Politik

Grönland-Konflikt: Die überraschende Wende?

Nach dem Grönland-Eklat bahnt sich ein Deal an: Was bekommt Trump wirklich – und was geben Europa und Dänemark preis?

19.09.2026, 02:58 Uhr

US-Präsident Donald Trump hatte mit seinen Forderungen nach mehr Einfluss auf Grönland in Europa und bei Verbündeten heftige Kritik ausgelöst. Nun deutet sich jedoch eine Entspannung an: Die USA, Dänemark und Grönland sprechen von einem Durchbruch.

Warum steht Grönland im Mittelpunkt?

Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit Interesse daran gezeigt, die zum dänischen Königreich gehörende Insel zu erwerben. Damals wurde das in Kopenhagen und auf Grönland noch als abwegig oder scherzhaft abgetan. Spätestens seit Januar dieses Jahres wurde aber deutlich, dass der US-Präsident seinen Anspruch auf Kontrolle über die Insel ernst meint. Grönland ist zu rund 80 Prozent von Eis bedeckt und hat etwa 60.000 Einwohner.

Zur Begründung verweist Trump auf die wachsende Aktivität von Staaten wie China und Russland in der Arktis. Aus Sicht Washingtons könne Dänemark die Verteidigung der strategisch wichtigen Insel nicht ausreichend gewährleisten. Deshalb müssten die USA dort sicherheitspolitisch eine stärkere Rolle übernehmen. Für zusätzliche Empörung sorgte Trump zuletzt mit einer auf Truth Social veröffentlichten Karte, die Grönland in den Farben der US-Flagge zeigte.

Zugleich wird auf Grönland vermutet, dass es Trump nicht nur um militärische Kontrolle in der Arktis geht. Auch die reichen Rohstoffvorkommen, darunter seltene Erden unter dem Eis, dürften eine Rolle spielen.

Wie fiel die Reaktion auf der Insel aus?

Trumps wiederholte Vorstöße lösten auf Grönland scharfen Protest aus. Sowohl die Regierung der Insel als auch Dänemark betonten mehrfach, dass Grönland nicht zum Verkauf stehe. Über die Zukunft des Gebiets sollten allein die Grönländer selbst entscheiden. Zwar ist die frühere dänische Kolonie heute weitgehend selbstverwaltet, sie gehört jedoch weiterhin zum Königreich Dänemark.

Grönland-Konflikt
US-Präsident Trump will die Kontrolle über die Insel haben. (Archivbild) Quelle: Emil Stach/Ritzau Scanpix Foto/dpa

Inzwischen wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aller drei Seiten eingerichtet, die über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit beraten hat.

Was ist über das geplante Abkommen bekannt?

Bislang ist nur wenig offiziell bekannt. Während Trump den Eindruck erweckte, die Vereinbarung sei praktisch beschlossen, stellten Dänemark und Grönland klar, dass noch keine Unterschrift geleistet wurde. Nach ihren Angaben soll das Abkommen erst in der kommenden Woche am Rande der UN-Generalversammlung in New York formell besiegelt werden. Anschließend müsste es noch parlamentarisch bestätigt werden, bevor es in Kraft treten kann.

Wie beschreibt Trump die Einigung?

Nach Darstellung des US-Präsidenten würden die Vereinigten Staaten dauerhaft die Zuständigkeit für Verteidigungs- und Sicherheitsfragen rund um Grönland übernehmen. Staaten, die den USA feindlich gegenüberstehen, dürften demnach weder Militärbasen errichten noch Truppen stationieren oder sogenannte sensible Investitionen tätigen – außer mit Zustimmung Washingtons.

Außerdem kündigte Trump an, dass umgehend Vorbereitungen für einen erheblichen militärischen Ausbau auf der Insel beginnen sollen. Ob diese Präsenz ausschließlich aus US-Kräften bestehen würde, ließ er offen.

Trump betonte zudem, die Einigung verursache den USA keine Kosten. Was das konkret bedeutet und wer mögliche Ausgaben trägt, blieb allerdings unklar. Nach seinen Worten soll die Regelung auf Dauer gelten.

Was sagen Dänemark und Grönland?

Von dänischer und grönländischer Seite gibt es bislang keine detaillierten Angaben zum Inhalt. In einer gemeinsamen Erklärung heißt es lediglich, die Vereinbarung wahre die Souveränität und territoriale Unversehrtheit des dänischen Königreichs und respektiere das Selbstbestimmungsrecht der grönländischen Bevölkerung.

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sprach von einem Abkommen, das die gemeinsame Sicherheit in der Arktis und im Nordatlantik stärke und damit auch der Nato und Europa zugutekomme. Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen erklärte, die bevorstehende Vereinbarung wahre die Interessen der Insel.

Welche Folgen könnte das für Deutschland haben?

Welche Auswirkungen ein solches Abkommen konkret für Deutschland hätte, ist noch offen. Unklar ist auch, welche Rolle andere Nato-Staaten und die Europäische Union dabei spielen könnten. Nachdem Trump mit seinem Kurs zunächst im Alleingang vorgeprescht war, hatten mehrere europäische Nato-Länder ihre Unterstützung für die Souveränität Grönlands betont. Danach folgten neue diplomatische Annäherungen.

Auch die EU zeigte Präsenz. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reiste nach Grönland und kündigte einen Ausbau der Zusammenarbeit an. Vorgesehen sind engere wirtschaftliche und politische Beziehungen sowie ein Investitionspaket in Millionenhöhe. Für Deutschland als größte Volkswirtschaft der EU und als wichtiger Nato-Partner könnten die Absprachen mit den USA daher mittelbar erhebliche Bedeutung haben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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