahren und könnten daher heute wohl nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden. Die Ermittler hatten bereits am Samstag betont, dass die Angaben des Mannes wegen seiner psychischen Erkrankung sorgfältig auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden müssten.

Gebäude soll wieder aufgebaut werden

Das traditionsreiche Gebäude, das seit Jahrzehnten als Berggasthof genutzt wurde, brannte in der Nacht zum Samstag nahezu vollständig aus. Der entstandene Schaden dürfte sich ersten Schätzungen zufolge auf mehrere Millionen Euro belaufen. Für den Einsatz mussten zeitweise bis zu 200 Feuerwehrleute unter schwierigen Wetterbedingungen zu dem auf mehr als 1.800 Metern gelegenen Haus aufsteigen. Die Löscharbeiten konnten erst am Sonntag abgeschlossen werden.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte bereits kurz nach dem Brand erklärt, dass das geschichtsträchtige Bauwerk, das dem Freistaat Bayern gehört, wieder aufgebaut werden soll. Eine Ruine an dieser Stelle komme kaum infrage, sagte er.

Hitlers „Eagles Nest“

Das Kehlsteinhaus entstand in den 1930er Jahren unter der Herrschaft der Nationalsozialisten als Teil des Areals am Obersalzberg, das von Adolf Hitler genutzt wurde. Fertiggestellt wurde es 1938. Damals lag es in einem abgeschirmten Wohn- und Regierungsbereich der NS-Führung, der für die Öffentlichkeit nicht zugänglich war. Eine Ausstellung vor Ort beleuchtet heute die Geschichte des Hauses.

Seit 1952 ist das Kehlsteinhaus als öffentlich zugängliche Berggaststätte in Betrieb. Bei gutem Wetter bietet der Ort einen weiten Blick über die Alpen. International ist das beliebte Ausflugsziel unter dem Namen „Eagles Nest“ bekannt, auf Deutsch etwa „Adlerhorst“.

Das Gebäude nahe der österreichischen Grenze ist nur schwer erreichbar. In der Regel gelangen Besucher mit Bussen der Kehlsteinlinie hinauf. Die letzten rund 100 Höhenmeter führen entweder mit einem Lift durch den Berg oder zu Fuß bis zum Haus.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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