Cavallo kritisiert Döllners Trump-Auftritt deutlich
Die VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo hat den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung des US-Präsidenten Donald Trump scharf verurteilt. In einem internen Interview, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, sagte sie, Trump habe dort minutenlang rassistische, sexistische, fremdenfeindliche und transfeindliche Inhalte verbreitet sowie demokratische Prinzipien verächtlich gemacht. Dass anschließend ein führender Repräsentant des Konzerns die Bühne betrete und damit aktiv Wahlkampfhilfe leiste, sei beschämend.
Auch den VW-Konzernvorstand um Oliver Blume nahm Cavallo ins Visier. Aus ihrer Sicht habe sich die Führung von einer politisch hoch problematischen Figur für deren Propaganda instrumentalisieren lassen. Dass bereits erste historische Vergleiche mit der Vergangenheit von Volkswagen gezogen würden, sei alarmierend. Cavallo sprach in diesem Zusammenhang von einem gefährlichen Spiel. Volkswagen war in der NS-Zeit gegründet worden und galt damals als Prestigeprojekt des Hitler-Regimes.
Audi plant Werk im US-Bundesstaat Georgia
Trump hatte am Samstag überraschend bekanntgegeben, dass Audi ein Werk in Perry im Bundesstaat Georgia errichten wolle. Döllner betrat danach die Bühne und bedankte sich beim US-Präsidenten für dessen Unterstützung. Der Audi-Chef gehört zugleich dem Vorstand des Volkswagen-Konzerns an. Dort ist er für die Markengruppe Progressive zuständig, zu der neben Audi auch Bentley, Lamborghini und Ducati zählen.

Nach den bisherigen Plänen soll in Georgia jährlich eine Produktion von 200.000 SUV aufgebaut werden. Audi stellt dafür Investitionen von rund vier Milliarden US-Dollar in Aussicht. Etwa 4.500 Arbeitsplätze sollen entstehen. Der Baustart ist für 2027 vorgesehen, die Fertigung soll zu Beginn der 2030er Jahre anlaufen. Es wäre das erste Audi-Werk in den USA.
Cavallo sieht Verstoß gegen interne Regeln
Nach Ansicht Cavallos steht Döllners Auftritt zudem im Widerspruch zu konzerninternen Vorgaben. Demnach seien in den letzten drei Monaten vor einer Wahl öffentlichkeitswirksame Termine mit kandidierenden Politikern untersagt. Döllner habe diese Richtlinien erst vor wenigen Monaten selbst unterzeichnet. Für Cavallo handelt es sich daher sehr wahrscheinlich um einen eindeutigen Regelverstoß. Die US-Zwischenwahlen sind für den 3. November angesetzt.
Werk in den USA aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar
Die Pläne für eine Audi-Fabrik in den Vereinigten Staaten bewertet Cavallo in wirtschaftlicher Hinsicht allerdings differenzierter. Der US-Markt sei einer der größten und profitabelsten weltweit, während Volkswagen dort weiterhin einen zu geringen Marktanteil habe. Hinzu kämen hohe Zölle unter Trump, die den Konzern Milliarden kosteten. Deshalb spreche einiges dafür, die Produktion in den USA auszubauen.
Gleichzeitig sieht sie zahlreiche offene Punkte. So sei unklar, ob ein solches Investment im Gegenzug Erleichterungen bei den Zöllen für den gesamten VW-Konzern bringe. Ebenso offen sei, wie verlässlich mögliche politische Zusagen wären, falls sich die Regierung in Washington ändere.
Zustimmung des Aufsichtsrats steht noch aus
Für die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat knüpft Cavallo eine mögliche Zustimmung an klare Bedingungen. Eine neue Fabrik in den USA komme unabhängig von der Marke nur dann infrage, wenn die Folgen für alle anderen Standorte, vor allem in Deutschland, vollständig geklärt seien. Ohne ein umfassendes Gesamtkonzept für die künftige Planung und die Auswirkungen auf sämtliche Werke werde die Arbeitnehmerseite kein Einverständnis geben. Eine endgültige Entscheidung über den Neubau stehe daher noch aus.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber