Bayern

Cyberattacke lähmt Eichstätts Rathaus

Cyberattacke auf eine Stadt: Alle Server wurden abgeschaltet, nichts geht mehr. Was hinter dem massiven Ausfall steckt.

13.10.2026, 09:05 Uhr

Cyberangriff auf Eichstätt: Stadt rechnet mit längerem IT-Ausfall

Nach dem kriminellen Cyberangriff auf die Stadt Eichstätt stellt sich die Verwaltung auf einen möglicherweise längeren Ausfall ihrer IT-Systeme ein. Stadtsprecherin Sophie Fries sagte, derzeit fehlten noch immer die nötigen Grundlagen, um verlässlich sagen zu können, wie lange die Störung andauern werde. Die Stadt bereite sich deshalb auf alle Eventualitäten vor.

Inzwischen wurde zudem bekannt, dass es bereits am Donnerstag auch eine Cyberattacke auf das Landratsamt Cham gab. Dort ist der Vorfall nach Behördenangaben inzwischen behoben. Nach aktuellem Stand gibt es jedoch keine Erkenntnisse über einen Zusammenhang zwischen den Fällen in Eichstätt und Cham, wie die Zentralstelle Cybercrime Bayern mitteilte.

Wegen des Angriffs in Eichstätt wurden sämtliche Server vorsorglich vom Netz getrennt. Dadurch sind aktuell alle digitalen Dienste der Stadtverwaltung außer Betrieb. Auch die Kommunikation ist massiv eingeschränkt: E-Mails funktionieren nicht, ebenso ist die Telefonanlage ausgefallen. Die Verwaltung arbeitet nach eigenen Angaben daran, für Bürgerinnen und Bürger eine Übersicht zu erstellen, welche Angebote derzeit erreichbar sind und welche nicht.

Ermittler gehen von Ransomware-Angriff aus

Nach ersten Erkenntnissen gehen die eingeschalteten Ermittler von einem Ransomware-Angriff aus. Bei solchen Attacken werden Daten auf IT-Systemen mit Erpressungssoftware verschlüsselt; die Entschlüsselung wird dann meist nur gegen Zahlung eines Lösegelds in Aussicht gestellt. Nach Angaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik drohen Täter inzwischen oft zusätzlich damit, zuvor erbeutete Daten zu veröffentlichen.

Die Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg betont jedoch, dass die Auswertung noch ganz am Anfang steht. Nach aktuellem Stand sei versucht worden, in das System einzugreifen.

Angreifer und mögliche Folgen weiter unklar

Woher der Angriff auf die Stadt Eichstätt kam, ist bislang ebenso unklar wie die Frage, ob überhaupt Daten abgeflossen sind und welche Informationen gegebenenfalls betroffen sein könnten. Nach Angaben der Ermittler ist es derzeit noch schwierig, belastbare Bewertungen des Vorfalls vorzunehmen.

Im Mittelpunkt stehen aktuell vor allem technische Untersuchungen. Die Aufklärung solcher Ransomware-Fälle gilt als aufwendig, weil dabei zahlreiche digitale Spuren ausgewertet werden müssen.

Der Vorfall war laut Fries am Montagmorgen entdeckt worden. Die oberbayerische Kommune arbeitet seither eng mit Polizei und Landeskriminalamt zusammen. IT-Forensiker des LKA waren demnach noch bis Montagabend im Rathaus im Einsatz.

Rathaus in dringenden Fällen über Infopunkt und Hotline erreichbar

Die Abteilungen im Rathaus bleiben bis auf Weiteres geschlossen. In dringenden Fällen können sich Bürgerinnen und Bürger an einen Infopunkt im Rathaus wenden. Zusätzlich wurde für Notfälle eine Hotline eingerichtet.

Die Internetseite der Stadt ist nach bisherigen Angaben nicht von dem Angriff betroffen. Über die Homepage und die sozialen Netzwerke will die Verwaltung weiterhin über die Entwicklung informieren.

Zudem warnt die Stadt vor möglichen Fälschungen: Wer derzeit Mitteilungen oder Zahlungsaufforderungen erhält, die angeblich von der Stadt stammen, sollte diese besonders sorgfältig prüfen. Vor allem aktuelle Rechnungen aus dem Rathaus sollten genau kontrolliert werden, bevor Zahlungen erfolgen.

Angriff auf Landratsamt Cham inzwischen behoben

Beim Vorfall im Landratsamt Cham handelte es sich nach bisherigen Erkenntnissen um einen sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Angriff, kurz DDoS. Ziel solcher Attacken ist es nicht, Daten auszuspähen, sondern Systeme und Dienste durch eine sehr hohe Zahl gleichzeitiger Anfragen zu überlasten.

Die Angriffswelle begann dort in den frühen Morgenstunden und verstärkte sich in mehreren Wellen. Nach Angaben der Behörde klärte die interne IT-Abteilung gemeinsam mit einer Fachfirma und dem Internetprovider die Ursache bis zum Mittag auf und aktivierte Schutzmaßnahmen. Ab dem Nachmittag konnte der Regelbetrieb schrittweise wieder aufgenommen werden.

Der Vorfall in Cham wurde dokumentiert und soll zur weiteren Verfolgung bei den Strafverfolgungsbehörden angezeigt werden. Die Anfragen stammten nach bisherigen Erkenntnissen aus einem weltweiten Netz kompromittierter Systeme in rund 50 Ländern, darunter Brasilien, Indien, Mexiko, Argentinien, der Irak und Bangladesch.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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