Bayern

10 Jahre nach Brückendrama: Warum läuft es noch?

Schock auf der A7: Beim Betonieren einer Brücke bei Schweinfurt versagt plötzlich das Traggerüst – Arbeiter stürzen ab.

14.06.2026, 04:00 Uhr

Zehn Jahre nach Brückeneinsturz bei Schweinfurt: Aufarbeitung noch nicht beendet

Auch ein Jahrzehnt nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke nahe Schweinfurt, bei dem ein Mensch ums Leben kam, sind die juristischen Folgen noch nicht vollständig geklärt. Nach Angaben einer Sprecherin des Landgerichts Schweinfurt laufen dort weiterhin ein Strafverfahren sowie drei Zivilklagen. Dabei geht es unter anderem um Schadensersatz und Schmerzensgeld für Betroffene.

Vor dem Landgericht waren insgesamt vier Männer angeklagt, darunter drei Prüfingenieure und ein Statiker. Ihnen wurden unter anderem fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen.

Unglück auf der A7 im Juni 2016

Am 15. Juni 2016 stürzte das Traggerüst für den Neubau der Schraudenbach-Talbrücke auf der Autobahn 7 bei Werneck in Unterfranken ein. Zu diesem Zeitpunkt wurden gerade rund 1.500 Tonnen Beton eingebracht. Mehrere Arbeiter stürzten aus über 20 Metern Höhe ab. Ein Bauarbeiter starb, 14 weitere Menschen wurden verletzt. Den Gerichtsangaben zufolge stammen die meisten Opfer aus Kroatien.

Bereits mehrere Strafurteile rechtskräftig

Drei der Strafverfahren gegen die Angeklagten sind inzwischen rechtskräftig abgeschlossen. Im Mai 2023 verurteilte das Landgericht Schweinfurt einen heute 62-jährigen Ingenieur wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung in 14 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren auf Bewährung. Seine Revision blieb erfolglos.

Nach Einschätzung der vorsitzenden Richterin beruhte das Unglück auf einer unvollständigen statischen Berechnung. Das errichtete Traggerüst sei in dem betroffenen Bereich nicht in der Lage gewesen, die auftretende Last zu tragen.

Talbrücke Schraudenbach
Mittlerweile ist die Brücke erneuert. (Archivbild) Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ein weiterer Angeklagter, heute 52 Jahre alt, erhielt zunächst neun Monate Haft auf Bewährung. Dieses Urteil hob der Bundesgerichtshof jedoch wegen eines Formfehlers auf. Der Fall wurde an eine andere Kammer des Landgerichts zurückverwiesen. Ein neuer Termin für das Verfahren gegen den Prüfingenieur steht bislang noch nicht fest.

Freispruch und eingestelltes Verfahren

Ein dritter Prüfingenieur, inzwischen 68 Jahre alt, wurde freigesprochen. Das Verfahren gegen den vierten Angeklagten, einen Statiker, war bereits 2023 von den übrigen Prozessen getrennt worden, weil seine Verteidigerin aus gesundheitlichen Gründen verhindert war.

Im Mai 2025 stellte das Landgericht das Verfahren gegen den heute 54-Jährigen schließlich ein. Die Kammer bewertete seine Schuld als gering. Zugleich wurde ihm auferlegt, 5.000 Euro an das Bayerische Rote Kreuz in Schweinfurt zu zahlen.

Zivilklagen in Millionenhöhe

Unabhängig von den Strafurteilen laufen die zivilrechtlichen Verfahren weiter. Die Verteidigerin des früher angeklagten Statikers hatte im Prozess erklärt, allein gegen ihren Mandanten gebe es sieben Zivilverfahren. Dabei gehe es um Forderungen in Millionenhöhe. Welche Gerichte dafür zuständig sind, sagte sie nicht.

Brücke inzwischen ersetzt

Die ursprüngliche Brücke aus dem Jahr 1965 musste unter anderem wegen ihres schlechten baulichen Zustands ersetzt werden. Die jahrzehntelange Belastung durch schwere Lastwagen hatte auf der stark befahrenen A7 deutliche Spuren hinterlassen.

Der Neubau wurde Ende 2019 fertiggestellt. Die neue Brücke ist 236 Meter lang, bis zu 22 Meter hoch und kostete nach Angaben der Autobahndirektion Nordbayern rund 18 Millionen Euro.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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