Niedersachsen

Schüsse in Göttingen: Polizist bei Streit getroffen

Streit eskaliert in Sekunden: Schüsse in Göttingen, ein Polizist verletzt – jetzt läuft ein Großeinsatz.

14.06.2026, 02:58 Uhr

Nach Schüssen in Göttingen: verletzter Polizist außer Lebensgefahr – Täter weiter flüchtig

Bei einer Auseinandersetzung in der Göttinger Innenstadt ist am Samstagabend ein Polizeibeamter angeschossen und schwer verletzt worden. Nach Angaben der Polizei ist der Mann inzwischen außer Lebensgefahr. Der mutmaßliche Schütze war auch am Sonntagabend, rund 24 Stunden nach der Tat, weiter auf der Flucht.

Hintergrund: Streit zwischen rivalisierenden Großfamilien

Nach neuen Angaben der Ermittler stand hinter dem Vorfall eine Auseinandersetzung zwischen zwei rivalisierenden Göttinger Großfamilien. Welche Personen genau an dem Konflikt beteiligt waren, werde derzeit noch geprüft. Unklar ist weiterhin, worum es bei dem Streit konkret ging und warum die Situation derart eskalierte.

Schüsse fielen gegen 22.15 Uhr nahe einer Tankstelle

Die Lage eskalierte laut Polizei am Samstag gegen 22.15 Uhr in der Nähe einer Tankstelle am Rand der Göttinger Innenstadt. Auf Videos zu dem Vorfall ist zu sehen, wie Menschen hinter einer Mauer Schutz suchen. Ein Polizist geht hinter einem Streifenwagen in Deckung, dazu sind Rufe wie „Alle auf den Boden“ sowie Schussgeräusche zu hören.

Bei dem Einsatz wurde der Beamte getroffen und schwer verletzt. Sanitäter brachten ihn ins Krankenhaus. Am frühen Sonntag gab die Polizei dann Entwarnung: Eine akute Lebensgefahr werde nach derzeitigem Stand nicht mehr angenommen.

Ermittlungen zu Schüssen und Waffe laufen weiter

Noch unklar ist, ob der Polizist von einem einzelnen Schuss oder von mehreren Schüssen getroffen wurde. Auch die Gesamtzahl der abgegebenen Schüsse ist weiter Teil der Ermittlungen.

Die Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass mit einer scharfen Schusswaffe geschossen wurde. Eine Schreckschusswaffe gilt nach jetzigem Stand als unwahrscheinlich.

Täter weiter auf der Flucht

Nach den Schüssen soll eine Person direkt vom Tatort geflohen sein. Die Polizei hält es für möglich, dass es sich dabei um den Täter handelt. Zahlreiche Einsatzkräfte suchten noch in der Nacht nach dem Verdächtigen, zeitweise war auch ein Hubschrauber im Einsatz.

„Wir wollen den Schützen kriegen. Darauf liegt jetzt unser Fokus“, betonte eine Polizeisprecherin.

Polizei bittet um Hinweise und wertet Videos aus

Die Ermittler bitten Zeugen, sich zu melden. Gesucht werden insbesondere Hinweise zur Schussabgabe und zur Identität des Täters. Bereits kurz nach der Tat gingen laut Polizei mehrere Hinweise ein, die nun ausgewertet werden.

So berichtete ein Mann, dass sich nach schussähnlichen Knallgeräuschen eine Person vom angrenzenden Universitätsgelände in Richtung Kreuzbergring entfernt habe. Eine genauere Beschreibung konnte der Zeuge jedoch nicht liefern.

Zusätzlich prüfen die Einsatzkräfte Videos, die in sozialen Netzwerken verbreitet wurden.

Schüsse während der „Nacht der Kulturen“

Zum Zeitpunkt des Vorfalls feierten Tausende Menschen in der Göttinger Innenstadt bei der „Nacht der Kulturen“. Auf mehreren Bühnen traten Musiker, Artisten und weitere Künstler auf.

Der Tatort lag nach Polizeiangaben jedoch nicht auf dem Veranstaltungsgelände, sondern deutlich abgesetzt am Rand der Innenstadt – auf einem Gehweg direkt neben der Bundesstraße 27, die aus Göttingen hinausführt. Für die Bevölkerung habe zu keinem Zeitpunkt eine akute Gefahr bestanden, betonten die Ermittler.

Innenministerin verurteilt Eskalation scharf

Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens verurteilte den Vorfall deutlich. Die SPD-Politikerin erklärte, die Eskalation der Gewalt sei erschreckend und absolut inakzeptabel. Wer einen Polizisten auf so brutale Weise angreife, verachte den Rechtsstaat und greife damit die gesamte Gesellschaft an.

Polizeiführung kündigt starke Präsenz in Göttingen an

Göttingens Polizeipräsidentin Tanja Wulff-Bruhn erklärte, oberste Priorität habe derzeit der Gesundheitszustand des schwer verletzten Beamten. Man sei in Gedanken bei ihm, seinen Angehörigen sowie bei den Kolleginnen und Kollegen, die die Tat miterleben mussten. Zugleich werde alles daran gesetzt, den Schützen so schnell wie möglich zu fassen.

Der Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, Marco Hansmann, kündigte zudem verstärkte Polizeipräsenz in der Stadt an. Damit solle nicht nur Gefahren abgewehrt, sondern auch das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger nach der Tat gestärkt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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