Bayern

«Es geht weiter» – Die Überraschung zum Jubiläum

30 Jahre Bischof – und jetzt der Kurswechsel? Kardinal Marx spricht überraschend offen über Reformen in der Kirche.

19.09.2026, 03:00 Uhr

Kardinal Marx zeigt sich zuversichtlich für die Zukunft der Kirche

Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx hat sich mit Blick auf die katholische Kirche deutlich optimistischer geäußert als noch vor einigen Jahren. Bei einer Tagung der Katholischen Akademie in Bayern zum 30. Jahrestag seiner Bischofsweihe sagte er, die Kirche habe zwar einen Tiefpunkt erlebt, er sei inzwischen aber überzeugt, dass es weitergehe.

Auch persönlich beschrieb sich Marx als gefestigter: Innerlich gehe es ihm heute deutlich besser als noch vor einigen Jahren.

2021 hatte Marx infolge der Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten. Damals sprach er davon, die Kirche sei an einem toten Punkt angekommen. Franziskus lehnte den Rücktritt jedoch ab. Nun kann Marx auf 30 Jahre im bischöflichen Dienst zurückblicken.

Seit 2010 Kardinal

Am 21. September 1996 wurde Marx zum Weihbischof in Paderborn geweiht. Später war er Bischof von Trier, bevor er 2007 Erzbischof von München und Freising wurde. Seit Jahren zählt er zu den prägenden Persönlichkeiten der katholischen Kirche in Deutschland. 2010 erhob ihn der Papst zum Kardinal. Zudem nahm er bereits an zwei Konklaven zur Wahl eines neuen Papstes teil. Für Montag ist anlässlich seines Jubiläums ein Gottesdienst in der Münchner Frauenkirche vorgesehen.

Während der Tagung betonte Marx, die Geschichte der Kirche in der hiesigen Kultur sei keineswegs zu Ende. Kirche dürfe aus seiner Sicht nicht nur ein Ort für besonders konservative Gläubige sein. Vielmehr wolle er unterschiedliche Strömungen zusammenhalten – sowohl konservative als auch progressive Kräfte.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Entwicklung des Bischofsamts und mögliche Reformen. Marx verwies dabei erneut auf den Missbrauchsskandal als entscheidenden Auslöser für die aktuellen Reformprozesse in der deutschen katholischen Kirche.

Marx verteidigt den Synodalen Weg

Zur Zeit des Missbrauchsskandals stand Marx an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz. Deshalb werde er oft als Vater des Synodalen Wegs bezeichnet, sagte er – und machte zugleich klar, dass er dazu stehe. Die Lage sei damals äußerst angespannt gewesen, die Kirche habe in eine Art Abgrund geblickt. Deshalb habe es einen neuen Anfang und eine Perspektive nach vorn gebraucht. Für ihn sei klar gewesen, dass dies nur gemeinsam mit dem ganzen Gottesvolk gelingen könne.

Synodalität verstehe er nicht als Machtkampf, sagte Marx, sondern als Versuch, Kirche besser zu gestalten.

Im Synodalen Weg hatten Bischöfe und Laienvertreter gemeinsam Reformideen erarbeitet. Wie es damit konkret weitergeht, ist derzeit offen. Die zuständigen Gremien warten weiterhin auf Signale aus dem Vatikan.

Mehr Entscheidungen vor Ort?

Ein weiterer Punkt der Debatte war das Verhältnis zu Rom. Dabei ging es um die Frage, ob wirklich alle kirchlichen Entscheidungen zentral im Vatikan getroffen werden müssen oder ob Ortskirchen mehr selbst regeln könnten. Marx nannte als Beispiele die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare sowie die Frage, ob theologisch ausgebildete Laien in Gottesdiensten predigen dürfen.

Schavan fordert mehr Eigenständigkeit

Deutlich äußerte sich auch die frühere Bundesbildungsministerin und ehemalige deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhl, Annette Schavan. Sie sagte, es müsse Themen geben, bei denen Rom sich einfach heraushalte.

Auch Charlotte Kreuter-Kirchhof, Mitglied des vatikanischen Wirtschaftsrats und der Synodalversammlung, sprach sich dafür aus, Entscheidungen vor Ort einfach umzusetzen, statt ständig in Rom nachzufragen.

Trotz aller Konflikte sieht Schavan die katholische Kirche in einer Phase des Aufbruchs. Zugleich bezeichnete sie die Kirche als den letzten verbliebenen globalen Akteur dieser Art.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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