Bayerns kleinste Gemeinde wählt erneut ihren Bürgermeister
In der kleinsten Gemeinde Bayerns steht am Sonntag noch einmal eine Bürgermeisterwahl an. Grund ist eine ungewöhnlich verlaufene Abstimmung im März: Damals verfehlte der amtierende Bürgermeister Armin Krämmer von der Freien Wählergemeinschaft Chiemsee trotz fehlender Konkurrenz die notwendige Mehrheit.
Wieder nur ein Name auf dem Stimmzettel
Auch diesmal gibt es lediglich einen Bewerber. Zur Wahl steht nun der Keramikmeister Georg Klampfleuthner von der Freien Wählergruppe Chiemsee. Da es in der kleinen Inselgemeinde nur diese eine Liste gibt, findet sich erneut nur ein Kandidat auf dem Wahlzettel.
Krämmer hatte sich nach der gescheiterten Wahl zurückgezogen. Nach Angaben der Verwaltungsgemeinschaft Breitbrunn am Chiemsee kam er im März auf 47,7 Prozent der Stimmen. Mehr als die Hälfte der Wählerinnen und Wähler trug jedoch andere Namen ein. Das ist nach dem Wahlrecht zulässig, wenn kein oder nur ein offizieller Kandidat antritt. Damit könnte sich die Situation theoretisch erneut wiederholen. In der Gemeinde mit rund 170 Einwohnern sind etwas mehr als 140 Menschen wahlberechtigt.
Unerwarteter Zweitplatzierter wollte nicht antreten
Nach der Abstimmung im März hätte eigentlich eine Stichwahl folgen müssen. Diese wäre zwei Wochen später zwischen den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen angesetzt worden. Neben Krämmer hätte dann ein langjähriger Gemeinderat auf dem Stimmzettel gestanden, obwohl er gar nicht kandidiert hatte und lediglich durch handschriftliche Einträge auf 21,5 Prozent gekommen war.
Der unfreiwillig auf Platz zwei Gewählte lehnte eine Teilnahme jedoch ab. Deshalb musste das gesamte Verfahren neu begonnen werden, was sich über mehrere Monate hinzog.
Verwunderung über das Ergebnis
Dass Krämmer nach einer Amtszeit als Bürgermeister keine Mehrheit erreichte, hatte im Ort für Überraschung gesorgt. Hinweise auf einen Skandal oder größere Kontroversen gegen den Amtsinhaber, wie sie andernorts vorkommen, habe es nach Angaben aus dem Umfeld der Wahl nicht gegeben. Auffällig war zudem die hohe Beteiligung: Fast 80 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab und damit deutlich mehr als im bayerischen Durchschnitt.
Leben auf den Inseln
Zur Gemeinde Chiemsee gehören die Fraueninsel mit dem Benediktinerinnenkloster, die Herreninsel mit dem Schloss König Ludwigs II. sowie die unbewohnte Krautinsel. Auf den Inseln leben neben den Benediktinerinnen unter anderem Fischer, Künstler und Menschen, die im Tourismus arbeiten.
Früher trat bei Gemeinderatswahlen neben der Freien Wählergemeinschaft Chiemsee auch eine eigene Wählerliste des Klosters an. Bislang saß deshalb auch eine Nonne im Gemeinderat. Bei der jüngsten Wahl reichte es für die einzige kandidierende Ordensfrau jedoch nicht für einen Platz im achtköpfigen Gremium.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion