US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat Deutschland für seine aus seiner Sicht führende Rolle beim Ausbau der Nato-Fähigkeiten in Europa gelobt. Bei einem Treffen mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius im Pentagon sprach er von bemerkenswerten Fortschritten, die vor der Rückkehr von Präsident Donald Trump ins Amt kaum jemand erwartet habe.
Zugleich unterzeichneten beide Minister eine Vereinbarung zur Rüstungskooperation. Sie soll dazu beitragen, den hohen Bedarf der Nato an Waffen, Munition und militärischer Ausrüstung künftig stärker auch über deutsche Produktionskapazitäten zu decken.
Nach Angaben Hegseths eröffnet die Absichtserklärung zusätzliche Möglichkeiten bei gemeinsamer Entwicklung, Fertigung und Lizenzproduktion. Außerdem sollen Wartung und Instandsetzung ausgebaut werden. Ziel sei es, moderne Systeme für die Streitkräfte der USA, Deutschlands und weiterer Bündnispartner schnell und in großer Stückzahl bereitzustellen.
Verteidigungsausgaben reichen allein nicht aus
Hegseth betonte, Deutschland bewege sich bei den Verteidigungsausgaben in Richtung des Nato-Ziels von fünf Prozent und sende damit ein wichtiges Signal an die Partner. Zugleich machte er deutlich, dass höhere Etats allein nicht genügten. Für eine schlagkräftige Nato müsse auch die starke und traditionsreiche deutsche Industrie stärker in die gemeinsame Verteidigung eingebunden werden.
Pistorius war zuletzt im Sommer 2025 zu Gesprächen in Washington gewesen. Noch im Vorjahr hatte es aus den USA deutliche Kritik an der Bundesregierung gegeben. Inzwischen hat Deutschland seine Militärausgaben spürbar erhöht und seine Rolle bei der Unterstützung der Ukraine weiter ausgebaut.

Parallel dazu stoßen die USA im Krieg gegen den Iran, den sie gemeinsam mit Israel begonnen haben, auf die Grenzen militärischer Macht. Die Führung in Teheran gilt weiterhin als handlungsfähig, reagiert mit Gegenangriffen und setzt mit ihrem Einfluss auf die Straße von Hormus den internationalen Handel sowie den Öltransport unter Druck.
Neue Perspektiven für die deutsche Rüstungsindustrie
Vor allem bei gelenkten Raketen und Flugabwehrsystemen aus US-Produktion zeigen sich Engpässe. Das bekommen sowohl europäische Nato-Staaten als auch die Ukraine zu spüren.
Für deutsche Unternehmen eröffnet das neue Möglichkeiten. Pistorius erklärte nach dem Treffen, Deutschland bringe Fachwissen und Produktionskapazitäten für eine gemeinsame Herstellung ein.
Er hob die Vorteile einer solchen Zusammenarbeit hervor: Bestände könnten aufgefüllt, Fähigkeiten gestärkt und zugleich Partner unterstützt werden. Wo die Kapazitäten in den USA wegen der hohen Nachfrage nicht ausreichten, habe Deutschland angeboten, die Produktion zu übernehmen. Dieses Angebot stoße in Washington auf großes Interesse.
Kooperation soll beiden Seiten nutzen
Für Deutschland ist bei Rüstungsprojekten mit den USA vor allem der Zugang zu Technologien wichtig, die in Europa bislang nicht oder noch nicht ausreichend verfügbar sind. Dazu zählen unter anderem Lenkflugkörper und Luftverteidigungssysteme wie Patriot.
Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit keine Einbahnstraße sein. So ist Rheinmetall mit dem Schützenpanzer Lynx im Wettbewerb um das künftige Gefechtsfahrzeug des US-Heeres vertreten. Dabei geht es um einen möglichen Auftrag über mehr als 4.000 Fahrzeuge.
Deutschland bleibt mit rund 38.000 US-Soldaten der wichtigste amerikanische Militärstandort in Europa. Zu den bedeutendsten Einrichtungen zählen die Air Base Ramstein, die Truppenübungsplätze in Grafenwöhr und Hohenfels, das Militärkrankenhaus in Landstuhl sowie regionale Hauptquartiere in Stuttgart und Wiesbaden. Von dort aus unterstützen die USA unter anderem Einsätze im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber