Bayern

Endometriose: Bayern nur auf Platz fünf

Nicht nur Regelschmerzen: Endometriose wird oft spät erkannt. Warum Bayern bei den Diagnosen bundesweit weit vorn liegt.

01.06.2026, 05:00 Uhr

Endometriose in Bayern: Zahl der Diagnosen stark gestiegen

In Bayern ist die Zahl der Frauen mit einer Endometriose-Diagnose innerhalb von 20 Jahren deutlich gestiegen. Nach dem aktuellen Arztreport der Krankenkasse Barmer wurden 2005 noch rund 39.800 Betroffene im Freistaat erfasst, 2024 waren es bereits etwa 82.900. Damit hat sich die Zahl binnen zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt.

Nach den jüngsten Zahlen für 2024 wurden in Bayern 1.248 von 100.000 Frauen wegen der Erkrankung ärztlich behandelt. Damit liegt der Freistaat über dem bundesweiten Durchschnitt von 1.212 Fällen je 100.000 Frauen und im Ländervergleich auf Rang fünf.

Deutschlandweit zeigen sich weiterhin deutliche regionale Unterschiede. Die höchste Behandlungsquote weist Berlin mit 1.618 Betroffenen je 100.000 Frauen auf, den niedrigsten Wert Thüringen mit 939.

Auffällig ist laut Bericht zudem, dass Endometriose in Ballungsräumen häufiger diagnostiziert wird als in ländlichen Regionen. Fachleute gehen zugleich von einer hohen Dunkelziffer aus. Viele Frauen hielten ihre Beschwerden offenbar zunächst für besonders starke Regelschmerzen und suchten daher nicht frühzeitig ärztliche Hilfe, erklärte Barmer-Landesgeschäftsführer Alfred Kindshofer.

Alter bei Erstdiagnose gesunken

Laut Arztreport sank das Alter bei der Erstdiagnose in Deutschland innerhalb von 20 Jahren um knapp vier Jahre. Im Jahr 2024 waren Frauen bundesweit im Schnitt 37,4 Jahre alt, wenn die Ursache ihrer Beschwerden festgestellt wurde.

Kindshofer forderte, dass die Krankheit stärker im gesellschaftlichen Bewusstsein ankommen müsse. Endometriose könne viele Lebensbereiche beeinflussen, darunter Familienplanung, Mobilität und die psychische Gesundheit.

Weit verbreitete gynäkologische Erkrankung

Endometriose zählt zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen und ist oft mit starken Schmerzen sowie weiteren gesundheitlichen Problemen verbunden. Dabei wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutterhöhle, etwa am Bauchfell, an den Eierstöcken oder am Darm.

Typisch sind Unterleibsschmerzen, die besonders im Zusammenhang mit der Regelblutung auftreten können, aber auch während oder nach dem Geschlechtsverkehr. Die häufig krampfartigen Schmerzen können in Unterbauch, Rücken und Beine ausstrahlen und von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall begleitet sein. Die Beschwerden können chronisch werden, zudem kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigt sein.

Begleiterkrankungen treten häufiger auf

Wie der Report weiter zeigt, leiden Betroffene häufiger als für ihr Alter zu erwarten unter weiteren Erkrankungen. Dazu zählen Schmerzdiagnosen im Bauch- und Beckenbereich, Migräne sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen. Auch depressive Episoden und Angststörungen kommen bei Frauen mit Endometriose häufiger vor.

Grundlage der Analyse sind anonymisierte Abrechnungsdaten von Barmer-Versicherten. Für den Zeitraum von 2005 bis 2024 wurden Daten berücksichtigt, die rund zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland abbilden. Die Ergebnisse wurden standardisiert und auf die Gesamtbevölkerung in Deutschland sowie in Bayern hochgerechnet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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