Bayern

14-Jähriger tot: Was steckt hinter der Gewalttat?

Toter 14-Jähriger, erschossener Verdächtiger: Das Drama von Memmingen wirft Rätsel auf – und die entscheidende Frage bleibt offen.

06.05.2026, 11:33 Uhr

Nach dem Gewaltverbrechen an einem 14-Jährigen in Memmingen ermittelt die Kriminalpolizei weiter zu den Hintergründen. Ein 37 Jahre alter Mann, der als dringend tatverdächtig gilt, war bei einem Festnahmeversuch von Polizeischüssen getroffen worden und später im Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben.

Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen gehen die Behörden inzwischen davon aus, dass sich der 14-Jährige und der Tatverdächtige kannten. Das teilte die Staatsanwaltschaft Memmingen mit. Zuvor war noch unklar gewesen, ob es eine Verbindung zwischen beiden gab.

Auch zur Todesursache des Jugendlichen liegen nun erste Erkenntnisse vor. Nach dem vorläufigen Ergebnis der Obduktion starb der 14-Jährige durch Gewalteinwirkung im Halsbereich. Stichverletzungen wurden demnach nicht festgestellt. Die Ermittlungen zum genauen Tathergang dauern weiter an.

Tatverdächtiger konnte nicht abgeschoben werden

Die Regierung von Schwaben hat unterdessen erläutert, warum der Mann trotz abgelehnten Asylantrags nicht aus Deutschland abgeschoben werden konnte. Demnach war der 37-Jährige wegen ungeklärter Identität in Deutschland geduldet. Seine Staatsangehörigkeit habe trotz intensiver Bemühungen nicht abschließend festgestellt werden können.

Nach Behördenangaben handelt es sich um einen staatenlosen Palästinenser, der aus dem von Israel besetzten Westjordanland stammen soll. Er soll seit Dezember 2020 in Deutschland gewesen sein und wenige Monate später nach Memmingen gekommen sein. Gegen die Ablehnung seines Asylantrags soll er geklagt haben. Seit September 2023 sei er jedoch ausreisepflichtig gewesen.

Laut Regierungsbehörde gab es zwei Versuche, für den Mann einen Passersatz zu erhalten. Diese Verfahren seien sowohl mit Blick auf die Palästinensischen Autonomiegebiete als auch hinsichtlich eines möglichen Herkunftslandes Jordanien erfolglos geblieben. Deshalb hätten aufenthaltsbeendende Maßnahmen nicht umgesetzt werden können.

Die Leiche des seit Samstag vermissten Jugendlichen war am Montag in einem leerstehenden Gebäude nahe dem Bahnhof in Memmingen entdeckt worden. In diesem Haus soll sich der Verdächtige nach bisherigen Erkenntnissen in einem Schrank versteckt haben. Als Polizeibeamte ihn entdeckten, soll er sie mit einem Messer angegriffen haben und anschließend geflohen sein.

Später am Montagabend wurde der Mann in der Nähe eines Hallenbads gefunden. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft wollten fünf Zivilbeamte ihn festnehmen, doch der Gesuchte lief erneut davon. Während der Verfolgung soll er wieder ein Messer gezogen und die Einsatzkräfte bedroht haben. Daraufhin schossen die Polizisten mehrfach auf ihn. Der 37-Jährige starb später im Krankenhaus.

Polizei durchsucht Unterkunft in Senden

Der Mann war laut Staatsanwaltschaft in Deutschland bereits zweimal zu Geldstrafen verurteilt worden – wegen Sachbeschädigung und unerlaubten Aufenthalts ohne Pass. Nach Angaben der Regierung von Schwaben war er erst vor wenigen Wochen in eine Unterkunft für Asylbewerber in Senden im Landkreis Neu-Ulm verlegt worden.

Im Zuge der Ermittlungen durchsuchte die Polizei am Montagnachmittag auch diese Unterkunft. Ziel der Maßnahme war nach Angaben der Staatsanwaltschaft, mögliche Beweismittel sicherzustellen. Ob dabei etwas gefunden wurde, teilten die Ermittler zunächst nicht mit. Zuvor hatte die Augsburger Allgemeine über die Durchsuchung berichtet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen