Bayerns Freilichtbühnen im Sommer: Theater unter offenem Himmel
Ob auf der Luisenburg in Wunsiedel, im Kreuzgang von Feuchtwangen oder auf Bühnen in Schwaben: In Bayern locken in den Sommermonaten zahlreiche Freilichtspielstätten mit Aufführungen vor außergewöhnlicher Kulisse. Das besondere Ambiente unter freiem Himmel sorgt oft für eine entspanntere Atmosphäre als im klassischen Theaterhaus. Ein Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel
Auf der Luisenburg braucht es keine digitalen Spielereien, Projektionen oder aufwendige Videoeffekte. Die markante Felsenbühne lebt von klassischem Theaterhandwerk, wie Intendantin Birgit Simmler betont. Gerade die natürliche, raue Umgebung gebe den Produktionen ihren besonderen Charakter.
In diesem Jahr ist dort unter anderem „Der Da Vinci Code – Sakrileg“ nach dem Bestseller von Dan Brown zu sehen. Während man bei Inszenierungen in geschlossenen Räumen manches mit Technik visualisieren könne, etwa Zahlenrätsel oder spezielle Effekte, setze man im Freien bewusst auf traditionelle Mittel.
Simmler sieht darin auch einen Gegenpol zur zunehmenden Verlagerung von Freizeit und Unterhaltung ins Digitale und Private. Auf der Luisenburg erleben bis zu 1.900 Besucherinnen und Besucher eine Aufführung gemeinsam – bei Sonne, Wind, Regen oder in milder Abendstimmung.
Zum Sommerprogramm gehören außerdem das Familienstück „Pumuckl“, das Musical „The Rocky Horror Show“, Shakespeares „Romeo und Julia“, die Bühnenfassung von „Achtsam morden“ sowie Gastspiele und Konzerte. Die Luisenburg-Festspiele zählen zu den ältesten Freilichttheatern Deutschlands; gespielt wird dort bereits seit dem 17. Jahrhundert vor dem Felsenlabyrinth.

Kreuzgangspiele Feuchtwangen
Die Kreuzgangspiele in Feuchtwangen blicken ebenfalls auf eine lange Geschichte zurück. Das 1948 gegründete Festival in Mittelfranken gilt als ein wichtiger Impulsgeber für die Freilichttheater-Bewegung in Deutschland.
Im Sommer werden dort zwei Spielstätten genutzt. Zentrum des Festivals ist der Kreuzgang eines ehemaligen Benediktinerklosters mit seinen romanischen Arkaden. Seit 2009 gibt es zusätzlich eine kleinere Bühne im Nixel-Garten, auf der eher experimentelle Produktionen gezeigt werden.
Zwischen 9. Mai und 16. August stehen sechs Inszenierungen auf dem Plan. Für Erwachsene gibt es eine neue Bühnenfassung von „Der große Gatsby“ nach F. Scott Fitzgerald, Goldonis Komödie „Der Diener zweier Herren“ und Orwells „1984“. Kinder können „Die kleine Hexe“ nach Otfried Preußler sowie „Die Prinzessin auf der Erbse“ sehen. Jugendliche spricht eine moderne Version von E. T. A. Hoffmanns „Der Sandmann“ an.
Allgäuer Freilichtbühne Altusried
In Altusried steht ein Stoff auf dem Programm, der eng mit der Filmgeschichte verbunden ist. Vom 7. bis 23. August wird dort sechsmal das Musical „Das zauberhafte Land von Oz“ aufgeführt. Die Bearbeitung stammt vom Festspielhaus Neuschwanstein, mehr als 50 Mitwirkende stehen auf der Bühne.
Die Vorlage geht auf den weltberühmten Filmklassiker „Der Zauberer von Oz“ aus dem Jahr 1939 mit Judy Garland zurück. Erzählt wird die Geschichte von Dorothy, die durch einen Sturm in das Fantasieland Oz gelangt. Auch der Song „Somewhere over the Rainbow“ wurde durch den Film weltbekannt.
Staatstheater Augsburg
Das Staatstheater Augsburg muss in diesem Jahr auf seine traditionsreiche Freilichtbühne am Roten Tor verzichten. Die fast 100 Jahre alte Anlage im Stadtzentrum wurde vor wenigen Wochen wegen baulicher Mängel kurzfristig von der Stadt gesperrt.
Für die sonst dort gezeigte Musicalproduktion zum Saisonabschluss musste deshalb ein neuer Ort gefunden werden. „Monty Python’s Spamalot“ wird nun vom 27. Juni bis 31. Juli 2026 unter freiem Himmel auf dem Gelände des alten Gaswerks gespielt. Das Musical orientiert sich an dem Kultfilm „Die Ritter der Kokosnuss“ der britischen Komikergruppe Monty Python. Das historische Gaswerksareal dient dem Theater bereits als Ausweichspielstätte während der Sanierung des Großen Hauses.
Waldfestspiele Bad Kötzting
Bei den Waldfestspielen in Bad Kötzting in der Oberpfalz lautet das Motto „Klassiker auf Bairisch“. In den Spielzeiten 2026 und 2027 wird dort „Don Quijote“ nach Miguel de Cervantes gezeigt – in einer bairischen Bühnenfassung von Sascha Edenhofer und Sara Herbst.
Das Publikum kann die Abenteuer des berühmten „Ritters von der traurigen Gestalt“ jeweils im Juli und August in besonderer Freiluftkulisse erleben. Die Festspielgemeinschaft Kötzting verspricht ein unterhaltsames Theatererlebnis in eindrucksvoller Atmosphäre.
In den Jahren 2024 und 2025 hatte das Ensemble „Die Weber“ nach Gerhard Hauptmann auf die Bühne gebracht. Auch Werke wie Goethes „Faust“ und Shakespeares „Macbeth“ waren dort bereits zu sehen. Die Theatergruppe aus dem Landkreis Cham wurde 1989 gegründet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion