Reinhard Marx zwischen Hierarchie und Reformdebatte
Reinhard Marx zählt seit Jahren zu den prägendsten Gestalten der katholischen Kirche in Deutschland. Johannes Paul II. ernannte ihn einst zum Weihbischof, Benedikt XVI. später zum Erzbischof und Kardinal. Unter Papst Franziskus gewann er zusätzlich Gewicht als wichtiger Ansprechpartner in Rom. Welche Rolle er künftig unter Papst Leo XIV. spielen wird, bleibt offen. Fest steht jedoch: Seit seiner Weihe zum Weihbischof am 21. September 1996 in Paderborn führte sein Weg kontinuierlich an die Spitze der Kirche.
Sein 30-jähriges Bischofsjubiläum begeht Marx am kommenden Montag mit einem Gottesdienst in München. Am selben Tag wird er 73 Jahre alt. Schon zuvor steht in der Katholischen Akademie Bayern eine bemerkenswerte Tagung an. Unter dem Titel „Der synodale Bischof: Das Leitungsamt der Kirche unter dem Anspruch der Synodalität neu denken“ diskutiert Marx gemeinsam mit Fachleuten über die Zukunft des Bischofsamtes und mögliche Reformen.
Streitpunkt Synodalität
Die katholische Kirche ist traditionell stark hierarchisch organisiert. Genau an diesem Punkt setzen viele Reformüberlegungen an. Dabei geht es etwa um die Frage, ob Gläubige stärker daran beteiligt werden sollten, wer eine Diözese leitet, und welche Fähigkeiten Bischöfe in Zeiten sinkender Mitgliederzahlen mitbringen müssen.
Der Begriff „synodal“ ist inzwischen innerhalb der Kirche hoch umstritten. Papst Franziskus hatte mit einer Weltsynode einen globalen Prozess zur Beratung über die Zukunft der Kirche angestoßen. In Deutschland wurde der Gedanke konkreter: Nach dem Missbrauchsskandal entstand der Synodale Weg, auf dem Bischöfe und Laien gemeinsam nach Antworten auf die Krise suchten. Wie es damit weitergeht, ist jedoch weiterhin unklar. Der Vatikan betrachtet das Projekt mit Zurückhaltung, auch aus konservativen Kreisen gibt es deutliche Kritik.

Marx spielte bei diesen Entwicklungen eine zentrale Rolle. Von 2014 bis 2020 stand er an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz und gehörte zu den Mitinitiatoren des Synodalen Weges. Seine Laufbahn hätte allerdings 2021 beinahe ein abruptes Ende gefunden: Vor dem Hintergrund der Missbrauchskrise bot er dem Papst seinen Rücktritt an. Franziskus nahm ihn jedoch nicht an.
Als vor knapp einem Jahr in Marx’ früherem Bistum Trier eine Missbrauchsstudie vorgestellt wurde, räumte der Kardinal eigene Versäumnisse ein. In einer Stellungnahme erklärte er, ihm sei immer klarer geworden, dass er während seiner Trierer Zeit das Thema sexualisierte Gewalt und sexuellen Missbrauch nicht in der nötigen Deutlichkeit und Breite wahrgenommen habe. Zugleich bat er jene Menschen um Verzeihung, denen er nicht gerecht geworden sei.
Deutliche Positionen
Marx nahm als Kardinal an zwei Konklaven zur Wahl eines Papstes teil. Er gilt als wortgewandt und direkt, als jemand, der politische und gesellschaftliche Fragen offen anspricht. Immer wieder fordert er ein entschiedenes Eintreten für Demokratie, Menschenrechte und Frieden. Nach dem Erfolg der AfD in Sachsen-Anhalt betonte er zuletzt, völkischer Nationalismus sei mit dem christlichen Verständnis von Gott und Mensch nicht vereinbar.
Während des Pontifikats von Franziskus, der 2025 starb, verfügte Marx auch international über erheblichen Einfluss. Inzwischen ist es etwas stiller um ihn geworden. Dennoch äußert er sich anerkennend über Papst Leo XIV. So bezeichnete er ihn zum Jahrestag der Papstwahl im Mai als „Stimme der ganzen Menschheit“. Der Papst handle frei von nationalen oder wirtschaftlichen Interessen, sagte Marx, und genau darin liege die besondere Stärke dieses Amtes.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber