Wirtschaft

Ifo: Wende bei Konjunkturaussichten?

75 Jahre Flaute – doch kommt jetzt die Wende? Warum ein mögliches Iran-Kriegsende plötzlich Hoffnung für die deutsche Wirtschaft macht.

18.06.2026, 10:30 Uhr

Die deutsche Wirtschaft dürfte sich in diesem Jahr etwas günstiger entwickeln als zuletzt angenommen. Nach der neuen Konjunkturprognose des Ifo-Instituts sorgen vor allem hohe staatliche Ausgaben sowie die Hoffnung auf ein Ende des Kriegs mit dem Iran für eine vorübergehende Entlastung. Die Münchner Forscher haben ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts 2025 daher leicht auf 0,8 Prozent angehoben. Auch für das kommende Jahr rechnen sie mit einem Plus von 0,8 Prozent.

Noch im Frühjahr hatte das Ifo seine Erwartungen in einem Eskalationsszenario nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran auf 0,6 Prozent gesenkt. Mit der aktuellen Anpassung liegt die Prognose nun wieder um 0,2 Prozentpunkte höher.

Inflation dürfte Verbraucher weiter belasten

Trotz der etwas besseren Wachstumsaussichten bleiben die Folgen des kriegsbedingten Energiepreisschocks deutlich spürbar. Für dieses Jahr erwartet das Ifo eine Inflationsrate von 2,9 Prozent, im kommenden Jahr soll sie bei 2,7 Prozent liegen.

Auch die Bundesbank geht davon aus, dass die Teuerung in den nächsten Monaten noch einmal auf mehr als drei Prozent steigen könnte. Als Grund verweist sie unter anderem auf das Auslaufen des befristeten Tankrabatts Ende Juni, wodurch Energie erneut teurer werden dürfte. Bei Gas könnten höhere Großhandelspreise wegen langfristiger Beschaffungs- und Vertragsstrukturen zudem erst verzögert bei den Haushalten ankommen. Auch bei Lebensmitteln drohen laut Bundesbank weitere Preissteigerungen, weil Produzenten höhere Energiekosten weitergeben.

Ifo-Konjunkturforscher Timo Wollmershäuser hält allerdings auch ein günstigeres Szenario für möglich. Sollten die Energiepreise schneller sinken und sich wieder dem Niveau vor Ausbruch des Kriegs annähern, könnte auch die Inflationsrate rascher zurückgehen.

Staatliche Ausgaben stützen – aber nicht ohne Folgen

Einen erheblichen Anteil am erwarteten Wachstum in diesem und im kommenden Jahr haben laut Ifo die schuldenfinanzierten hohen Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Wollmershäuser sprach von einem fiskalischen Schub, der jedoch seinen Preis habe. Das Institut rechnet damit, dass die Staatsschuldenquote von derzeit gut 63 Prozent auf 68 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigt.

Ifo-Präsident Clemens Fuest warnte, dass bei anhaltend hohen Staatsausgaben ohne gegensteuernde Reformen in den kommenden Jahren massive Steuer- und Abgabenerhöhungen kaum zu vermeiden seien. Das würde das Wirtschaftswachstum zusätzlich belasten.

Mittelfristiger Ausblick bleibt schwach

Trotz der etwas besseren kurzfristigen Perspektive bleibt Deutschland ebenso wie der Euroraum klar hinter dem erwarteten Wachstum der Weltwirtschaft von mehr als zwei Prozent zurück. Noch düsterer fällt der längerfristige Ausblick aus: Nach Einschätzung des Ifo droht der deutschen Wirtschaft bis Ende des Jahrzehnts ein Rückfall in die Stagnation, wenn die Bundesregierung keine Reformen einleitet.

Wollmershäuser und sein Team gehen davon aus, dass das Potenzialwachstum der deutschen Wirtschaft bis zum Ende des Jahrzehnts auf nur noch 0,1 Prozent sinken könnte. Zugleich verweisen die Ökonomen auf steigende Staatsausgaben, eine weitgehend stagnierende Wirtschaftsleistung und rückläufige private Investitionen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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